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Gärtner aus Leidenschaft

Als Quereinsteiger musste Oliver Kurzweg erst einmal seine Kollegen von sich überzeugen. Das hat er auf ganzer Linie geschafft.

Oliver Kurzweg ist Azubi bei der SDG Zittau und fast am Ende seiner Ausbildung. Er hat schon viele Ideen, unter anderem für die Krokuswiese.
Oliver Kurzweg ist Azubi bei der SDG Zittau und fast am Ende seiner Ausbildung. Er hat schon viele Ideen, unter anderem für die Krokuswiese. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wenn Oliver Kurzweg durch Zittau läuft, kann er täglich sehen, was seine Kollegen und er für die Stadt leisten. Der angehende Gärtner ist sehr stolz, dass er mit seiner Arbeit einen so unmittelbaren Einfluss auf das Stadtbild hat. „Man sieht, was man geschafft hat und ist zufrieden“, sagt der 29-jährige. Er ist überzeugt, einen der schönsten Berufe der Welt zu haben.

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Oliver Kurzweg ist Gärtner aus Leidenschaft und obendrein sehr ehrgeizig. Das zeigte sich auch beim Wettbewerb „Grün gewinnt – der Zukunft gewachsen“. Unter diesem Motto stand in diesem Jahr der sächsische Wettbewerb für junge Gärtner*innen, den der Gartenbauverband Mitteldeutschland alle zwei Jahre ausrichtet. Da belegte er mit seinen zwei Teamkollegen in diesem Jahr den ersten Platz bei den Lehrlingen im dritten Lehrjahr. Themen waren unter anderem Grabgestaltung, Pflanzenerkennung oder auch die Nachhaltigkeit im Gartenbau. Im Finale dieses anspruchsvollen Wettbewerbs ging es um die Neugestaltung einer Freifläche für den Dresdner Zoo.

Eigentlich eine Juristenkarriere geplant

Auch diese Aufgabe lösten sie mit Bravour. Darauf ist man in seinem Ausbildungsbetrieb Städtische Dienstleistungs-Gesellschaft (SDG) Zittau zu Recht stolz. Man freue sich, einen so engagierten und fleißigen Lehrling ausgebildet zu haben, schreibt Geschäftsführer Daniel Brendler. Leider lief der sonst Bundes- und sogar europaweit ausgerichtete Wettbewerb dieses Jahr nur in Sachsen. Das ist sehr schade, findet Oliver Kurzweg. Er hätte sich gern mit Teams aus ganz Deutschland und vielleicht sogar Europa gemessen.

Dabei ist anfangs gar nicht klar, dass Oliver Kurzweg Gärtner wird. Mit seinem Abitur in der Tasche beginnt er ein Studium der Rechtswissenschaften. Nach vier Semestern gesteht er sich ein, dass das nicht das Richtige für ihn ist. Er geht nochmal zur Berufsberatung und hört dort eher nebenbei, dass die SDG einen Lehrling für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (LaGaBau) sucht. Das lässt ihn aufhorchen. Er interessiert sich schon immer für die Natur und seit er denken kann, nahm ihn sein Großvater mit in den familieneigenen Kleingarten. Dort durfte er schon als kleiner Junge selbstständig gießen, Blumen pflanzen oder Unkraut zupfen. Das blieb ihm in guter Erinnerung.

Kritisch beäugt von den Kollegen

Er bewirbt sich also für die Stelle – und stößt erst einmal auf Vorbehalte. Er ist wesentlich älter als normale Lehrlinge und obendrein Gymnasiast. Die Kollegen fragen sich anfangs, ob er es ernst meinen und in diesem durch und durch praktischen Beruf Fuß fassen könnte. Doch sie geben ihm eine Chance und so wird er für einen Sommer Saisonkraft beim Grünflächenhof. Diese Zeit nutzt er und überzeugt seine Kollegen von sich. Doch er stellt fest, dass ihm die direkte Arbeit mit den Pflanzen mehr liegt als der Bau von Terrassen, Wegen und Sportplätzen. So liebt er den Anblick, wenn im Frühling tausende Blumen im Gewächshaus blühen oder begeistert sich für den Duft der vielen Stiefmütterchen. Er fragt, ob er statt LaGaBau-Lehrling Zierpflanzengärtner werden darf und hat Glück. Inzwischen ist er fast am Ende seiner Lehrzeit und zieht eine positive Bilanz. Die Ausbildung bei der SDG sei klasse gewesen, sagt er jetzt am Ende seiner Lehrzeit. Er habe immer das Gefühl gehabt, bei Entscheidungen wie ein reguläres Teammitglied auf Augenhöhe einbezogen geworden zu sein. Dennoch hätten ihm seine zwölf Kollegen nichts geschenkt und ihm so eine außerordentlich gute Ausbildung ermöglicht. Dafür möchte er sich an dieser Stelle bei jedem Einzelnen bedanken. Auch wenn noch nicht feststeht, ob er dauerhaft eingestellt wird, bleibt er zunächst bei der SDG und kann und will sich weiterhin mit seinen Ideen einbringen.

Ein schönes Beispiel dafür ist das Projekt Krokuswiese. Die hat unter den letzten zwei trockenen Sommern sehr gelitten und braucht dringend eine Auffrischung. Also entschied das Team der SDG, sie zu erneuern. Oliver Kurzweg schlug vor, die Schüler der naheliegenden Parkschule bei einem Projekttag einzubeziehen. So hofft er, einige von ihnen für die grünen Berufe zu begeistern. Denn die Branche suche dringend Nachwuchs, sagt er.

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