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Zehn Jahre Streit

Der Investor für Bautzens Bürgerhäuser möchte weiterbauen – darf aber nicht.

© Uwe Soeder

Von Sebastian Kositz

Genau zehn Jahre ist es her, da war Investor Thomas Kasselmann noch voller Tatendrang. Die Arbeiten an seinen Bürgerhäusern an der Inneren Lauenstraße hatten gerade begonnen, schon bald sollten die ersten Mieter einziehen. Doch dann stürzten am 7. Mai 2006 mit lautem Getöse Teile der Hinterhäuser in sich zusammen. Seitdem liegt die geplante Sanierung der beiden Gebäude auf Eis. Stattdessen streiten sich der Investor und die von ihm mit der Rekonstruktion der Bürgerhäuser beauftragte Baufirma Strabag über die Schuld für den Einsturz, vor allem jedoch um gegenseitige Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Zwar möchte Thomas Kasselmann unabhängig vom Ausgang des Verfahrens lieber gestern als heute die Herrichtung der Gebäude fortsetzen. Doch derzeit sind ihm da die Hände gebunden.

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Bündelweise stapeln sich inzwischen Hunderte Dokumente des Rechtsstreits auf den Schreibtischen der Juristen. Immerhin hatte das Landgericht in Bautzen inzwischen über die Schuldfrage entschieden. Im September waren dort der Statiker und der Architekt für den teilweisen Einsturz des Hinterhauses im Mai 2006 verantwortlich gemacht und zu Schadensersatz in Höhe von 300 000 Euro verurteilt worden. Doch vor dem Dresdner Landgericht, wo sich Thomas Kasselmann und die Strabag streiten, ist ein Urteil noch immer nicht in Sicht. Noch müssen weitere Gutachten vorgelegt und ausgewertet werden. Und solange das nicht geschehen ist, darf mit Blick auf die Beweissicherung an den Gebäuden auch nichts verändert werden.

Für Thomas Kasselmann ist die Situation nach eigenen Worten inzwischen nur noch absurd. Der Geschäftsmann aus Paderborn, der eine ganze Reihe von Immobilien besitzt, einen Autohandel und verschiedene Supermärkte sowie Solaranlagen betreibt, ist davon überzeugt, dass das Gericht ihm am Ende Recht zusprechen wird. „Das juristische Gezerre nervt nur noch“, erklärt Thomas Kasselmann.

Investor fordert 2,5 Millionen Euro

Der Unternehmer fordert insgesamt knapp zweieinhalb Millionen Euro Schadensersatz plus Zinsen von der Strabag und verweist dabei unter anderem auf entgangene Mieteinnahmen und die durch den Bauverzug eingetretenen Schäden an der Bausubstanz. Die Verantwortlichen der Baufirma blocken allerdings jegliche Schuldzuweisungen ab und pochen ihrerseits auf insgesamt drei Millionen Euro für die bereits erbrachten Leistungen, zwischenzeitlich entstandene Kosten und den durch den Baustopp entgangenen Gewinn.

Der Stadt Bautzen bleibt unterdessen nichts weiter übrig, als regelmäßig den Zustand der noch vorhandenen Bausubstanz zu kontrollieren. Mindestens viermal im Jahr, erklärt Stadtsprecher André Wucht, schauen die Fachleute nach der Sicherheit. Erst im Dezember waren die Ingenieure vor Ort, in der nächsten Woche wird die seit knapp zehn Jahren brachliegende Baustelle erneut inspiziert. Ernsthafte Gefahren wurden bislang nicht festgestellt. Andernfalls könnten die Behörden auch einen teilweisen oder im schlimmsten Fall sogar den totalen Abriss der Häuser anordnen.

Der Immobilienmarkt hat sich verändert

Ursprünglich wollte Thomas Kasselmann in den Gebäuden bis zu 40 Wohnungen errichten. Für das Erdgeschoss waren zudem Läden angedacht. Diese Pläne hat der Investor inzwischen aber verworfen. Denn während der Jahre hat sich der Immobilienmarkt in Bautzen längst verändert. Inzwischen seien größere Wohnungen mit mehr Komfort gefragt. Inzwischen sind nur noch 20 bis 25 Wohnungen geplant, mit deutlich mehr Fläche und gegebenenfalls auch größeren Terrassen. Auf die Läden will Thomas Kasselmann ganz verzichten. So könnte auch mehr Platz für die Autos der neuen Bewohner entstehen.

Wann wieder in Dresden vorm Landgericht verhandelt wird, weiß Thomas Kasselmann derzeit selbst nicht. Die Strabag hatte schon vor zwei Jahren angekündigt, Entscheidungen, die nicht in ihrem Sinne sind, anfechten zu wollen. Auch deshalb liegt ein Ende des juristischen Tauziehens wohl noch in weiter Ferne.