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Wolf jagt Reh auf einem Kringelsdorfer Hof

Eine Familie hat den Vorfall am Sonntag beobachtet. Experten nennen ihn ungewöhnlich.

© dpa

Von Irmela Hennig

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Kringelsdorf. Schreck in der Morgenstunde für eine Familie in Kringelsdorf bei Boxberg. Am Sonntagmorgen, gegen 9.30 Uhr, sahen sie plötzlich einen Wolf, der mitten im Ort einem Reh hinterherjagte. Der Räuber verfolgte das Tier bis auf den Hof der Familie. Das Reh habe sich in einen angrenzenden Garten retten können. „Der Wolf verschwand erst nach zweimaligem Verscheuchen langsam in die Richtung, aus der er gekommen war“, so schreibt es die Familie an die SZ. Das Reh sei kurze Zeit später wieder auf eine Wiese gelaufen.

Die Kringelsdorfer fragen sich nun, ob es normal ist, dass Wölfe am hellerlichten Tag mitten im Dorf auftauchen und Beute jagen? Und was passiert wäre, wenn kleine Kinder auf dem Hof gespielt hätten?

Die SZ hat dazu beim Görlitzer Landratsamt und beim Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ nachgefragt. Beide Stellen wussten noch nichts von dem Vorfall. Auch das Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland kennt ihn nicht. Beim Kontaktbüro heißt es, dass eine solche Sichtung nicht an der Tagesordnung und eher ungewöhnlich sei. Dennoch können Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, auch tagsüber in Ortsnähe oder in Orten gesehen werden. Der Mensch gehöre nicht ins Beuteschema des Wolfes, deswegen sei davon auszugehen, dass auch Kinder nicht in Gefahr sind. Bei einer Begegnung sollte man sich ruhig verhalten, stehen bleiben und dem Wolf, falls dieser wider Erwarten nicht nach kurzer Zeit davongeht, deutlich machen, „dass seine Anwesenheit unerwünscht ist, indem man ihn durch in die Hände klatschen oder rufen vertreibt“, heißt es. Auch Kindern sollte man vermitteln, bei einer Begegnung mit einem Wolf oder fremdem Hund nicht wegzurennen und den Eltern oder anderen Erwachsenen Bescheid zu geben.

Wichtig sei es, solche Sichtungen immer dem Kontaktbüro oder anderen Wolfs-Ansprechpartnern zu melden. Um welchen Wolf es sich handelt, ist offen. Kringelsdorf liegt im Revier des Nochtener Rudels.

Die betroffene Familie hat kein Foto oder Video vom Vorfall machen können. Man sei zu sehr damit beschäftigt gewesen, den Wolf zu vertreiben. Etwas Besonderes aufgefallen ist den Kringelsdorfern nicht an dem Raubtier. Dass es sich um den seit Januar verschollenen Wolf Pumpack handelt, der Ende 2016/Anfang 2017 immer wieder in Siedlungen nach Futter gesucht hat, ist unwahrscheinlich.