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Kuh droht im Schlamm zu versinken

Auf der Aschehalde in Wittgendorf kämpfte 1983 ein Tier um sein Leben. Die Feuerwehr musste anrücken. Später machte der Ort erneut von sich reden.

Symbolbild
Symbolbild © Thomas Warnack/dpa

Ein angstvolles lautes Muhen war im Frühsommer des Jahres 1983 von der Wittgendorfer Aschehalde bis hin zur Fernverkehrsstraße 99 (heute B 99) zu hören. Ganz in der Nähe waren junge Männer unterwegs und gingen der Sache auf den Grund: Eine Kuh war in Not geraten und jammerte um ihr Leben. Sie gehörte zu einer Herde, die ganz in der Nähe der Spülhalde weidete. Das Tier hatte wohl Durst bekommen und war vom Schlammwassergeplätscher angelockt worden. Doch die Kuh sank sofort ein, zappelte und geriet dadurch immer tiefer ins Aschewasser.

Die jungen Leute waren zur rechten Zeit gekommen. Sie sahen die Not der Kuh und riefen die Feuerwehr. Die Feuerwehrleute schlangen der Kuh breite Riemen um den Leib, befestigten sie am Fahrzeug und zogen das verängstigte Tier schließlich heraus. Die Kuh war völlig verschlammt und musste erst gründlich gereinigt werden, bevor sie zur Herde zurückkam. Aber sie hatte überlebt.

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Die Wittgendorfer Spülhalde machte später erneut auf sich aufmerksam: Am 30. März 1986 war es zur Straße hin zu einem Dammbruch gekommen. Wäre die Ascheförderung zur Halde nicht sofort eingestellt und die Straße gesperrt worden, wäre wohl die gesamte Aschepampe über die Fernverkehrsstraße in Richtung Neiße geflossen. Erst zwei Tage später war alles wieder in Ordnung, der Aschefluss ging weiter, und der Verkehr rollte wieder.

Die Wittgendorfer Spühlhalde lag direkt an der heutigen B 99 von Zittau nach Görlitz.
Die Wittgendorfer Spühlhalde lag direkt an der heutigen B 99 von Zittau nach Görlitz. © Heike Schwalbe

Bleibt die Frage, warum diese Halde überhaupt notwendig geworden war. Als die Lieferung der Rohbraunkohle vom polnischen Tagebau Turow ausblieb und die Asche aus dem Großkraftwerk Hirschfelde, dem ältesten Deutschlands, nicht mehr zurückgenommen wurde, musste eine schnelle Lösung her. 1982 wurde die Aschespülhalde 1.700 Meter vom Kraftwerk entfernt auf Wittgendorfer Flur ganz in der Nähe der Fernverkehrsstraße 99 eingerichtet. Eine kleine Siedlung nördlich davon war zuvor abgerissen worden. Mancher wird sich noch an die großen Rohre in diesem Bereich erinnern. Hierdurch wurde mit Wasser versetzte Asche hin zur Halde gedrückt und dann versprüht. Deren Entwässerung wurde ständig überwacht und das vorgeklärte Wasser durch Überlaufschächte der Neiße zugeführt. Nachdem die erste Deponiefläche gefüllt war, wurde eine zweite gleich dahinter eingerichtet. Rundum wurden die Ränder mit Schotter versehen und Grundbewuchs machte sich breit.

Die Befüllung der Deponie endete mit der Schließung des Kraftwerkes am 23. November 1992. Die beiden Aschehalden wurden nach Trocknung renaturiert. Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen, da auf den ehemaligen Deponieflächen Sonnenkollektoren für Solarstrom stehen. Übrigens: Nach der Stilllegung des Kraftwerkes Hirschfelde sollte hier eigentlich eine große Müllverbrennungsanlage entstehen. Doch den Zuschlag bekam Lauta, da es verkehrsmäßig günstiger und zentraler lag.

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