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Wohin mit dem Altpapier?

Für ausrangierte Zeitungen, Kataloge & Co. gibt es Container und Blaue Tonnen – oder etwas Geld.

Altpapier in einen Sammelcontainer zu werfen, ist der gängigste Weg zur Entsorgung. Wer aber ausrangierte Zeitungen, Kataloge und ähnliches zu einer Annahmestelle bringt, bekommt dafür etwas Geld. © dpa

Bautzen. Hausmüll endet in der Oberlausitz meist in der Verbrennungsanlage Lauta, die daraus Strom, Wärme und Baustoffe gewinnt. Der Inhalt der gelben Tonnen wird in Sortieranlagen wie in Droben bei Bautzen auf Wiederverwertbares gesichtet. Biomüll landet zunächst im Kompost und später als wertvoller Dünger in der Landwirtschaft oder im Landschaftsbau. Aber was passiert mit alten Zeitungen, Katalogen, Werbeprospekten und Ähnlichem?

Eine Antwort auf diese Frage haben alle Einwohner des Landkreises Bautzen in der Nähe. Zwischen Ottendorf-Okrilla und Weißenberg, Spreetal und Sohland (Spree) gibt es nach Auskunft des Landratsamtes insgesamt 647 öffentliche Stellplätze mit Pappe- und Papiercontainern. Außerdem stehen neben den meisten Restmüll-, Bio- und Gelben Tonnen inzwischen auch Blaue Tonnen für Papier und Pappe.

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Da kommt im Jahr einiges zusammen. Im vergangenen Jahr sammelte der Landkreis insgesamt etwa 12 200 Tonnen Altpapier und Pappe. Die Hälfte davon steckte in Containern, die andere Hälfte in den Blauen Tonnen. Statistisch gesehen warf jeder Einwohner des Landkreises Bautzen 2018 etwa 250 Kilogramm Papier und Pappe weg. Damit liegen die Oberlausitzer ganz genau im bundesdeutschen Durchschnitt.

Mit 250 Kilogramm pro Person und Jahr konsumieren wir Deutschen fast die fünffache Menge eines durchschnittlichen Erdenbürgers, der pro Jahr und Kopf nur 57 Kilogramm Papier und Pappe nutzt. Oder anders gesagt: Deutschland braucht im Jahr genau so viel Papier, wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen. Nur China, die USA und Japan verbrauchen noch mehr Papier als Deutschland.

Papier entsteht aus Zellstoff, dieser wiederum aus Holz. Dieses kommt nur zu einem Fünftel aus deutschen Wäldern. Nach Auskunft des Forums Ökologie und Papier mit Sitz in Hamburg beziehen deutsche Papierfabriken rund 80 Prozent des nötigen Zellstoffs aus dem Ausland, das meiste davon aus Brasilien. Jeder zweite Baum, der weltweit gefällt wird, endet als Papier.

Deutschland gehört aber nicht nur zu den Weltmeistern im Papierverbrauch, sondern liegt auch weltweit an der Spitze im Sammeln von Altpapier. Dessen Verwendung rettet nicht nur Bäume, es entfällt auch die umweltbelastende Zellstoff-Herstellung. Tageszeitungen wie die SZ bestehen bereits zu 100 Prozent aus recyceltem Altpapier.

Leistungen europaweit ausgeschrieben

Der Landkreis Bautzen sammelt Altpapier und Pappe nicht selbst, sondern hat diese Leistungen europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag bekamen zwei Unternehmen aus der Entsorgungsbranche: Neru kümmert sich um die westlichen Teile des Landkreises, Veolia um den Osten.

Die Firmen leeren die Container und Blauen Tonnen, außerdem betreiben sie Wertstoffhöfe: Neru in Kamenz und Radeberg, Veolia in Bautzen und Hoyerswerda. Wer sich die Mühe macht und sein Altpapier dorthin bringt, bekommt dafür etwas Geld; für Pappe gibt es nichts. Ebenso gibt es im Landkreis mehrere Annahmestellen, die von anderen Firmen betrieben werden. Eine Übersicht über diese Stellen gibt es nicht, auch nicht beim Landratsamt. Die Internetseite www.altpapierkauf.de nennt aus dem ganzen Landkreis Bautzen nur zwei Annahmestellen in Lauta. Aber es gibt wesentlich mehr, so in Bautzen Saxero an der Muskauer Straße, in Kubschütz das Oberlausitzer Recyclingzentrum Marian Lehmann, den Recyclinghof Ebendörfel oder Serol in Steinigtwolmsdorf.

In den Wertstoffhöfen von Veolia gibt es im Moment sieben Cent pro Kilogramm, berichtet Unternehmenssprecher Andreas Jensvold. In anderen Annahmestellen gibt es für ein Kilogramm sechs Cent, wieder woanders acht. „Der Papierpreis schwankt stark“, weiß Sarah Günther von der Pressestelle des Landratsamtes.

Neru, Veolia und die anderen Aufkäufer verkaufen die Ware weiter an Papierfabriken. Veolia-Sprecher Jensvold nennt als Abnehmer Fabriken in Eisenhüttenstadt, Kriebstein und Freital-Hainsberg. Vom Erlös zahlen die vom Landkreis beauftragten Unternehmen ans Landratsamt Entgelte, die zur Finanzierung der Papierentsorgung mit eingesetzt werden. Aber: „Die Kosten für Einsammlung und Transport des Altpapiers über die Depotcontainer und die Blaue Tonne übersteigen aktuell die Erlösentgelte“, erklärt Sarah Günther.

Wie Andreas Jensvold von Veolia erklärt, sind nach wie vor Altpapiersammlungen in Schulklassen beliebt – da kommt unterm Strich einiges Geld zusammen. Im Bibelland Oberlichtenau hebt der Chef Maik Förster Altpapier auf – dieses holt sich von Zeit zu Zeit die Feuerwehr und verwendet den Erlös für einen guten Zweck.