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Jetzt können Eltern immer spicken

Die ersten Schulen führen digitale Klassenbücher ein - damit haben Eltern immer den Überblick über alle Zensuren. Zu ihnen gehören eine in Zittau und eine in Seifhennersdorf.

Von Thomas Mielke
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Symbolfoto.
Symbolfoto. © Philipp von Ditfurth/dpa (Archiv)

Die Schüler werden wohl nicht "Hurra" rufen: Die ersten Schulen haben jetzt im Internet Portale für Eltern freigeschaltet, in denen jederzeit alle Noten ihrer Kinder im laufenden Schuljahr zu sehen sind. Die Seifhennersdorfer Oberschule startet laut Jens-Hentschel-Thöricht von der Stadtverwaltung in den nächsten Wochen. „Wir sind eine moderne Schule und sorgen damit für mehr Transparenz“, begründet Rita Schmidt, Leiterin der Oberschule, die Einführung. "Eltern und Schüler können sich jederzeit ein Bild vom aktuellen Leistungsstand machen – trotz komplexer Wichtungsregeln. Leistungsschwankungen werden früher wahrgenommen und können korrigiert werden, bevor sie sich verfestigen." Zudem können die Lehrer per Notizfunktion erklären, wie die Zensuren zustande gekommen sind. "So sind Bewertungen für Eltern und Schüler wesentlich besser nachvollziehbar", so die Schulleiterin.

Auf der einen Seite bedeutet das für Lehrer mehr Aufwand. Sie sollen alle Noten spätestens sechs Wochen nach der Vergabe online stellen. Zumindest ist das eine Regel am Christian-Weise-Gymnasium in Zittau, das schon gestartet ist. Auf der anderen Seite müssen sie den Schülern dann nicht mehr wegen der Unterschriften der Eltern hinterherrennen, hofft eine Lehrerin des Weise-Gymnasiums.

Die Seifhennersdorfer Lehrer stehen der modernen Technik nach Angaben der Stadtverwaltung als Schulträger aufgeschlossen gegenüber. "Auch die Eltern stehen dahinter, die Teilnehmer der Schulkonferenz lobten die „neue“ Transparenz", so Hentschel-Thöricht.

Ganz praktisch läuft das beim Weise-Gymnasium so: Eltern loggen sich auf der Internetseite von FuxNoten mit Benutzername und Kennwort an. In einem Kalender werden Leistungskontrollen und Klassenarbeiten in der Vergangenheit und Zukunft angezeigt. In einer Übersicht sind die Noten zu sehen. Sortiert nach Fächern, Datum, Art und Inhalt der Bewertung. Zu manchen gibt es weitere Informationen oder Erklärungen in einer separaten Spalte. Natürlich sind nur die Noten des eigenen Kindes und nicht die der Mitschüler einsehbar.

Wie viele Schulen im Landkreis Görlitz bereits mitmachen oder in absehbarer Zeit starten, ist unklar. Auch der Freistaat hat keine Übersicht. "Die Schulen entscheiden eigenverantwortlich aufgrund der sächlichen Gegebenheiten und in Absprache mit ihrem verantwortlichen Schulträger über die Einführung digitaler Notenbücher", teilte das Landesamt für Schule und Bildung auf SZ-Anfrage mit. Einen besonderen Anlass für die Einführung wie etwa die Änderung von Gesetzen gibt es laut sächsischen Kulturministeriums nicht. "Die Möglichkeit der Einführung obliegt im Rahmen der Digitalisierung dem Schulträger", erklärt Hentschel-Thöricht. Er betont, dass sowohl auf den Datenschutz als auch auf die Sicherheit der Daten größten Wert gelegt wird.

Die Einsicht in die digitalen Notenbücher ist für die Eltern kostenlos. In Seifhennersdorf hat bei der Finanzierung der Anschaffung und Installation der Software unter anderem eine größere Spende des Fraktionsvorsitzenden der „Unabhängigen Bürger Seifhennersdorf“ (UBS), Enrico Großer, geholfen.

An der Andert-Oberschule in Ebersbach ist das digitale Klassenbuch schon seit mehreren Jahren im Einsatz. Wie seitens der Schule informiert wird, wurde die Möglichkeit für Eltern, die Noten ihrer Kinder mit dem Notenportal einsehen zu können, bereits mit dem Schuljahr 2017/2018 eingeführt.

Der Artikel wurde am 28. Oktober geändert und um die Informationen zu Andert-Oberschule ergänzt.