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Warum 5G nur so schnell wie LTE ist

Die Mobilfunkunternehmen versprechen mit dem neuen Netz auch in Löbau-Zittau mehr Schnelligkeit bei der Datenübertragung. Aber ist das wirklich so?

Ein 5G-Sendemast in Dresden.
Ein 5G-Sendemast in Dresden. © Archiv: Tino Plunert

Das größte 5G-Netz Deutschland mit stabileren Verbindungen und größeren Bandbreiten verspricht die Telekom auf ihrer Internetseite. Doch die Realität scheint nicht ganz so prächtig zu sein. Das findet zumindest Jörg Dornfeld. Er habe verschiedene Adressen auf der Seite der Telekom überprüft, welche Geschwindigkeit bezüglich des 5G-Netzes verfügbar sein soll. Und festgestellt, dass das 5G-Netz nicht schneller als das 4G/LTE-Netz ist. So ist beispielsweise das 5G-Netz am Olbersdorfer See mit bis zu 150 Megabits pro Sekunde (MBit/s) verfügbar - genauso schnell wie das LTE-Netz. 

Das gleiche Bild zeigte sich, so ergab die Überprüfung von Jörg Dornfeld, auch an anderen Standorten im Süden des Landkreises Görlitz, unter anderem in Oberoderwitz, Ruppersdorf oder Neugersdorf. Datenübertragungsraten zwischen 150 und 475 Megabit pro Sekunde wurden von der Telekom angegeben. Die LTE-Geschwindigkeit war an allen Orten die gleiche.

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"Da fragt man sich dann, was das einem bringt", meint Jörg Dornfeld. Warum sollte ein Kunde zum 5G-Netz wechseln, wenn er dann nur die gleiche Geschwindigkeit wie im LTE-Netz hat?

LTE-Zellen werden für 5G genutzt

Telekom-Pressesprecher Georg von Wagner erklärt, dass die LTE-"Ankerzellen" für die 5G-Erweiterung genutzt werden. Denn derzeit kann das 5G-Netz nur dort funktionieren, wo es auch LTE gibt. Damit 5G funktioniert, braucht es mindestens einen LTE-Träger.

Solange es sich um die Frequenz 3,6 Gigahertz handelt, ist das kein Problem, wie Computerexperten herausgefunden haben. Die Frequenz 3,6 Gigahertz wird aber in der Regel nur in innerstädtischen Bereichen für 5G genutzt, wie der Telekom-Sprecher erklärt. Denn die Ausbreitung liege hier bei 500 Metern bis einem Kilometer. 

In der Fläche ist eine größere Ausbreitung notwendig. Die wird beispielsweise mit LTE im 800 Megahertz-Bereich erreicht. Da liegt die Ausbreitung bei zehn bis 15 Kilometern. Das sei, so von Wagner, gerade für ländliche Gebiete wie im Landkreis Görlitz technisch ideal, um möglichst günstig eine möglichst gute Abdeckung zu gewährleisten.

Die niedrigere Frequenz hat aber auch eine niedrigere Bandbreite zur Folge.

Telekom nutzt ehemalige UMTS-Frequenzen

Im Landkreis Görlitz wendet die Telekom zudem auch die 2,1 Gigahertz-Frequenz, die ehemalige UMTS-Frequenz (3G), an. Denn UMTS wird fast nicht mehr verwendet. Laut einem Unternehmenssprecher will die Telekom bis spätestens Ende nächsten Jahres 3G komplett abschalten, um es für die leistungsfähigeren Technologien verwenden zu können. Telekom-Konkurrent Vodafone will sogar schon bis Ende Juni 2021 das bisher für 3G genutzte Frequenzspektrum komplett für LTE-Datenfunk verwenden.

Die Telekom hat nach eigenen Angaben unter anderem Stationen in Zittau, Seifhennersdorf, Neusalza-Spremberg oder Schönbach. Der Ausbau soll in den kommenden Monaten forciert werden. So sollen laut von Wagner alle Stationen in Zittau mit 5G belegt werden, um das 5G-Signal flächendeckend bereitzustellen. Derzeit ist nur in einem Teil der Stadt Zittau sowie in Olbersdorf und Bertsdorf-Hörnitz das 5G-Netz verfügbar. In Zittaus nördlichen Ortsteilen gibt es aktuell noch kein 5G-Netz.

Um das bisherige Netzwerk von 5G zu entlasten, sollen auch höhere Frequenzen zwischen 6 und 300 Gigahertz zum Einsatz kommen. Bei den höheren Frequenzen gibt es aber noch einige Hindernisse: Es braucht ein Vielfaches an Antennen. Das wiederum ist nicht so einfach umzusetzen, da es vielerorts Kritik an neuen Funkmasten gibt.

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