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Wunder vom Land

In Wachau zeigt ein Verein, wie Leben auf dem Dorf heute geht. Alles begann vor 25 Jahren.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Dass Wachau etwas bunter ist als andere Dörfer, sieht man oft schon aus dem Auto heraus. Da grasen inmitten von Schafen und Pferden auch zwei Lamas und Esel. Diesen ungewöhnlichen Tiermix hat der Ort dem Verein Wunder Land zu verdanken. Er hat die Tiere angeschafft. Insgesamt gehören 29 Pferde zum Verein, eine Kuh, Gänse, Enten und Dutzende Hühner, Kaninchen, Schafe und Ziegen, Tauben und Schweine.

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Pferdesport wird bei Wunder Land groß geschrieben. Bei vielen Kindern ist Voltigieren beliebt.
Pferdesport wird bei Wunder Land groß geschrieben. Bei vielen Kindern ist Voltigieren beliebt. © privat
Zwei Lamas gehören zum Bestand des Vereins. FÖJlerinnen kümmern sich um die Tiere.
Zwei Lamas gehören zum Bestand des Vereins. FÖJlerinnen kümmern sich um die Tiere. © Thorsten Eckert
Die ehemalige LPG-Halle kaufte der Verein 2007. Sie war in einem desolaten Zustand.
Die ehemalige LPG-Halle kaufte der Verein 2007. Sie war in einem desolaten Zustand. © privat

Richtig bunt wird es allerdings erst beim Blick hinter die Kulissen. Denn ein beträchtlicher Teil des Gemeindelebens hat mit den Wunderländern zu tun. Begonnen hat alles eher bescheiden. Vor einem Vierteljahrhundert kamen zwei Agraringenieure und ein Holzfachmann auf die Idee, den Kindern und vermutlich auch sich selber mehr zu bieten als nur Fernsehen und Computer. „Die drei haben mich damals gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte“, erinnert sich Steffen Jakob, der jetzige Vorsitzende von Wunder Land. Er wollte. Das Leben auf dem Land lag ihm am Herzen. Der Tierarzt hatte bis 1990 für den Rat des Kreises gearbeitet und war unter anderem für die LPG in Wachau zuständig. Den Leuten das „Wunder Land“ nahebringen, das war die Idee der ersten Stunde und ist es bis heute geblieben.

Angefangen mit drei Pferden

Der damalige Besitzer des Seifersdorfer Rittergutes Gernot Glatz überließ dem frischgebackenen Verein drei Pferde zunächst zur Pflege, später verkaufte er sie. „Damit begann alles. Wir boten Reitunterricht an.“ Der Erfolg war von Anfang an da. Gut ein Dutzend Mädchen und Jungen lernten reiten, misteten die Ställe aus, führten die Pferde auf die Koppel. Die Zahl der Pferde wuchs schnell auf 15 Tiere, viele von Vereinsmitgliedern „Das war alles noch in Seifersdorf. Zwölf Jahre nutzten wir auf dem Rittergut einen großen Stall“, sagt Steffen Jakob. 2007 stand Wunder Land dann am Scheideweg. Weiter in Seifersdorf bleiben oder groß investieren? In Wachau stand eine große Halle der ehemaligen LPG zum Verkauf. Einst diente sie als Lager für Heu und Stroh sowie als Unterstand für Traktoren. Die Ausmaße sind riesig. „Es stand die Frage, ob wir uns mit dem Kauf nicht übernehmen, die Halle nicht eine Nummer zu groß für uns ist.“ Am Ende ging Wunder Land das Risiko ein und kaufte das Gebäude. Allein 50 000 Euro an Materialkosten wurden investiert, ungezählt sind die Arbeitsstunden, die die Vereinsleute in die Sanierung steckten. „Wir haben alles selber gemacht. Außenwände, die Innengestaltung.“ Heute sind eine große Reithalle, ein Partyraum und ein Unterstand für die Technik darin zu finden.

Später übernahm Wunder Land auch noch den benachbarten ehemaligen Rinderstall und gestaltete ihn nach den Bedürfnissen des Vereins um. Jetzt gibt es Platz genug für Lamas, Pferde, Esel, Schweine und Kuh. Mittlerweile gehören drei Traktoren – zwei eher historische und ein moderner – zum Fuhrpark des Vereins. Hinzu kommen diverse Mäh- und Heuwendegerätschaften. 30 Hektar Wiesen wollen schließlich bewirtschaftet werden.

Damit ähnelt Wunder Land eher einem mittleren Landwirtschaftsbetrieb als einem herkömmlichen Verein. „Ja, wir unterscheiden uns schon gewaltig von anderen Vereinen. Bei uns muss der Betrieb schon wegen der Tiere 365 Tage im Jahr laufen. Andere können sich auch mal Ruhe gönnen.“ Neben dem Reiten wird bei Wunder Land getöpfert, Käse hergestellt, Wolle gesponnen und vieles mehr. Doch auch nach 25 Jahren wird das Treiben der Wunderländer mitunter noch immer mit einer gewissen Verwunderung beäugt. „Wir düngen unsere Wiesen ja aus ökologischen Gründen nicht. In den Augen der richtigen Landwirte geht das so nicht.“ Um Rücksicht auf Bodenbrüter, Hasen und andere Tiere zu nehmen, werden die Wiesen des Vereins im Frühjahr über einen langen Zeitraum nicht gemäht. „Auch da werden wir gefragt, wann wir nun endlich mal loslegen wollen.“

Am Wochenende ist der Stall voll

Die Anziehungskraft von Wunder Land ist allerdings ungebrochen. „Mitunter können wir keine Kinder mehr in die Reitgruppen aufnehmen, da einfach zu viele mitmachen wollen“, sagt der Vorsitzende. Besucher sind begeistert, wenn Vereinsmitglieder bei Festen zeigen, wie Schafe geschoren werden oder Butter mit der Hand hergestellt wird. „Die Leute wollen das Ursprüngliche sehen“,sagt Steffen Jakob. Am Wochenende ist der Stall regelmäßig mit staunenden Kindern und Eltern voll. „Das ist zu einem richtigen Ausflugsziel geworden.“ Von den Jugendlichen, die ein Freiwilliges ökologisches Jahr bei dem Verein absolviert haben, sind zehn gleich in Wachau geblieben oder nach kurzer Zeit zurückgekehrt. Sie haben hier Freundschaften geschlossen und Familien gegründet. Auch andere, die von dem Verein gehört haben, ziehen extra nach Wachau, um mitzumachen.

Beispielsweise bei der Sommertour. Jedes Jahr machen sich gut 40 Mitglieder mit einem Zirkuswagen auf die Reise. Schafe kommen mit, manche reiten auf den Vereinspferden hinterher. Die Route mit den Standplätzen wird vorher vereinbart. Gestoppt wird bei befreundeten Projekten. So hat Wunder Land etwa bei der Kulturmühle Bischheim oder auf dem Pilgerhof Tauscha Station gemacht. „Hervorgegangen ist die Tour aus einer anderen Aktion. Vor Jahren boten wir Kinderferienlager an. Mit der Zeit wurde das zu aufwendig. Mitglieder hatten sich dafür extra Urlaub genommen. Jetzt machen wir die Tour. Das ist für alle wie Urlaub.“ Vereinsfeste gehören natürlich fest in den Kalender von Wunder Land. Am Sonnabend steht mit dem Jubiläumsfest ein besonders wichtiges Fest bevor. „Wir werden 15 Uhr bei uns in der Reithalle an der Fasaneriestraße mit einem großen Programm beginnen. Darin sind Sketche und Reitdarbietungen zu sehen, die wir über die Jahre aufgeführt haben, natürlich auf die heutige Zeit angepasst. Unter anderem ist Wladimir Putin dabei. Mehr will ich nicht verraten“, sagt der Vereinschef. Um 18 Uhr folgt ein spektakuläres Pferderennen über die Wiesen des Vereins. 19.30 Uhr kann dann ausgelassen getanzt werden. Auf der Bühne stehen The AIRmateurs und die Rockband von Arek Frog. DJ Nickl legt in bewährter Weise Platten auf. Der Eintritt ist frei. „Alle Interessenten sind willkommen“, sagt Steffen Jakob.