merken
PLUS Zittau

Macht Corona die Gastronomie teurer?

Wirte aus Löbau-Zittau sind durch die Pandemie mit hohen Mehrkosten belastet - aber ein Mehrwertsteuer-Geschenk stabilisiert auch die Verbraucherpreise.

Die Menschen genießen wieder die Stimmung in der Außengastronomie, wie hier als Symbolbild beim "Sommer in der Stadt" in Zittau.
Die Menschen genießen wieder die Stimmung in der Außengastronomie, wie hier als Symbolbild beim "Sommer in der Stadt" in Zittau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

In einer Branche war für viele Menschen die Corona-Pandemie besonders spürbar: in der Gastronomie. Sich mal eben mit Freunden in einem Biergarten treffen oder mit der Familie ein Restaurant besuchen, das war über Monate hinweg unmöglich, weil Gasthäuser und Kneipen nicht öffnen durften. Und Wirte mussten teils kostenträchtige Hygienekonzepte entwickeln. Ist das alles jetzt zum Preistreiber für einen Besuch in der Gastronomie geworden? SZ hat die Preise von damals und jetzt verglichen.

Anzeige
So meistert Ihr die internationale Zukunft
So meistert Ihr die internationale Zukunft

Im Herzen Europas ausgebildet für alle Aufgaben im Rest der Welt: Die Hochschule Zittau/Görlitz setzt mit einem neuen Studiengang Maßstäbe.

Der Vergleich ergab: Prozentual sind die Preissteigerungen teils erheblich - in den konkreten Beträgen aber moderat. Henryk Haußer-Knabe, Wirt der Zittauer Traditionsgaststätte Dornspachhaus, erklärt die Situation: "Durch die Hygiene- und Abstandsauflagen habe ich im Innenbereich des Lokals 20 Plätze eingebüßt." Man muss kein Rechenkünstler sein, damit einem klar wird: Wenn man mit weniger Plätzen genauso viel verdienen will wie vorher, sind Preiserhöhungen unausweichlich.

Bei seinen Heimatgerichten aus der schlesischen, böhmischen und Oberlausitzer Küche hat Haußer-Knabe pauschal einen Euro aufgeschlagen. Das entspricht bei allen Gerichten einer Preissteigerung von deutlich unter bis knapp über zehn Prozent. Kosteten diese Gerichte im Dornspachhaus im April 2020 noch zwischen 8,70 und 13,40 Euro, reicht die Preisliste aktuell von 9,70 bis 14,40 Euro - diese SZ-Vergleichswerte sind freilich jeweils nur ein Auszug aus der gesamten Speisekarte. "Es gab aber auch Erhöhungen bei den Kosten für Personal, Energie und den Wareneinkauf", erklärt der Gastwirt weitere Preistreiber. Zahlreiche große Lieferanten würden mittlerweile eine Anfahrtspauschale erheben. Die aktuelle Preiserhöhung sei auch die erste seit drei Jahren. "Wir behalten immer im Auge, ortsübliche Preise zu haben", sagt Henryk Haußer-Knabe.

Manche Gaststätten halten ihre Preise

Ähnlich hat sich das Preisgefüge in der Zittauer "Kultuhr" entwickelt. Suppen und Salate sind jetzt 40 bis 50 Cent teurer als im April 2020, was einer Preissteigerung von fünf bis knapp über zehn Prozent entspricht, Topf- und Pfannengerichte steigen größtenteils um einen Euro. Die Kinderteller blieben preislich unangetastet (5,90 Euro).

Preislich gleich blieben auch die kleinen Gerichte sowie die Kinderteller im Bergrestaurant auf dem Bieleboh. Bei den Hauptgerichten hat sich lediglich die "Grobe Bergbratwurst" um 80 Cent verteuert (+11,5 Prozent). Auch der für seine Schweizer Küche bekannte Berggasthof Koitsche in Hörnitz hat einige seiner teuren Fleischgerichte um einen Euro verteuert - prozentual unter fünf Prozent. Einige Gaststätten wie die im Steinbachtal in Bernstadt oder die Grüne Aue in Dittersbach haben ihre Preise gegenüber April 2020 gar nicht geändert. Bei manchen abgefragten Gaststätten war ein Vergleich nicht möglich, weil keine aktuellen Speisekarten im Internet verfügbar sind.

Mehrwertsteuer-Senkung als Rettungs-Anker

Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des auch für die Oberlausitz zuständigen Dresdner Regionalbüros des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), hat eine Erklärung dafür, warum es nicht zu enormen Preisausschlägen in der Gastronomie kommt. "Normalerweise müssten die Gastronomen ihre Preise viel stärker anheben, aber es gibt einen Sondereffekt", sagt er - nämlich die Mehrwertsteuer. Früher hätten Wirte mit einem Steuersatz von sieben Prozent eingekauft und einem von 19 Prozent an die Gäste abgegeben. Jetzt aber beträgt die Mehrwertsteuer für den Gast auch nur sieben Prozent.

Das heißt etwa, dass solchen Wirten, die ihre Preise gar nicht erhöht haben, diese 12 Prozent Differenz in der Kasse bleiben. Anderen hilft dieser Steuersatz, nur moderate Preissteigerungen vornehmen zu müssen. Befristet ist dieses Steuergesetz zugunsten der Gastronomie vorläufig bis zum 31. Dezember 2022. "Aber es soll entfristet werden, das ist ein entscheidender Fakt für die Zukunft", sagt Dehoga-Chef Klein.

Axel Klein rät Gastronomen auch dazu, ihr Speisekarten-Konzept zu überdenken - aus wirtschaftlichen Gründen und auch solchen der Nachhaltigkeit. "Wenn ich eine umfangreiche Karte habe, muss ich auch alles, was darauf steht, bevorraten", sagt er. Das führe zwangsläufig dazu, dass viel teuer eingekaufte Ware am Ende weggeworfen werden muss. "Das rückt bei den Wirten jetzt mehr und mehr ins Bewusstsein", so Klein.

Mehr zum Thema Zittau