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Zeckenalarm

Die gefährlichen kleinen Blutsauger sind längst wieder aktiv. Ihr Appetit ist in diesem Jahr besonders groß.

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© dpa

Von Susanne Plecher

Coswig/Weinböhla. Ayck hat es gleich mehrfach erwischt. Der Hannoversche Schweißhund des Chefs der Wettinischen Forstverwaltung, Daniel Prinz von Sachsen streift gewissermaßen berufsbedingt durch die heimischen Wälder. Schon im zeitigen Frühjahr fanden das diverse Holzböcke sehr einladend und saugten sich an ihm fest. „Die Häufigkeit ist auffällig“, konstatiert sein Herrchen. Selbst an Wildschweinen, an denen die Parasiten wegen der Borsten und der dicken Schwarte keinen Halt fänden, habe er viele Holzböcke gesehen, schildert von Sachsen. Ob im Spitzgrund in Coswig oder im Friedewald – in diesem Jahr sei es besonders schlimm mit den Zecken.

Viele Katzen- und Hundebesitzer bestätigen das. „Unser Kater hatte einen kreisrunden Haarausfall“, berichtet eine junge Frau. Was zunächst wie eine Hautkrankheit anmutete, entlarvte der Tierarzt als Auswirkung eines Zeckenstichs. „Es gibt in diesem Jahr bedeutend mehr Zecken als sonst. Schon im März hat das begonnen“, sagt der Großenhainer Veterinärmediziner und Jäger Joachim Schierig. Die besondere Bissfreudigkeit der kleinen Blutsauger hat er an einem Mink festgestellt, den er im zeitigen Frühjahr geschossen hatte. Sechs Zecken hätten sich darauf befunden. „Das ist sehr ungewöhnlich, weil diese Tiere nach meiner Beobachtung bislang nie welche hatten“, so Schierig. Er macht den milden Winter dafür verantwortlich. Eine Ansicht, die auch seine Wildenhainer Kollegin Gerlinde Erdmann-Sauer teilt. Weil es kaum Frosttage gegeben hat, seien selbst im Winter Katzen- und Hundebesitzer zu ihr gekommen, deren Tiere von Zecken befallen gewesen sind. „Das hat in diesem Jahr gar nicht richtig aufgehört“, sagt sie.

Kein Grund zur Panik

Andreas Riedel vom Forstamt des Landkreises sieht in diesen Beobachtungen keinen Anlass für Katastrophenmeldungen. „Das Vorkommen von Zecken bei Temperaturen von dauerhaft über zehn Grad Celsius ist banal und jeder Waldbesucher muss damit rechnen“, schreibt er auf eine Anfrage der SZ. Der Einfluss eines strengen Winters auf die Population von Insekten und Spinnentieren würde regelmäßig überschätzt. Grundsätzlich habe sich an der „Sachlage bezüglich Zecken“ nichts geändert, wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht, so Riedel. Auch im extrem milden Winter 2006/2007 waren die Parasiten in einigen Gegenden Deutschlands die ganze Zeit hindurch aktiv, informiert die Internetseite zeckenwetter.de.

Dass Zecken mit ihrem Stich Krankheiten wie die Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auf Menschen übertragen können, ist weitläufig bekannt. „Ein Zeckenstich ist kein Grund zur Panik, sondern allgemeines Lebensrisiko“, entschärft Riedel die Diskussion. Durch moderne medizinische Standard-Laboruntersuchungen könne der Borreliose-Titer jetzt bei vielen Personen nachgewiesen werden. Der Nachweis sei früher nichterfolgt und Beschwerden durch Borreliose anderen Krankheiten zugeordnet worden.

Im Gegensatz zum FSME-Virus ist gegen die Borrelien, die zu den Schraubenbakterien gehören, bislang kein Impfstoff entwickelt worden. Wird man von einer infizierten Zecke gestochen und entfernt das Tier nicht innerhalb von 24 Stunden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung groß. Borrelien können ins Nervensystem, in die großen Gelenke oder ins Herz vordringen. Schätzungen zufolge erkranken pro Jahr zwischen 50 000 und 100 000 Deutsche an der Borreliose. Charakteristisch für eine Infektion ist die Wanderröte. Zeigt sie sich, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Doch auch, wenn sie nicht erscheint, empfehlen Experten, die Stichstelle zu fotografieren, das Datum zu notieren und zweimal pro Woche zu kontrollieren.

Zecken hassen Kälte und warme Trockenheit. Am wohlsten fühlen sie sich bei feuchten, kühlen Bedingungen. Dann lauern sie ihren Wirten an bodennahen Stellen, bevorzugt an Wegrändern, auf.