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Corona-Schnelltest im Abstellraum

Eine Firma aus Bayern hat in Zittau auf die Schnelle ein Testzentrum eingerichtet. Jeder, der es wissen will oder nachweisen muss, dass er negativ ist, kann kommen.

Das zeitweilige Testzentrum für Corona-Schnelltests ist in einem Nebenraum der Turnhalle an der Zittauer Kantstraße eingerichtet.
Das zeitweilige Testzentrum für Corona-Schnelltests ist in einem Nebenraum der Turnhalle an der Zittauer Kantstraße eingerichtet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Es ist schon eine irgendwie grotesk anmutende Szene: Ein kalter, karger Abstellraum in der Turnhalle an der Zittauer Kantstraße, ein zur Seite geschobener Schwebebalken, an die Wand gelehnte Sprungbretter, zusammengeklappte Bänke. In die Mitte hat Arne Wolff am frühen Morgen ein paar Tische und einen Stuhl geschoben. "Nicht gerade eine komfortable Lokalität", sagt der 35-Jährige, "aber für unsere Zwecke reicht das."

Auf den Tischen hat er alle notwendigen Utensilien ausgepackt: steril verpackte Abstrichtupfer, steril verschlossene Röhrchen mit den Reagenzien, sterile verschweißte Testkassetten, ein Kartenzahlgerät. Arne Wolff, Sportmediziner aus Jena und freier Mitarbeiter der Firma Modl Medical aus dem bayrischen Pappenheim, richtet an diesem Mittwochmorgen in der Turnhalle ein Testzentrum für Corona-Schnelltests ein. Jeder, der es wissen will oder der nachweisen muss, dass er negativ ist, kann kommen.

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Modl Medical-Geschäftsführerin Nicole Modl hat das Gebot und die Gunst der Stunde erkannt und schnell gehandelt. Warum nur Testmaterialien und Schutzkleidung vertreiben, wenn doch überall Tester und Testmöglichkeiten gebraucht werden - vor allem eben auch in den sächsischen Grenzregionen. Das Testzentrum bei Birkenstock in Görlitz läuft seit Montag. In den ersten drei Tagen haben die Mitarbeiter 1.200 Menschen getestet.

Testerin Johanna bei einem Corona-Schnelltest im Testzentrum in der Turnhalle an der Zittauer Kantstraße. Das Zentrum hat montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr geöffnet.
Testerin Johanna bei einem Corona-Schnelltest im Testzentrum in der Turnhalle an der Zittauer Kantstraße. Das Zentrum hat montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr geöffnet. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Seit diesem Mittwoch haben nun auch alle aus Zittau und Umgebung, die einmalig oder regelmäßig ein Testergebnis brauchen, eine zusätzliche und unkomplizierte Möglichkeit - neben den Testmöglichkeiten, die verschiedene Arztpraxen oder Apotheken jetzt ebenfalls anbieten.

Arne Wolffs Mitarbeiterinnen auf Zeit sind Fanny und Johanna aus Dresden. Die beiden jungen Frauen kommen eigentlich aus der Gastronomie. Weil der Lockdown sie arbeitslos gemacht hat, sind sie froh über das Jobangebot bei der Firma Modl. Im Klinikum in Bautzen haben sich die beiden ganz professionell zu Testerinnen ausbilden lassen. "Ein interessanter Job", findet Fanny.

Beim Anziehen muss Arne Wolff ihr jetzt helfen. Der weiße Vollschutzoverall verdeckt ihren Körper von Kopf bis Fuß. Die Einweghandschuhe klebt er zusätzlich mit Tapeband am Ärmel fest, damit auch kein Millimeter Haut zu sehen ist. "Zum eigenen Schutz. Der ist wichtig", erklärt Fanny. "Denn wenn ich den Leuten das Stäbchen weit in den Rachen schiebe, bis mindestens hinter das Zäpfchen, dann würgt es schon mal den einen oder anderen und ich komme mit dem Speichel in Berührung."

Arne Wolff hilft seiner Kollegin Johanna beim Anlegen der Schutzkleidung.
Arne Wolff hilft seiner Kollegin Johanna beim Anlegen der Schutzkleidung. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Kaum ist das Provisorium eingerichtet, steht auch schon die erste Kundin vor der Tür. Es ist eine junge Frau, die in einer Zittauer Anwaltskanzlei arbeitet. Ihren Job, sagt sie, kann sie nicht im Homeoffice machen, und in der Kanzlei kommt sie mit vielen Menschen in Kontakt. Ihr Chef bezahlt den Test. 30 Euro kostet er bisher bei Modl Medical.

Fanny setzt sich zusätzlich zur FFP2-Maske auch noch das Visier auf. Dann geht alles ganz schnell. Die junge Rechtsanwaltsgehilfin hat sich am Morgen unter www.publictesting.de übers Internet angemeldet und einen persönlichen QR Code bekommen. Den hat sie jetzt auf ihrem Handy. Sie setzt sich. Fanny nimmt den Rachenabstrich. Die junge Frau bezahlt bargeldlos - und schon kann sie wieder gehen. Keine zwei Minuten hat das gedauert.

Kollegin Johanna steckt den Abstrichtupfer für ein paar Minuten in ein Röhrchen mit der Reagenzlösung, drei oder vier Tropfen davon kommen dann auf die kleine Testkassette. Und das war's auch schon. In spätestens einer Viertelstunde wird die Mitarbeiterin der Anwaltskanzlei das Ergebnis per SMS aufs Handy geschickt bekommen. Per E-Mail bekommt sie eine PDF-Datei mit dem Ergebnis, das sie ausdrucken und ihrem Arbeitgeber vorlegen kann. Nach Angaben von Modl Medical sollen die verwendeten Schnelltests eine sehr hohe Genauigkeit haben.

Bis zum 7. Februar hat die Firma den Raum in der Turnhalle gemietet. Derzeit wird überlegt, das Angebot auch darüber hinaus zu verlängern - so lange es die Corona-Pandemie erfordert - und so lange es Bedarf für diese Testmöglichkeit in Zittau gibt, kündigt die Geschäftsführerin an.

Ab sofort ist das Zittauer Testzentrum in der Turnhalle (Lisa-Tetzner-Straße 24, Zufahrt von der Kantstraße) von Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig.

Weiterführende Informationen: https://www.modl-medical.de/i/public-testing

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