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Zastrow bekommt Hofewiese

Die Stadt Dresden stimmte einem Verkauf an den FDP-Politiker zu. Langebrück sagt dem Investor Unterstützung zu.

© Willem Darrelmann

Von Thomas Drendel und Andreas Weller

Es ist vollbracht. Die Stadt Dresden hat dem Verkauf der einst königlichen Hofewiese in der Dresdner Heide an den FDP-Politiker und Geschäftsmann Holger Zastrow zugestimmt.

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Das Votum im Verwaltungsausschuss fiel überraschend geschlossen aus. Zastrow erhielt Zustimmung von allen Fraktionen, also von Linken, SPD, CDU, AfD, FDP und Grünen. Lediglich Grünen-Stadträtin Kerstin Harzendorf enthielt sich bei der Entscheidung. Sie wollte von Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU) wissen, was die Untere Naturschutzbehörde zu dem Verkauf sagt. „Schließlich wird hier ein Stück Landschaftsschutzgebiet verkauft.“ Lehmann wusste es nicht. Aber Eigentum verpflichtet“, sagte er. Für CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns ist das jetzt der Startschuss, dass die Hofewiese revitalisiert werden kann.“ Der Verkauf sei der erste positive Schritt nach einer langen Zeit voller Probleme. Das finde die CDU gut.

Kaufvertrag schnell unterschreiben

Ähnlich sieht das auch Holger Zastrow selber. „Ich freue mich natürlich, dass die Zustimmung jetzt vorliegt. Froh bin ich darüber, dass eine breite Mehrheit quer durch alle Parteien dafür ist.“ Ihm ist es jetzt wichtig, dass der Kaufvertrag schnell unterschrieben wird. Das Papier liegt fertig ausgehandelt vor. Allerdings dürfte noch einige Zeit vergehen, bis alle Formalitäten abgewickelt sind, bis hin zu Änderungen im Grundbuch. Holger Zastrow möchte lieber heute als morgen mit den Arbeiten beginnen. „Wir wollen jetzt Gas geben“, sagt er. Nach der Entscheidung des Ausschusses hat er sich mit seinen Mitarbeitern bereits zusammengesetzt. Er kündigt schnelle Gespräche mit der Stadtverwaltung an. Außerdem müssten die Pläne jetzt detailliert ausgearbeitet werden, ein Bauantrag muss gestellt werden. „Darüber hinaus werde ich mit meinen Partnern sprechen, schauen, in welchem Umfang sie noch an dem Projekt mitarbeiten. Denn bis zur jetzigen Entscheidung ist ja einige Zeit vergangen.“ Was die konkreten Pläne angeht, bleibt der Dresdner noch zurückhaltend. „Erst muss der Kaufvertrag unterzeichnet sein, dann kann ich alles konkret vorstellen.“ Verraten wird nur so viel. „Wir setzen die große gastronomische Tradition des Hauses fort, übersetzen sie allerdings in die heutige Zeit.“ Das Ausgehverhalten der Menschen habe sich verändert, das müsse man berücksichtigen. Er will die Hofewiese Schritt für Schritt in Ordnung bringen. „Ich werde keine Wolkenschlösser versprechen, die dann nicht umgesetzt werden.“ Dass Holger Zastrow Menschen in ihrer Freizeit begeistern kann, hat er mit seiner Agentur Zastrow+Zastrow bewiesen. Er betreibt seit mehreren Jahren den Dresdner Striezelmarkt. Für sein Konzept erhielt er 2010 den Tourismuspreis der Dresdner Hotellerie. Außerdem managt er den Weihnachtsmarkt in Pirna sowie den Augustusmarkt, der zur Adventszeit auf der Dresdner Hauptstraße stattfindet. Darüber hinaus kennt er sich in Langebrück und der Dresdner Heide gut aus. Er erarbeitete mit seiner Agentur im Auftrag der Ortschaft ein Naherholungskonzept.

Öffentliche Nutzung geplant

Mit der zugesagten öffentlichen Nutzung der Hofewiese erfüllt Zastrow eine wichtige Vorgabe von Langebrück. „Wir haben uns immer dafür eingesetzt, dass das Haus für Besucher zugänglich bleibt“, sagt der Langebrücker Ortsvorsteher und CDU-Landtagsabgeordnete Christian Hartmann. Er erwartet jetzt, dass Investor und Stadt sich schnell zusammensetzen. „Ich hoffe, dass spätestens im kommenden Jahr mit der Sanierung des Gebäudes begonnen wird“, sagt Hartmann. Langebrück werde den Prozess nach Kräften unterstützen. Einige Probleme gilt es zu klären: beispielsweise die Abwasserbeseitigung. Vor Jahren hieß es noch, ein Kanal nach Langebrück müsse errichtet werden, mit entsprechend hohen Kosten. Inzwischen ist eine weitaus günstigere Kläranlage im Gespräch. Sie muss jetzt geplant und errichtet werden. Zudem ist das Gebäude ist in einem erbärmlichen Zustand. Elektro-, Wasser- und Abwasserleitungen sind beschädigt, im Keller steht das Wasser. Betroffen wäre die Hofewiese auch von einer Umwandelung des Weges „Gänsefuß“ in einen Sandweg. Geplant war eine Beseitigung des Asphalts zwischen der Radeberger Landstraße und der Hofewiese. Nach Protesten wurde das Vorhaben auf Eis gelegt. Holger Zastrow plädiert für den Erhalt des Asphaltbelages. „Alles andere wäre kontraproduktiv für alle Radler. Sandwege fahren sich nicht so angenehm. Außerdem waschen sie sich immer wieder aus“, sagt er. Sollte ein Abfräsen des Asphalts wieder ins Gespräch kommen, sichert Langebrück Hilfe zu. 60 000 Euro bezahlt der Dresdner für den ehemaligen Landgasthof. Ein Vielfaches davon muss er in die Sanierung stecken. Zum Haus gehören 10 000 Quadratmeter Land.

Die Hofewiese hat eine lange Geschichte vorzuweisen. Sie wurde 1547 erstmals urkundlich erwähnt. 1804 kaufte der sächsische Kabinettsminister Graf Marcolini das Areal und ließ ein neues Haus errichten. 1828 übernahm es König Anton von Sachsen.1877 wurde die Schankkonzession erteilt. Seitdem war das Anwesen Gasthof. Die Hofewiese wurde Ende März 2013 geräumt. Die damaligen Nutzer vom Verein Erster Sachsenbund zu Dresden mussten sie nach einem Gerichtsurteil verlassen.