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Warum eine Baustelle Eltern wütend macht

Dank Sperrung fährt im Lawalder Ortsteil Schön kein Schulbus, der Rettungsweg ist dicht und ein Mann im Auto erschreckt Kinder. Was steckt dahinter?

Langer Schulweg wegen einer Straßensperrung: Bei Wind und Wetter laufen die Schulkinder über einen Radweg in den Lawalder Ortsteil Sand.
Langer Schulweg wegen einer Straßensperrung: Bei Wind und Wetter laufen die Schulkinder über einen Radweg in den Lawalder Ortsteil Sand. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Lars Dobers ist enttäuscht. Der dreifache Familienvater, der im Lawalder Ortsteil Sand zu Hause ist, hat gehofft, dass seine Gemeinde das Geldsäckel für die Kinder öffnet - oder sich wenigstens irgendwer zuständig fühlt. Neun Grundschüler, drei Oberschüler, zwei Gymnasiasten und ein Berufsschüler, die in Sand wohnen, können derzeit nämlich wegen Bauarbeiten an der Schönbacher Straße nicht in ihrem Ortsteil in den Schulbus steigen. Stattdessen müssen sie bis zu anderthalb Kilometer weit zur nächsten Haltestelle laufen.

Doch der Weg zu dieser Haltestelle über einen Rad- oder über einen Feldweg scheint den Eltern nicht sicher. Vor Kurzem haben mehrere Kinder unabhängig voneinander berichtet, dass dort ein silbernes Auto unterwegs sei, dessen Fahrer die Kinder beobachte und auch angesprochen habe. "Auch meine Frau hat ihn noch im Rückspiegel kurz gesehen, als sie den Kindern auf dem Feldweg entgegengekommen war", erzählt Dobers. Die Kinder seien verängstigt. Deshalb wäre den betroffenen Eltern ein Shuttleverkehr am liebsten. Zumal Dobers nach Gesprächen mit Bauarbeitern fürchtet, dass die Straßensperrung noch eine Weile andauere.

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Gemeinde nicht zuständig

Das alles schrieb der Lawalder im sozialen Netzwerk Facebook. Er besuchte mit weiteren Eltern auch jüngst die Gemeinderatssitzung, um für einen Shuttle-Verkehr zu werben. Sie ernteten ein geteiltes Echo. Zwar konnte Bürgermeisterin Nadja Kneschke (parteilos) das Engagement der Eltern prinzipiell verstehen. Aber die Gemeinde sei dafür schlicht der falsche Ansprechpartner. Hier lägen die Zuständigkeiten beim Landkreis für den Schülerverkehr und beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) als Bauherren. Genau deshalb, erklärte Kneschke, könne sie nicht einfach die ohnehin schlanke Gemeindekasse öffnen und einen Shuttle-Verkehr, der nach Angaben der Eltern 6.500 Euro für die verbleibenden drei Wochen kosten würde, finanzieren. Noch dazu für so wenige Schüler. Außerdem handele es sich über die gesamte Bauzeit hinweg netto nur um ganze sieben Schulwochen, die es zu überbrücken gelte.

Aber haben die Familien wirklich keinen Anspruch auf einen Schulbus trotz Bauarbeiten? Nein, heißt es vom Landkreis: "Für den Weg bis zur Haltestelle sind die Sorgeberechtigten verantwortlich", teilt Kreissprecherin Julia Bjar mit. Ein Anspruch auf einen Ersatzverkehr bestehe nicht. "Ein Laufweg von 2.000 Metern für Grundschüler und 3.500 Metern für Schüler ab Klassenstufe 5 wird vom Gesetzgeber als zumutbar angesehen", erklärt die Sprecherin.

Ausnahmezustand bald beendet

Dass dort ein Unbekannter mit dem Auto auf dem Radweg und einem privaten Feldweg unterwegs sein soll, spielt bei der Entscheidung keine Rolle und wurde auch erst nach dem Besuch der Eltern im Gemeinderat öffentlich. Es wäre auch eher ein Fall für die Polizei. Doch dort hat die Sache bislang niemand zur Anzeige gebracht: "Ich habe einem Bekannten, der bei der Polizei arbeitet, die Lage geschildert", sagt Lars Dobers. Der habe ihm klar gemacht, dass man für eine Anzeige konkrete Angaben benötige. Aber weder Automarke noch Nummernschild haben sich die Kinder vor Schreck gemerkt. Nun halten die Eltern selbst die Augen offen.

Allzu lange wird die Ausnahmesituation aber nicht mehr andauern: "Nach aktuellem Stand ist die Verkehrsfreigabe ab der ersten Novemberwoche vorgesehen", erklärt die Sprecherin des Landesamtes, Rosalie Stephan, auf Nachfrage. Zwar werde die Straße zunächst nur einseitig befahrbar sein, aber der Schulbus kann nach den Herbstferien definitiv fahren, betont sie. Laut Lasuv-Sprecherin habe man zuvor sehr wohl über den Bus- und Schülerverkehr nachgedacht und alle "Möglichkeiten beziehungsweise Alternativen geprüft". Aber einen Umweg über die öffentliche Umleitung von zwölf Kilometern für sieben Schulwochen einzurichten, war keine Option.

Kein Plan für den Rettungsdienst?

So klar habe das den Eltern bei ihren Recherchen aber niemand vermittelt, kontert Lars Dobers. Man habe eher den Eindruck gewonnen, dass man die Verantwortung hin und her schiebe. "Ja, wir kommen irgendwie damit klar und kümmern uns", sagt Dobers und fügt hinzu: "Aber uns stört, dass sich niemand verantwortlich fühlt." Schlecht informiert zu haben, das weist das Landesamt jedoch von sich: Sowohl im Gemeindeblatt als auch über andere Medien sei die Sperrung mehrfach bekannt gegeben worden. "Zusätzlich wurden die betroffenen Anwohner in Lawalde über den Auftragnehmer mittels Postwurf informiert", betont die Lasuv-Sprecherin.

Informiert ist selbstverständlich auch die Rettungsleitstelle in Hoyerswerda, betont Gemeindewehrleiter André Jähne. Im Zusammenhang mit dem Thema Schulbus wurde in der Gemeinde nämlich Kritik laut, die Rettung für Einwohner im Sand hänge während der Bauzeit in der Luft, da die Lawalder Wehr kaum pünktlich eintreffen könne. Jähne widerspricht: "Für die Zeit der Bauarbeiten ist geklärt, dass für den Ortsteil Sand die Schönbacher Wehr alarmiert wird - das ist sogar straßen- und häusergenau in den Systemen der Leitstelle einprogrammiert." Und mit den Bauarbeitern sei darüber hinaus abgemacht, dass sie Bagger und Fahrzeuge immer so wegräumen, dass die Lawalder Wehr so lange wie möglich durchfahren könne, betont der Ortswehrleiter.

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