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Zahl der Sexualstraftaten steigt

Die meisten Übergriffe gab es im größten Neubaugebiet Dresdens. Aber auch anderswo kann es für Frauen gefährlich werden.

© Isopix SPRL

Von Andreas Weller

Vergewaltigungen, Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Behinderten, sexuelle Belästigung, Besitz von Kinderpornos, Entblößen auf offener Straße oder in Parks – die Liste der Sexualstraftaten, die in Dresden verübt werden, ist lang. Und die Zahlen steigen. Polizei und Staatsanwaltschaft registrierten im Jahr 2015 genau 295 solcher Delikte, 2016 waren es bereits 359 und 2017 dann 464 Sexualdelikte.

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Die meisten sexuellen Übergriffe gab es in Gorbitz – in jedem Jahr etwa 30. Ähnlich gefährlich ist es in der Äußeren Neustadt: 2015 waren es dort 16 Taten, 2016 ging die Zahl auf neun zurück, stieg dann aber 2017 mit 47 auf den mit Abstand höchsten Wert aller Stadtteile in den drei Jahren. Viele Übergriffe gibt es auch im Bereich des Großen Gartens. Zu dem Gebiet gehören in der Statistik von Innenminister Roland Wöller (CDU) die Seevorstadt-Ost und Strehlen-Nordwest. Dort gab es insgesamt 64 derartige Delikte in den drei Jahren. Relativ wenige sexuelle Übergriffe gibt es in Langebrück, Loschwitz, Zschieren, Schönborn, also am Stadtrand oder in den exponierteren Stadtteilen. Auf dem Weißen Hirsch gab es im vergangenen Jahr allerdings gleich drei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wie es juristisch heißt. Eine Tat wurde 2017 in der Heide verübt.

Täter werden häufig erwischt

Wöller antwortete mit der Übersicht auf eine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Rolf Weigand. Der wollte auch wissen, welche Nationalität die Täter haben. Zu den Fällen aus den drei Jahren wurden insgesamt 688 Tatverdächtige ermittelt, die teilweise auch für mehrere der Delikte verantwortlich sein sollen. 517 von ihnen sind Deutsche, fünf davon mit einer zweiten Staatsangehörigkeit. Von den insgesamt 171 ausländischen Verdächtigen stammen 27 aus Afghanistan, jeweils 16 aus Libyen und Marokko, es gibt aber auch Beschuldigte aus Portugal, Spanien und der Türkei.

Von den 1 118 Sexualstraftaten, die in den drei Jahren von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt wurden, konnten 843 aufgeklärt werden. Die häufigsten Straftaten sind sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen und alles, was mit Kinderpornos zu tun hat. Es konnten auch mehr als 100 Vergewaltigungen und 67 sexuelle Belästigungen aufgeklärt werden.

Weigand wollte auch wissen, wie viele der Taten in Flüchtlingsunterkünften verübt wurden. Das waren genau 17. In den meisten Fällen handelte es sich um Vergewaltigungen, teils besonders schwere Fälle und durch mehrere Personen verübt.

In vielen Fällen dauern die Verfahren gegen die Verdächtigen noch an. Rechtskräftig verurteilt wurden 2015 insgesamt 84 Sexualstraftäter und 2016 dann 75. Die Zahlen für 2017 liegen Minister Wöller noch nicht vor. Wie viele Verfahren in Dresden eingestellt wurden, weil es keinen hinreichenden Tatverdacht gegen die Verdächtigen gab, kann Wöller auch nicht sagen. Dazu liegen nur Zahlen für den gesamten Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Dresden vor, also inklusive der Bereiche Meißen und Pirna. In diesem Gesamtgebiet wurden 2015 genau 169 Verfahren eingestellt, 2016 waren es 171 und im vergangenen Jahr 231. Die Zahlen für Dresden könnten nur mit erheblichem Aufwand ermittelt werden, begründet Wöller. Das sei „nicht mehr verhältnismäßig und zumutbar“, schreibt der Minister in seiner Antwort an den Abgeordneten.

Laut einer Statistik des Bundeskriminalamtes gab es in Dresden 2012 und 2016 jeweils 15 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen. Die Anzahl dieser Delikte hat sich also nicht geändert. Aufgeklärt wurden zuletzt 80 Prozent der Fälle. Die Opfer sind meist weiblich, 2016 wurde ein Mann vergewaltigt oder sexuell genötigt. Unter den Tatverdächtigen waren 2012 sieben und 2016 zehn Deutsche. Allerdings wurden 2012 auch nur zehn der möglichen Täter ermittelt. Drei Tatverdächtige waren Kinder unter 14 Jahren, der Rest Erwachsene, also älter als 21 Jahre. Die Dunkelziffer bei Sexualstraftaten ist sehr hoch, da viele Opfer keine Anzeige erstatten.