merken
PLUS Zittau

Beistand auf dem letzten Weg

Margit Heinrich aus Zittau begleitet Sterbende und bringt Jugendlichen die Themen Tod, Trauer, Sterben nahe. Dafür wurde sie jetzt ausgezeichnet.

Margit Heinrich hat für ihre beiden Ehrenämter die Annen-Medaille der Sächsischen Staatsregierung erhalten. Foto: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Margit Heinrich hat für ihre beiden Ehrenämter die Annen-Medaille der Sächsischen Staatsregierung erhalten. Foto: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Margit Heinrich war ziemlich überrascht, als vor Kurzem ein Brief vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt in ihrem Briefkasten lag. "Was könnten die nur von mir wollen?", ging es ihr durch den Kopf. Nie hätte sie vermutet, dass sie für ihr Ehrenamt ausgezeichnet werden könnte.

Und doch wurde sie in diesem Jahr als eine der Preisträgerinnen für die von der Sächsischen Staatsregierung gestifteten Annenmedaille ausgewählt. Die Rührung  darüber merkt man ihr an. Sie freue sich sehr über die Auszeichnung, sagt Margit Heinrich. Doch eigentlich hätten auch ihre Mitstreiter diese Medaille verdient. Denn sie sei ja nicht die einzige, die sich beim ambulanten Hospizdienst vom Christlichen Hospiz Ostsachsen in der Zittauer Lessingstraße engagiert, sagt sie.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Wenn Margit Heinrich ihr Ehrenamt antritt, hat das oft einen sehr traurigen Anlass. Seit sieben Jahren begleitet sie schwerkranke und sterbende Menschen und unterstützt deren Angehörige in dieser schweren Zeit. Zusätzlich unterrichtet die ehemalige Lehrerin seit fünf Jahren selbst Schüler zu den Themen Sterben, Tod und Trauer. Beim Projektunterricht »Hospiz macht Schule« bringt sie diese Themen den jungen Leuten nahe. Tod und Trauer seien nach wie vor ein Tabuthema, doch der Tod halte sich nicht an ein bestimmtes Alter und könne jeden treffen, sagt sie. Ganz wichtig ist ihr dabei, auf Hilfsangebote wie zum Beispiel Trauer-Cafés hinzuweisen.

Besonders der erste Besuch ist schwer

Doch häufiger begleitet sie sterbende Menschen. Das falle ihr nicht leicht, weil sie in einer extrem belastenden Situation in die Privatsphäre eines Menschen eintritt, sagt sie. Besonders der erste Besuch sei schwer. Eigentlich ist man ja ein Fremder, der kaum etwas über den anderen weiß, erklärt sie. Das mache es mitunter schwer, sich auf den Sterbenden einzustellen, auch wenn man das natürlich immer wieder aufs Neue anstrebe. Auch der Sterbeprozess selbst verlange einem alles ab. Besonders in der letzten Phase, in der es häufig zu sehr langen Atemaussetzern kommt. "In diesen Phasen möchte man am liebsten für die Patienten mit Luft holen", sagt Margit Heinrich. Das sei nur schwer auszuhalten. Trotz allem ist ihre ehrenamtliche Hilfe für sie selbstverständlich. Denn viele Menschen wollen und brauchen eine Begleitung, sagt sie. Sie im Stich zu lassen, käme für die 68-Jährige nie infrage.

Margit Heinrich fühlt sich auf diese Aufgabe gut vorbereitet und bekäme bei Fragen oder Unklarheiten jederzeit Hilfe. Anfangs erhalte man eine Grundausbildung, die man später mit verschiedenen Weiterbildungen, zum Beispiel für die Begleitung von krebskranken oder dementen Menschen, vertiefen kann. Das dort vermittelte Wissen helfe ihr sehr, sagt die Zittauerin. Auch seien die Koordinatoren, die die Ehrenamtlichen auswählen, immer für sie da. Dabei würden sie sehr viel Fingerspitzengefühl zeigen. Denn gerade bei der Sterbebegleitung sei es besonders wichtig, ob man gut zueinander passt und einen gewissen gemeinsamen Draht findet.

Die Leiterin des ambulanten Hospizdienstes Brigitte Böhlke findet es ihrerseits beeindruckend, wie engagiert nicht nur Margit Heinrich, sondern auch die anderen fast 100 Ehrenamtlichen ihrer Einrichtung ihre schwierige Aufgabe meistern. Sie alle seien jederzeit zur Stelle, ganz egal wann sie gebraucht werden, sagt sie. Das sei manchmal eben auch Sonntagmittag. Doch sie habe noch nie erlebt, dass jemand einfach so abgelehnt habe. Wenn es ihnen irgendwie möglich sei, helfen die Ehrenamtlichen ganz selbstverständlich. Davor habe sie die allergrößte Hochachtung und sie bedankt sich bei jedem einzelnen von ihnen. Sie alle hätten die Auszeichnung verdient, die Margit Heinrich sozusagen stellvertretend für sie bekommen hat, sagt die Hospizleiterin.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau