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Unglaubliche 107 Jahre alt

Brunhilde Wagner ist die älteste Zittauerin und hat Geburtstag gefeiert - nicht im Heim, sondern zu Hause. Mit über 100 ist sie noch durch die Alpen gewandert.

Sieht diese Dame so aus als wäre sie 107 Jahre alt? Ist sie aber. Brunhilde Wagner aus Zittau feiert heute Geburtstag.
Sieht diese Dame so aus als wäre sie 107 Jahre alt? Ist sie aber. Brunhilde Wagner aus Zittau feiert heute Geburtstag. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

In der Wohnstube von Brunhilde Wagner stehen an diesem Morgen schon zahlreiche Blumen und es werden immer mehr, denn die Gratulanten zu ihrem Geburtstag kommen und gehen. Unter ihnen auch der Oberbürgermeister von Zittau, Thomas Zenker. Schließlich ist es ja auch nicht irgendein Jubiläum – stolze 107 Jahre ist die Dame am Samstag geworden und damit die älteste Zittauerin. 

Am 3. Oktober 1913 im Schlesischen Grossen an der Oder geboren, erlebte Frau Wagner über ein Jahrhundert deutsche Geschichte: zwei Weltkriege, Nazi-Zeit, Gründung der Bundesrepublik und der DDR, die Wiedervereinigung – was viele Deutsche mittlerweile nur noch aus dem Geschichtsbuch wissen, hat sie selbst miterlebt. 

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Doch wie schafft man es eigentlich so ein hohes Alter zu erreichen und dabei auch noch so fit zu sein? "Indem man anständig lebt, nicht zu übermäßig, aber auch nicht zu wenig", sagt Brunhilde Wagner. Es scheint gewirkt zu haben, denn noch immer geht es ihr ganz gut, wie sie selber sagt. Zwar geht es mit dem Laufen nicht mehr so und die Augen und die Ohren wollen nicht mehr wie noch vor ein paar Jahren. Daher ist sie sehr froh, wenn ihre Tochter, deren Mann und ihre Enkelin für sie sorgen. Sie alle gemeinsam wohnen in einem Haus in Zittau. "So ist es möglich, die Mutti hier bei uns zu haben", sagt die 79-jährige Tochter. 

Schwere Schicksalsschläge

"Mein Mann ist aus dem Krieg nicht zurück gekommen", berichtet Brunhilde Wagner. Genauso schlimm war die Vertreibung aus ihrer Heimat. 1945 musste sie mit ihrer damals kleinen Tochter aus Grünberg weg. Zwar fand sie für eine Weile Unterschlupf bei der Schwester ihres Mannes, im heute polnischen Sommerau. Doch schon bald wurden auch die Grenzdörfer entlang der heutigen Grenze geräumt. "Wir sind damals mit einem Handwagen los und mit vielen anderen losgelaufen", erinnert sich die Tochter, Ute Tempel. Alles was sie besaßen, war verloren und die Angst und Not groß. Diese Zeit hat sich unauslöschlich ins Gedächtnis der damals jungen Mutter gebrannt. Doch Aufgeben gab es nicht, schließlich fanden sie in Eckartsberg beim Bruder ihres Mannes und dessen Gärtnerei eine neue Zuflucht. 

Später zogen Mutter und Tochter dann nach Zittau. Einen Beruf hat Brunhilde Wagner nie gelernt, aber dennoch immer gearbeitet. Nach dem Krieg nähte sie in Heimarbeit Lederhandschuhe für eine Firma. Später fand sie eine Stelle als Justizbeamte im Zittauer Gefängnis. Bis sie schließlich zu Robur wechselte, wo die heute 107-Jährige bis zu ihrer Rente als Sekretärin in der Betriebswache tätig war. 

Ein zweites Mal geheiratet hat Frau Wagner nie. Stattdessen schenkte ihr Tochter Ute zwei Enkel, um die sie sich fortan liebevoll kümmerte. Heute ist es umgedreht, ihre Enkel sind für ihre Oma da, wann immer es geht. "Als Mutti noch fitter war, ist sie viel gereist", erzählt Ute Tempel. So liebte sie die Alpen, neben einigen Busreisen dort hin, schenkte die Familie Frau Wagner zum 100. Geburtstag eine Reise mit dem Wohnmobil in die geliebten Berge. Gemeinsam mit Enkelin Sandra ging sie dort spazieren und fuhr mit der Seilbahn auf die Berge. Heute, sieben Jahre später, genießt Brunhilde Wagner jeden Tag, wo sie draußen auf der Terrasse sitzen kann und vor allem nicht so viel alleine ist. 

Doch vor was hat eine 107-Jährige eigentlich Angst? "Vor was sollte ich Angst haben, ich habe zu viel erlebt im Leben, um jetzt noch Angst zu haben", meint sie.  

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