merken
PLUS Zittau

Die vergessenen Kaiserfelder von Zittau

Die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde widmet sich einem noch nicht erforschten Teil der Zittauer Stadtgeschichte. Eine erste Veranstaltung gab es schon.

In der Biogärtnerei Schostek wird über die extensive Bewirtschaftung und der Wert von Ackerunkräutern und Wildgemüse informiert.
In der Biogärtnerei Schostek wird über die extensive Bewirtschaftung und der Wert von Ackerunkräutern und Wildgemüse informiert. ©  privat

Zittau ist eine alte Gärtnereistadt mit reicher Tradition - vergleichbar vielleicht mit Erfurt. Mit der "Zittauer Gelben" hat sie sogar einer Zwiebelsorte den Namen gegeben. Der besonders wertvolle Boden machte die Areale im Zittauer Becken zur Gemüsekammer des Königreichs Sachsen, von wo aus sogar bis nach Berlin und Breslau geliefert wurde.

In der beginnenden Industrialisierung wurde der Anbau effizienter gestaltet und die Logistik des Warentransports verbessert. Spuren der Anbaubetriebe und Transportwege lassen sich in alten Aufzeichnungen und Archivbeständen nachvollziehen, sind jedoch nie aufbereitet worden. In der Stadtgesellschaft erhielten sie Begriffe wie „Kaiserfelder“, ohne dass viele wissen, wo sie liegen und wie sich der Name herleitet.

Anzeige
Ferientipps für Sachsen und Umgebung
Ferientipps für Sachsen und Umgebung

Da ist sie endlich wieder, die schönste Zeit des Jahres - die Sommerferien! Wir haben tolle Freizeittipps für Familienausflüge in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus.

Im Rahmen eines Projekts der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen widmet sich die Stiftung Kraftwerk Hirschfelde diesem noch nicht erforschten Teil der Stadtgeschichte. "Unser Fokus ist die Erforschung der Landnutzungskonflikte in und um Zittau. Wo waren die früheren 'Kaiserfelder' und was hat es damit auf sich? Gibt es Unterlagen, Akten, vor allem aber Fotos und Postkarten davon?", erläutert Anja Nixdorf-Munkwitz, Geschäftsführerin der Stiftung Kraftwerk Hirschfelde, das neue Vorhaben. Wer Material und Hinweise hat, die sich mit den Zittauer Gärtnereien beschäftigen, kann sich gern an die Kraftwerksstiftung, die im Salzhaus ihren Sitz hat, wenden.

Kulturhistorischer Spaziergang eplant

Besonders das Areal, das sich im zum heutigen Olbersdorfer See hinzieht, soll genauer erforscht werden. Aus dem Projekt wird ein kulturhistorischer Spaziergang entstehen, der allen Interessierten offensteht. Einen ersten Test zum Thema Spaziergang und Gartenbau gab es bereits, eine Veranstaltung von "Slow Food Lausitz" zum Tag der Umwelt. Dabei wurde die Vielfalt des Gartenbaus und der Wert, den die nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens darstellt, sachkundig erläutert.

Auch die Geschichte eines der ersten vegetarischen Restaurants, das Anna Springer um 1900 in Zittau gründete und sehr erfolgreich betrieb, ist Gegenstand des Projekts. Die findige Unternehmerin Anna Springer veröffentlichte zahlreiche Kochbücher mit vegetarischen Rezepten, die sicherlich von der Gemüsevielfalt geprägt worden sind, von der sie als Zittauer Köchin profitieren konnte.

„Alltagskultur ist ein interessantes und spannendes Feld, das uns das Leben oft besser erklärt, als die große Geschichte. Wenn Zittau eine so berühmte Gärtnereistadt und frisches Gemüse hochwertig und lokal verfügbar war, dann hat sich das sicher auch in Küche und Gastwesen niedergeschlagen. Aber diese Spuren sind heute kaum noch sichtbar. Das möchte ich ändern und freue mich darauf, mit den Zittauern ins Gespräch zu kommen“, meint Anja Nixdorf-Munkwitz. Die Inspiration kam durch das Projekt „Ab in die Mitte“, für das bei Gärtnereien recherchiert wurde.

Auch das Projekt „Netzwerk regionale Wertschöpfung“ wird mit einbezogen. Wirtschaft und Wertschöpfung sind vielfältige und aktuelle Themen, sie in Zusammenhang mit Regionalität und Nachhaltigkeit zu bringen, ist ein wichtiges Anliegen der Stiftung.

Mehr zum Thema Zittau