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Wo kein Ei dem anderen gleicht

Jeder der 40 Teilnehmer am Ostereiermarkt in Bautzen hat seine eigene Handschrift. Auch Ausgefallenes ist dabei.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

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Bautzen. Trotz der eisigen Temperaturen draußen kamen im Bautzener Haus der Sorben am Wochenende schon Frühlingsstimmung und Vorfreude auf Ostern auf. Rund 1 800 Gäste besuchten den Sorbischen Ostereiermarkt. Bei der Veranstaltung zeigten 40 Volkskünstler, wie sie Hühner- und andere Eier verzieren. Während die einen sich streng an althergebrachte Traditionen halten, sind andere experimentierfreudig und probieren auch mal was Neues aus. Eines zeichnet alle Eiermalerinnen und -maler aus: Sie lassen sich von den Besuchern gern auf die Finger schauen und erklären mit großer Geduld ihre Arbeitsschritte und auch die Bedeutung der filigranen Muster, die sie da auf das Ei zaubern.

Sechs Eierkunstwerke

Die Bautzenerin Helena Pallmann mag es eher klassisch. Sie beherrscht alle traditionellen Techniken, nämlich die Kratz- und die Ätztechnik, die Wachsbossiertechnik und die Wachsbatiktechnik. An ihrem Stand führte sie aber hauptsächlich die Wachsbossiertechnik vor, bei der farbiges Wachs auf ein vorher gefärbtes Ei getupft wird. Die gegeneinander versetzten schwingenden Bögen sollen den Torbogen eines Bauernhofes darstellen und stehen somit für Häuslichkeit und Geborgenheit. Helena Pallmann pflegt die Machart, wie sie in der Schleifer Gegend üblich ist.

Fleckeleier waren Zufallsprodukt

Dorothea Tschöke aus Sabrodt ist sehr experimentierfreudig. Ihre Spezialität nennt sie Fleckeleier. Die Flecke waren eigentlich durch Zufall entstanden, als einmal die Farbe nicht richtig deckte. Nun bezieht sie die weißen Flecken direkt in die Gestaltung mit ein. So entstehen unter anderem Landschaften. Dorothea Tschöke malt aber auch Bilder mit Darstellungen sorbischer Bräuche auf Eier.

Maria Domaschke aus Cannewitz ist eine Vertreterin der klassischen Richtung. Sie bevorzugt die Wachsbatiktechnik, bei der die einzelnen Farben nacheinander auf das Ei getupft werden, und zwar die hellen zuerst und die dunklen zum Schluss. Maria Domaschke setzt kleine Dreiecke zu Herzen zusammen und bringt geschwungene Fantasie-Linien auf das Ei.

Die Bautzener Elke Lenz, die jetzt in Nordrhein-Westfalen lebt, hat ihre ganz eigene Technik erfunden. Sie kombiniert die Wachsbatik- mit der Kratztechnik und zaubert so unter anderem die ersten Frühlingsboten wie Schneeglöckchen oder Krokusse auf die Eier. Die Blütenstände werden von ihr dann noch mit Aquarellfarben koloriert. Zum Schluss wird das Ganze mit einer schützenden dünnen Lackschicht überzogen.

Ebenfalls etwas Neues wagt Sylvia Richter aus Cottbus. Sie verziert weiße Gänseeier mit weißem Wachs. Die so entstandenen Ton-in-Ton-Eier erinnern an die Lochstickerei, wie sie bei den sorbischen Trachten vorkommt. Das Sonnenrad stellt dabei ein Frühlingssymbol dar. Rainer Grosa aus Spreewitz greift mit seinen dunkelblau gefärbten Ostereiern, die er in der Kratztechnik verziert, Motive der ebenfalls bei den sorbischen Trachten verwendeten Blaudruckschürzen oder -tücher auf. Die sehr filigranen aufwendig gestalteten Muster, erfordern viel Geduld und Zeit.