merken

Wohin mit dem Auto?

Der Landkreis verbietet beidseitig der Ortsstraße in Golberode das Parken. Anwohner protestieren. Die Gemeinde ist machtlos.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Bannewitz. Eigentlich wohnt es sich ganz hübsch hier. Die ländliche, dennoch sehr nahe Lage zur Landeshauptstadt macht Golberode zu einem beliebten Wohnort. Immer mehr alte Höfe sind in letzter Zeit saniert und zügig vermietet worden. Auch Familien bauten hier ihr Häuschen. Doch die Attraktivität des kleinen Bannewitzer Ortsteiles hat eine Schattenseite. Die vielen neuen Einwohner, über die sich Golberode freuen kann, brauchen auch Platz, ausreichend Platz zum Parken. Diesen gibt es nicht.

VARO Direct
Grüner heizen, Haushaltskasse entlasten
Grüner heizen, Haushaltskasse entlasten

Kunden von VARO Energy Direct können jetzt im Rahmen einer besonderen Aktion viel Geld beim Brennstoffeinkauf sparen.

„Nicht mehr“, ärgert sich Karsten Dittloff. Er sieht die Schuld beim Landkreis. Seit Kurzem gilt beidseitig der Straße „Zur Pappel“, die durch den Ort führt, durchgängig Parkverbot. Der 57-Jährige ist verzweifelt, genauso wie viele Anwohner hier. Bereits nachdem die Ortsdurchfahrt 2016 im gemeinsamen Kraftakt von Landkreis und Gemeinde fertig saniert worden war, hatte sich die Parksituation verschlechtert.

Damals ordnete der Landkreis schon ein beidseitiges Parkverbot an. Dies galt allerdings bisher nur für die Wintermonate, um bei schneebedeckter Fahrbahn ausreichend Platz für den Winterdienst und den Busverkehr an der neuen Haltestelle einräumen zu können. Nach der Schneeschmelze wurde das Verbot auf der linken Straßenseite in Richtung Goppeln wieder aufgehoben, sodass hier über den Sommer geparkt werden konnte. Dies schien eine Lösung zu sein, mit der sich auch die Anwohner arrangiert hatten.

Doch nun, im Juli, ist zwar von Schnee keine Spur. Die provisorisch errichteten Parkverbotsschilder sind aber auch nicht entfernt worden, sondern fest installiert – auf beiden Seiten der Straße. „Was soll das?“, schimpft Karsten Dittloff. „Man kann doch nicht ein ganzes Dorf so stilllegen!“ 2006 zog er mit seiner Familie hier ins Eigenheim. Seine Tochter mit Partner wohnt in der Einliegerwohnung im Haus. Auf dem Hof haben zwei Autos Platz, mehr aber nicht. „Wenn ich abends nach Hause komme, parke ich meist irgendwo außerhalb des Ortes“, sagt Dittloff. Besonders schlimm sei die Situation am Wochenende, wenn Touristen zum Ausflug an die Babisnauer Pappel wollen und ihr Auto außerorts parken. „Dann ist auch dort nichts mehr frei“, erzählt Karsten Dittloff.

So wie ihm und seiner Familie geht es etlichen Berufstätigen, die hier wohnen und mit dem Auto zur Arbeit pendeln. Besonders eng wird es für die vielen Mieter in den sanierten Höfen. Hier ist meist nur ein Stellplatz pro Wohnung vorgesehen. So geht es auch Kati Mäder und ihrer Familie. Einer von ihnen müsse immer außerhalb des Ortes parken, sagt die junge Frau, die mit Mann und Töchterchen etwas unterhalb des Dorfes wohnt. Oft muss sie mit dem Kind auf dem Arm entlang der Ortsdurchfahrt laufen, um zwischen der eigenen Haustür und dem Auto zu pendeln. Außerorts fehlt zudem ein sicherer Fußweg.

Es ist eine gefährliche Situation. Seitdem an der Straße keine Autos mehr parken dürfen, habe auch die Raserei zugenommen. Es fehlen quasi „Hindernisse“. Das Gefälle der Fahrbahn lädt zusätzlich zum Gasgeben ein. Waghalsige Überholmanöver sind entlang der Tempo-50-Straße beobachtet worden, die auch von reichlich Durchgangsverkehr genutzt wird.

Bürgermeister blitzt ab

Nicht nur die Anwohner kommen sich veralbert vor. Auch zwischen Landkreis-Behörde und der Bannewitzer Rathausspitze gab es kürzlich bei einem Treffen in Golberode Zoff. Bürgermeister Christoph Fröse wollte sich für die Anwohner einsetzen und ein halbseitiges Parkverbot erzielen – vergebens. Der Landkreis will seine Verbotsschilder nicht wegnehmen. „Es ist eine Kreisstraße. Deshalb haben wir auf die Situation leider keinen Einfluss“, sagt Fröse. Die Gemeinde sehe sich aber auch außerstande, anderswo im Ort Parkplätze zu bauen. „Wir sind nicht dafür verantwortlich, Parkplätze zu schaffen“, erklärt der Bürgermeister. Das müsse auf den einzelnen Grundstücken geschehen. In diesem Punkt gehen Gemeinde und Landkreis zwar konform. Den Anwohnern hilft das aber nicht.

Warum nur will der Landkreis nicht vom endgültigen Parkverbot beiderseits der Ortsdurchfahrt abrücken? Die Bauamtsleiterin des Landkreises, Martina Aurisch, erklärt: „Aufgrund der vorhandenen Gefällestrecke von 12,5 Prozent und der rechtwinkligen Kurve in Richtung Goppeln sind die Sichtverhältnisse in der Ortslage schwierig.“ Eine Erkenntnis, die allerdings recht spät kommt. Schließlich sind die Straßenverhältnisse seit Jahren unverändert. Aurisch argumentiert zudem damit, dass die neue barrierefreie Haltestelle von dem etwa zwölf Meter langen Bus, der hier verkehrt, geradlinig angefahren werden müsse. Dafür sei die Fahrbahn freizuhalten. Obendrein benötigt der Bus einen großen Lenkradius, wenn er von Gaustritz kommt und in die Dorfstraße einbiegt. Parkende Autos könnten dies behindern.

Vermehrte Tempo-Sünder in Golberode könne der Landkreis im Übrigen nicht feststellen und sieht daher von einer weiteren Geschwindigkeitsbeschränkung ab. Bei einer Kontrolle am 5. Juni fuhren nach Angaben des Landkreises im Zeitraum von 14 bis 19.40 Uhr von 237 Fahrzeugen nur zehn mehr als 50 km/h. Auch an einem anderen Tag habe es keine gravierenden Überschreitungen gegeben. Der schnellste Fahrer sei bei den Messungen mit Tempo 67 durch den Ort gefahren. Zufall? Bei Messungen vor etwa einem Jahr hat die Gemeinde in Golberode noch ein bedenkliches Spitzentempo ermittelt: 106 km/h.