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Wenn das Bike teurer ist als bestellt

In der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Fahrrädern gestiegen. Händler wie Jens Jankowski aus Zittau haben immer häufiger Mühe, sie zu befriedigen - und erleben böse Überraschungen.

Jens Jankowski von JJ-Bikes mit einem der neuen Modelle, die nach Monaten geliefert wurden.
Jens Jankowski von JJ-Bikes mit einem der neuen Modelle, die nach Monaten geliefert wurden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Nachfrage nach E-Bikes und hochwertigen Rädern wie Mountainbikes, aber auch Kinderrädern ist riesig. Im ersten Halbjahr 2020 wurden laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) über neun Prozent mehr Fahrräder verkauft - trotz erstem Corona-Lockdown. Oder gerade wegen des Corona-Lockdowns. Denn viele haben in dieser Zeit die Bewegung in der Natur wieder für sich entdeckt.

Fahrradhändler müssten angesichts solcher Zahlen glücklich sein. Doch in die Freude um die gestiegene Nachfrage mischt sich Sorge. Denn das Kaufinteresse kann immer schwerer bedient werden: Aktuell gibt es Lieferengpässe und Lieferschwierigkeiten. Große Hersteller und Lieferanten wie Canyon, Radon oder Shimano bestätigen dies.

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Wenn die Zweiräder endlich eintreffen, kommt das böse Erwachen: Die Bikes sind teurer als bestellt. "Die Hersteller erhöhen die Preise auf alle Bikes der aktuellen Saison und berechnen nachträglich mehr Geld als ursprünglich bei Bestellung vereinbart wurde", berichtet der Zittauer Fahrradhändler Jens Jankowski von JJ-Bikes.

Bei den zuletzt gelieferten Modellen lagen die Preise um etwa 15 Prozent höher als bei der Bestellung im Juni 2020. "Und dabei haben die Preise schon zu dem Zeitpunkt um gefühlte zehn Prozent angezogen", sagt Jankowski. Damals beeinflusste die höhere Nachfrage die Preisentwicklung.

Deutlich höhere Transportkosten

Die neuerliche Preisanpassung liegt auch an den deutlich höheren Transportkosten. Sie sind neunmal so hoch wie 2020, weiß Jankowski. Musste früher zwischen 3.000 und 4.000 Euro für einen Container bezahlt werden, seien es jetzt schon mal 27.000 Euro. Diese Mehrkosten geben die Lieferanten an die Händler weiter.

Die müssen einen Spagat machen - zwischen Mehrkosten umlegen und Kunden bei Laune halten. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn die Kunden abspringen und die Händler auf ihren Kosten sitzenbleiben. "Die Kunden müssen bereit sein, mehr für ihr neues Rad auszugeben", meint Jankowski. Gerade in Corona-Zeiten sei das nicht selbstverständlich, weiß der Fahrradhändler. Statt für ein teures E-Bike entscheiden sich manche Käufer eher für ein Standardmodell oder verschieben gar den Fahrradkauf.

Wartezeiten zwischen acht und 24 Monaten

Viele Kunden müssen ihren Fahrradkauf aber auch unfreiwillig verschieben, denn die Lieferzeiten verlängern sich extrem. War es vor einem Jahr noch normal, bis zu einem Monat auf sein individuelles Bike zu warten, sind es inzwischen bei einigen Modellen zwischen acht und 24 Monaten, so Jankowski. Im vergangenen Sommer hatte er für Kunden Räder bestellt, die eigentlich zu Weihnachten verschenkt werden sollten. Geliefert wurden sie - wenn überhaupt - erst jetzt. Bei einigen Modellen hatte Jens Jankowski zehn Stück bestellt - und zwei bekommen. Der Rest werde wahrscheinlich erst kurz vor dem Jahresende geliefert, glaubt er. Deshalb hat er schon jetzt einzelne Modelle nachbestellt, um diese dann nächstes Jahr den Kunden anbieten zu können.

Normalerweise bestellt er im Sommer die Ware für das kommende Jahr. Diesmal wurde die Bestellfrist bereits auf Februar vorgezogen. Als er einige gängige Modelle ordern wollte, waren diese bereits ausverkauft. "Die bekommen wir dann nicht 2022, sondern erst 2023", sagt Jankowski. Im Klartext heißt das, dass einige Modelle erst in zwei Jahren wieder erhältlich sind. Für Jens Jankowski bedeutet es auch, länger voraus zu planen.

Bestellen muss er dabei sogar Räder, ohne von diesen vorher ein Bild gesehen zu haben. Einfach nur, um auf die Liste zu kommen.

Lieferketten wegen Corona unterbrochen

Dass auf die Räder monatelang gewartet werden muss, hängt vor allem mit den Lieferengpässen bei einzelnen Teilen zusammen. Ketten oder Bremsscheiben sind kaum noch zu bekommen. Bei vielen Teilen sind die europäischen Hersteller von Fernost abhängig, da diese dort wesentlich preisgünstiger angefertigt werden. Fehlt auch nur ein Teil, können die Räder nicht fertig montiert und ausgeliefert werden.

Als China Fabriken wegen Corona geschlossen hatte, waren die Auswirkungen auch in Europa zu spüren - und das bis heute. "Der Fahrradmarkt funktioniere längst global und wenn an einer Stelle die Lieferkette unterbrochen wird, merkt man das auch an allen anderen Stellen", erklärt Jankowski. In der Fahrradbranche hofft man, dass aus dieser Abhängigkeit zu Fernost Lehren gezogen und die Produktionskapazitäten in Europa ausgebaut werden. Dieser Hoffnung kann sich Jens Jankowski nur anschließen.

Als Händler sei es ihm nicht möglich, die Situation zu beeinflussen oder zu entschärfen. Er kann die Kunden nur um Geduld und Verständnis bitten.

Geduldspegel gesunken

Was so selbstverständlich klingt, ist es keinesfalls. Bei den Kunden sei der Geduld- und Toleranzpegel gesunken. Stornierungen sind dabei das geringste Probleme. Manche schalten gar einen Anwalt ein. "Dabei geben wir stets unser Bestes, um für unsere Kunden Fahrrad-Träume wahr werden zu lassen", sagt Jens Jankowski.

Corona ist dabei nicht hilfreich. Wegen der Beschränkungen dürfen weniger Kunden parallel bedient werden. Gleichzeitig dauert die Beratung länger. Dabei müsste er mehr Kunden als sonst bedienen, um die Ausfälle der Vormonate auszugleichen.

"Als Trost bleibt nur, dass wir überhaupt Bikes auf Lager haben", meint Jens Jankowski.

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