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Wohnen der Zukunft aus Zwickau

Sachsen altert. Damit Senioren lange selbstständig leben können, tüfteln Zwickauer Wissenschaftler und Unternehmen an neuen Wohnkonzepten - in einem ehemaligen Schwimmbad.

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© dpa

Zwickau. Die Wohnung der Zukunft spricht mit uns: Ob das Fenster noch offen steht oder die Schublade mit den Medikamenten nicht geöffnet wurde - zukünftig sollen die eigenen vier Wände vor allem älteren Menschen im Alltag wichtige Tipps geben. „Unsere alternde Gesellschaft trifft auf technische Trends wie die Digitalisierung“, sagt Tobias Teich von der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ).

Beides will der Forscher zusammenbringen und herausfinden, wie Senioren oder hilfsbedürftige Menschen mithilfe der modernen Technik möglichst lange selbstständig leben können. Bis März 2017 entsteht im westsächsischen Zwickau ein Kompetenzzentrum, in dem die WHZ gemeinsam mit lokalen Unternehmen am Wohnen und Leben der Zukunft tüftelt. Der Ort ist durchaus ungewöhnlich. Für das Zentrum wird seit April ein ehemaliges Schwimmbad komplett umgebaut. Bis Jahresende soll alles fertig sein, auch eine Beratungsstelle zieht mit ein.

In einer Musterwohnung wollen die Forscher alle technischen Möglichkeiten aufzeigen - angefangen beim sprechenden Medikamentenschrank bis hin zum Fußboden mit Sensoren. Sie erfühlen, ob der Bewohner gestürzt ist und nicht mehr allein aufsteht - und setzen dann von ganz allein einen Notruf ab. Klingt nach Zukunftsmusik? „In Zwickau-Marienthal gibt es bereits 200 solcher intelligenten Wohnungen“, sagt Projektleiter Teich, Professor für vernetzte Systeme. „Meines Wissens ist dieses Projekt in Sachsen bislang einzigartig.“

Während die WHZ unter anderem zusammen mit einem Großvermieter, Energieversorger, Pflegedienst und Sanitätshaus praktische Lösungen entwickeln will, können sich Bürger im Kompetenzzentrum zu Hilfsmitteln und Pflegedienstleistungen beraten lassen. „Gesundheit ist ein Riesenthema, das uns zukünftig noch viel stärker beschäftigen wird“, ist Teich überzeugt.

Der Freistaat altert, wie jüngste Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft belegen: Demnach kletterte das Durchschnittsalter der Sachsen binnen zwei Jahrzehnten von 41,2 Jahren (1995) auf aktuell 46,6 Jahre. Bundesweit lag der Schnitt 2015 bei 44,2 Jahren. Mit mehr als 24 Prozent hat Sachsen heute schon einen der höchsten Anteile an Seniorenhaushalten.

Neben der Musterwohnung sind in Zwickau daher auch Beratungsräume, Büros, Labors und eine Muster-Energiezentrale geplant. Mitten im Becken des vor rund zehn Jahren trocken gelegten Hallenbades soll laut Teich zudem ein Tagungsraum für 100 Personen entstehen. Neben intelligenten Assistenzsystemen stehe das Thema Energieeffizienz ganz oben auf der Prioritätenliste.

Die so anfallenden Einsparungen sollen dann wiederum die Technik der Zukunft finanzieren, damit Wohnen 4.0 bezahlbar bleibe. Das Projekt kostet 3,2 Millionen Euro und wird vom Bund, dem Freistaat und der Stadt Zwickau gefördert. (dpa)