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Ist Olbersdorfs Bürgermeister ein Impfgegner?

Mit Drohungen und 2G lassen sich die Zögerlichen nicht von der Corona-Impfung überzeugen, findet Andreas Förster - und lässt mit seiner Fragerei nicht locker.

Von Jana Ulbrich
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Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster
gehört beim Thema Corona-Schutzimpfung zu den Unentschlossenen.
Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster gehört beim Thema Corona-Schutzimpfung zu den Unentschlossenen. © Rafael Sampedro/Matthias Weber/SZ-Montage

Andreas Förster macht keinen Hehl daraus, dass er immer noch zu den Zögerlichen gehört: Olbersdorfs Bürgermeister, 60 Jahre alt, Diplom-Agraringenieur und überzeugtes FDP-Mitglied, hat sich - noch - nicht gegen Corona impfen lassen. Die Betonung, betont Förster, liegt auf "noch". Er sei weder ein Querdenker, noch ein Verschwörungstheoretiker noch wähle er AfD. Aber, so erklärt er, bevor er sich endgültig für die Impfung entscheide, habe er da noch ein paar Fragen.

Doch die kann oder will ihm bisher niemand so richtig beantworten, weder jemand aus Sachsens Sozialministerium, noch jemand aus dem Bundesgesundheitsministerium, weder die zuständige Ministerin in Sachsen, noch der zuständige Minister in der Bundesregierung. Inzwischen sind es 18 E-Mails, die Förster mit seinen Fragen verschickt hat. Nur auf zwei seiner Mails hat er bisher Antwortschreiben bekommen - allerdings auch diese ohne die erhofften Antworten.

Was aber will der Bürgermeister eigentlich? "Ich will mich ehrlich überzeugen lassen - nicht mehr und nicht weniger", sagt Förster, "aber von ehrlichen Argumenten und nicht von Drohungen wie solchen, ich würde künftig vom Gemeinwesen ausgeschlossen, oder - wie es jetzt der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck, in einem Interview mit der SZ gesagt hat - es könnten unter Umständen auf den Intensivstationen keine Betten für Ungeimpfte mehr da sein.“

Sozialministerium registriert 4.500 Impfdurchbrüche

Er wolle beispielsweise wissen, inwieweit vollständig Geimpfte das Virus tatsächlich weiterhin übertragen können. Und - weil ersteres inzwischen auch bestätigt ist - warum eine Testpflicht dann nicht auch für geimpfte Personen gilt - beispielsweise für geimpfte Urlaubsrückkehrer. Genauso stelle sich ihm die Frage, wieso Impf- und Genesenen-Nachweise einen negativen Testnachweis ersetzen können, wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) doch feststellt, dass "nicht genau beziffert werden kann, in welchem Maß die Corona-Schutzimpfung die Übertragung des Virus weiter reduziert." Wie sind dann die Ungeimpften, vor allem auch Kinder und Menschen ohne Impfempfehlung, vor den Geimpften geschützt?

Tatsächlich bestätigt das Sächsische Sozialministerium auf Anfrage der SZ mit Stand vom Montag, dem 25. Oktober, 4.506 Impfdurchbrüche, also Fälle, in denen sich vollständig Geimpfte nachträglich mit dem Virus infiziert haben - bei rund 2,3 Millionen vollständig Geimpften. 173 infizierte Geimpfte, größtenteils ältere zwischen 70 und über 90 Jahren, mussten im Krankenhaus behandelt werden, 56 von ihnen sind trotz der Schutzimpfung mit oder an dem Corona-Virus gestorben.

Aber wie sind diese Zahlen zu bewerten? Und wie sei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu verstehen, wenn er in einer Fernseh-Talkshow sagt: Wenn man geschützte Menschen auch genauso testet wie ungeschützte, dann höre diese Pandemie nie auf? Und was ist mit denjenigen, die vor mehr als einem halben Jahr ihre zweite Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten haben und denen jetzt eine Dritt-Impfung zur Auffrischung empfohlen wird: Zählen diese Menschen auch weiterhin als „Geimpfte“ und benötigen neben den „Genesenen“ auch weiterhin keine Tests?

Dass er bei diesem Thema nicht lockerlässt, sagt Förster, das tue er nicht, weil das eben sein Hobby sei oder weil er sich in den Kopf gesetzt habe, unbedingt recht haben zu wollen. "Vor allem sehe ich es auch als meine Aufgabe als Bürgermeister, verstehen und dann auch erklären zu können, wenn mich Mitarbeiter und Einwohner auf dieses Thema ansprechen", erklärt der 60-Jährige. "Es ist ja tatsächlich so, dass uns - die Verwaltung und den Gemeinderat - dieses Virus seit gut eineinhalb Jahren im Tagesgeschäft begleitet."

Zu diesem Tagesgeschäft gehöre in Olbersdorf unter anderem aber auch, dass es in der Gemeinde eines der ersten Corona-Schnelltestzentren im Landkreis gab und die Gemeinde dem Betreiber, der Johanniter Unfallhilfe, dafür kostenlos das Sportlerheim zur Verfügung gestellt hat. Auch die Impfkampagne habe die Gemeinde bereits Anfang des Jahres unterstützt und mitgeholfen, ein „niederschwelliges“ Angebot zur Verfügung zu stellen. "Als anderswo noch diskutiert wurde, wurden in Olbersdorf auch über die Gemeindeverwaltung Impftermine vermittelt und koordiniert", sagt Förster.