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Als Ausländer fühlte er sich nie

Wie wird heute über Ostdeutschland und die Ossis gedacht. Cengiz Demirel ist einer, der über seine Erfahrungen erzählt.

Cengiz Demirel, Geschäftsführer Hanke Crimp-Technik GmbH.
Cengiz Demirel, Geschäftsführer Hanke Crimp-Technik GmbH. © Matthias Weber/photoweber.de

Cengiz Demirel bezeichnet sich als Wossi. Der 57-jährige Unternehmer kam 2002 aus dem Westen, und lebt sehr gerne in Zittau. Nie wieder wolle er zurück, betont der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Hanke Crimp-Technik, die ihren Sitz in der Weinau hat. Dass er hierher kam, ist einem Zufall geschuldet. Sein Ex-Partner machte vor 20 Jahren einen Zwischenstopp in Zittau. Im Rathaus drückte man ihm ein Image-Video in die Hand, das er zuhause an Cengiz Demirel weitergab. Beide erkannten, dass sich hier was machen lässt. 

In Meckesheim bei Heidelberg konnte sich die Firma kaum entwickeln. Riesenbetriebe wie SAP und Heidelberger Druckmaschinen "saugten" alle Mitarbeiter auf und eine Vergrößerung wäre nur möglich gewesen, wenn der Neubau noch weiter von den Transportwegen entfernt gelegen hätte. In Zittau fanden sie eine Super-Atmosphäre vor und vor allem Platz zum Bauen.

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Ende 2002 verlagerte die Hanke Crimp-Technik ihren Sitz nach Zittau. In drei Monaten, Grundsteinlegung war am 11. September und der Umzug am 18. Dezember, war das Werk fertiggestellt worden - mit Ostfirmen, wie Demirel betont. "Im Westen wäre das nicht denkbar gewesen", ist er sicher. 

Mit der Familie zog er im Juli 2002 in die Oberlausitz. In der neuen Heimat war Cengiz Demirel etwas Besonderes: Er kam nicht nur aus dem Westen, sondern hat auch türkische Wurzeln. 1970 war er mit sieben Jahren nach Deutschland gekommen. Als Ausländer fühlte er sich nie, vielmehr nahm er 1985 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Weltmännisch ist er dennoch. Er träume und unterhalte sich in vier Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch und Slowakisch, weil er lange in der Slowakei tätig war.

Er habe keine Vorbehalte gespürt, sagt Demirel. Die Vorurteile gab es eher auf anderer Seite. 2003 fragte ihn ein Vertriebshändler, ob er für den Besuch in Zittau Essen mitbringen soll. Demirel antwortete, dass ein paar Dosen nicht schlecht wären, die könne man aufwärmen. Bis heute versteht er nicht, dass man diese Frage stellte. In Zittau gebe es mehr Supermärkte als in Meckesheim.

Auch die Ex-Firmengesellschafter mussten umdenken. Sie erklärten beim Umzug, keine Minute länger in Zittau bleiben zu wollen, wie sie müssen. Heute sind sie Rentner, so Demirel, und immer noch da. Wenn er noch mal die Wahl hätte, er würde alles genauso tun.

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