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Wird's in Pirna bald zappenduster?

Die Stadt will bei der Straßenbeleuchtung weitere Kosten einsparen und Lampen länger abschalten. Es gibt drei Szenarien - von ein bisschen bis ziemlich finster.

Abendstimmung an der Pirnaer Schillerstraße: Gehen hier bald die Straßenlampen länger aus?
Abendstimmung an der Pirnaer Schillerstraße: Gehen hier bald die Straßenlampen länger aus? © Thomas Möckel

Als der Pirnaer Stadtrat im Herbst vergangenen Jahres den Doppelhaushalt für 2021/22 beschloss, sah es nicht gut aus mit den städtischen Finanzen. Noch nicht absehbare Folgen der Corona-Pandemie sowie weitere Umstände schmälerten das Budget erheblich, weshalb Pirna sämtliche Ausgabeposten zunächst mit einer 14-prozentigen Ausgabesperre belegte.

Weil das allein nicht ausreichte, den Etat auszugleichen, musste weiteres Spar- und Einnahmepotenzial ausgelotet werden - damit Pirna auch in Zukunft finanziell leistungsfähig bleibt. Um einen Großteil der geplanten, teils heftigen Einschnitte – beispielsweise höhere Steuern und höhere Elternbeiträge für Kitas – kamen die Einwohner herum.

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Aber ganz ohne ging es auch nicht. So beschloss der Stadtrat, die Parkgebühren drastisch zu erhöhen. Und um Geld für die Entleerung zu sparen, ließ Pirna im Frühjahr mit einer ziemlich überhasteten Aktion mehr als die Hälfte der öffentlichen Papierkörbe demontieren.

Sparen trotz Finanzhilfen

Im späten Frühjahr entspannte sich die Lage etwas, weil Pirna überraschend vier Millionen Euro aus dem Corona-Hilfsfonds des Landes erhielt. Das Geld reichte zunächst aus, die 14-Prozent-Sperre in Teilbereichen aufzuheben. Einen Teil des Geldes legt Pirna jedoch erst einmal auf die hohe Kante, da noch keiner weiß, wie die Finanzsituation 2022 aussehen wird.

So lotet die Stadt weiter Sparpotenzial aus. Diesmal betrifft es die Straßenbeleuchtung, die in weiten Teilen nachts ohnehin schon herunter gedimmt ist. Der Stadtrat soll am 5. Oktober entscheiden, ob diese Nachtabschaltungen zeitlich und räumlich ausgeweitet werden sollen. Die Stadt hat dafür drei Varianten vorgelegt. Sächsische.de erläutert die Einzelheiten.

Weniger Licht, weniger Sicherheit?

Damit Pirna finanziell leistungsfähig bleibt, hat die Fachgruppe Tiefbau auch Einsparmöglichkeiten bei der öffentlichen Straßenbeleuchtung geprüft. Nach Aussage des Rathauses könne in diesem Bereich kurz- und mittelfristig zunächst nur der Stromverbrauch reduziert werden, was zum Teil auch schon seit geraumer Zeit wie folgt geschieht:

  • An 120 Straßen werden die Laternen nachts zwischen 0.30 und 4.30 Uhr abgeschaltet.
  • An 57 Straßen werden die Lampen nachts zwischen 22 und 4 Uhr abgeschaltet.
  • An 104 Straßen wird die Leistung der Lampen von 22 bis 4 Uhr auf 70 Prozent reduziert.

An 105 Straßen hingegen wird die Straßenbeleuchtung derzeit gar nicht abgeschaltet. Laut Rathaus seien die Maßnahmen in Punkt 2 und 3 bereits ausgereizt. Technische Möglichkeiten, diese auszuweiten, bestünden nicht. Daher sieht die Stadt derzeit nur die Möglichkeiten, entweder die Abschaltzeiten zu verlängern oder weitere Lampen abzuschalten.

Allerdings gibt es diesbezüglich auch Bedenken. Bleibt es künftig nachts länger und auf zusätzlichen Straßen finster, könne laut der Stadt das Sicherheitsgefühl der Passanten sinken, obgleich bisher kein Zusammenhang zwischen steigender Kriminalität und der zeitweise ausgeschalteten Straßenbeleuchtung hergestellt werden konnte. Diesem Nachteil stehe aber das erhebliche Einsparpotenzial an Lichtemission, Energie und Kosten gegenüber.

Drei Varianten, drei Sparpotenziale

Daher schlägt die Stadt drei verschiedene Varianten vor, um dieses Einsparpotenzial auszuschöpfen.

Erstens: die Minimalvariante. Dabei wird die Nachtabschaltung um 1,5 Stunden verlängert, sie dauert künftig also von 23 bis 4.30 Uhr. Dies betrifft nur die Straßenzüge, die bereits in der Nachtabschaltung laufen. Einsparpotenzial: etwa 23.400 Euro im Jahr.

Zweitens: die Midivariante. Hierbei soll die Minimalvariante durch die Aufnahme weiterer, bisher nicht abgeschalteter Straßenzüge in die Nachtabschaltung ergänzt werden. Einsparpotenzial: knapp 48.000 Euro im Jahr. Es fallen jedoch einmalig Umrüstungskosten zwischen 4.000 und 8.000 Euro an.

Drittens: die Maximalvariante. Gegenüber der Midivariante werden vier weitere Straßenzüge in die Nachtabschaltung aufgenommen. Dies betrifft konkret die Züge Varkausring, Jacobäerstraße, Schillerstraße und Pratzschwitzer Straße. Einsparpotenzial: Reichlich 65.000 Euro im Jahr. Aber auch hier fallen einmalig Umrüstungskosten zwischen 5.000 und 10.000 Euro an. Wegen des höchsten Einsparpotenzials favorisiert die Stadt die Maximalvariante.

Bus-Fahrgäste stehen im Dunkeln

Allerdings gibt es ein gravierendes Problem. Der Ortschaftsrat Graupa ließ das Rathaus wissen, dass es in Graupa noch Buslinienfahrten gibt, die nach 23 Uhr stattfinden. Bei einer längeren Nachtabschaltung würden die Fahrgäste dann im Dunkeln stehen.

Davon ausgehend prüfte die Stadt, wie sich eine verlängerte Nachtabschaltung der Straßenlampen auf das komplette Bushaltestellennetz auswirkt. Dabei stellte das Rathaus fest, dass es im Fall der Maximalvariante an insgesamt acht Haltestellen dazu käme, dass die öffentliche Beleuchtung bei Ankunft des letzten Linienbusses bereits ausgeschaltet wäre. Betroffen davon sind mehrere Haltestellen in Graupa, in Copitz sowie auf dem Sonnenstein.

Um dies zu verhindern und sicherzustellen, dass bei Ankunft der Busse die öffentliche Straßenbeleuchtung an den Haltestellen leuchtet, schlägt die Stadt nun eine modifizierte Maximalvariante vor.

Danach werden die Straßenlampen in Graupa auch weiterhin nachts erst 0.30 Uhr abgeschaltet, das betrifft rund 140 Leuchten. Und im Straßenzug „Sonnenstein 3“ – das betrifft den Varkausring, die Struppener Straße, die Straße der Jugend, die Remscheider Straße und die Julius-Fucik-Straße – werden die Laternen nachts erst 23.30 Uhr abgeschaltet, das umfasst etwa 205 Lampen.

Der Stadtrat soll die Stadt nun beauftragen, diese modifizierte Maximalvariante umzusetzen. Geplant ist zunächst eine Testphase, die nach einiger Zeit ausgewertet wird, bevor es dann möglicherweise auf Dauer nachts finsterer wird.

Stadtrat Pirna, 5. Oktober, 18 Uhr, Herderhalle

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