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Seemannsherz hat aufgehört zu schlagen

Der Zittauer Bruno Jezek ist tot. Er hat nicht nur die Welt erkundet, sondern auch Bücher geschrieben und einer Künstlergruppe seinen Namen geliehen.

Bruno Jezek mit dem Modell des Schiffes, auf dem er zuerst als Seemann tätig war.
Bruno Jezek mit dem Modell des Schiffes, auf dem er zuerst als Seemann tätig war. ©  Archivfoto: Matthias Weber

Jahrelang ist der Zittauer Bruno Jezek zur See gefahren, erkundete dabei fremde Länder und Kontinente. Nun hat der ehemalige Seemann seine "letzte Reise" angetreten: Am 30. Januar ist Bruno Jezek im Alter von 83 Jahren verstorben.

In den 1960er Jahren hatte er bei der Deutschen Seereederei Rostock (DSR) "angeheuert". Den Anstoß dazu gab die Begegnung mit einem Jugendfreund, der ebenfalls Seemann war. Für Bruno Jezek erfüllte sich damit ein Traum. Schon sein Großvater fuhr zur See und erzählte ihm spannende Geschichten von seinen Reisen.

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Zuerst war Bruno Jezek, der den Beruf des Schlossers erlernt hatte, auf der Linie Rostock - Murmansk eingesetzt. Später schipperte er unter anderem nach Südafrika, Mexiko, Kuba und durchs Mittelmeer. Davon erzählte auch er später immer wieder gern - nicht nur der eigenen Familie. Bruno Jezek veröffentlichte mehrere Bücher. So beschrieb er in "Mit Schiffen der DSR auf großer Fahrt" (2013) das Erlebnis Äquatortaufe ebenso unterhaltsam wie seine Erinnerung an eine ganz besondere Ladung.

Bei seinen Landgängen besichtigte er auch gigantische Bauwerke alter Kulturen und berichtete davon in seinem Buch "Begegnungen mit der Vergangenheit" (2015). Und es sollten noch eine Reihe weiterer Bücher folgen - so beispielsweise "Auf Streifzügen im Orient" (2018) und "Auf Streifzug in Mexiko" (2019).

Nach 14 Jahren von Bord zu gehen, sei ihm nach eigener Aussage nicht leicht gefallen. Die Zeit auf hoher See bezeichnete er selbst als die schönste seines Lebens. In seiner Heimatstadt Zittau rief er vor einigen Jahren einen Seemannstreff ins Leben. Dabei ging es ihm nicht nur darum, Erinnerungen auszutauschen, sondern er wollte auch die Jugend an die Seefahrt heranführen.

Den Zittauern bleibt Bruno Jezek nicht nur als Seemann und Buchautor in Erinnerung. Er engagierte sich ebenso für die Kultur. Einer Malergruppe stellte er ein Domizil zur Verfügung - sie benannte sich deshalb nach ihm: "Künstlergruppe Bruno Jezek".

Mit großformatigen Bildern von Zittau gestaltete er auch leere Schaufenster am Marktplatz. Und er initiierte im Zittauer Kronenkino die Filmreihe "Bruno's Filmklassiker", in der alte Streifen aus den 1940er bis 1960er Jahren gezeigt wurden.

Mit dem Kronenkino hatte er eine besondere Verbindung. Hierher war er nach seinem Abschied von der Seefahrerei gekommen, leitete das Haus bis zur Wende. Bruno Jezek hatte sich auch für Reparaturarbeiten am Gebäude eingesetzt, ohne die es das Kronenkino heute vielleicht nicht mehr geben würde. Sein Versuch, das Kronenkino nach der friedlichen Revolution 1989 zu restituieren, scheiterte jedoch an den Regelungen des Einigungsvertrages. Die Entwicklung des Hauses verfolgte er später sehr interessiert. Nun muss er vom Himmel aus zuschauen.

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