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Hat Professor Amler nur gelogen?

Der Prager will in Zittau ein Kulturhaus errichten und erstattet Anzeige gegen einen Geschäftspartner - nun gibt's Zweifel an seinen Angaben.

Professor Evžen Amler vor seinem Haus auf der Inneren Oybiner Straße 5.
Professor Evžen Amler vor seinem Haus auf der Inneren Oybiner Straße 5. © Thomas Knorr Archiv

Der Prager Professor Evžen Amler hat mit seinem Haus auf der Inneren Oybiner Straße 5 in Zittau viel vor. Ein deutsch-tschechisches Wissenschafts- und Kulturhaus soll dort eröffnen. Doch um die Finanzierung des Projekts ist mittlerweile ein erbitterter Streit zwischen Amler und einem ehemaligen Geschäftspartner entbrannt. Den hatte Amler sogar wegen Betruges angezeigt, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Der ehemalige Geschäftspartner wehrt sich nun gegen diese Rufschädigung. Amler habe bei seiner Betrugsanzeige gegenüber der Staatsanwaltschaft bewusst wahrheitswidrige Angaben gemacht.

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Laut eigener Angaben hatte Professor Evžen Amler die Hilfe des Zittauer Geschäftsmannes Achim Bickel gesucht, weil er selbst nicht Deutsch spreche. Bickel solle ihm bei der Finanzierung und komplizierten behördlichen Vorgängen helfen und ihm ebenso ein Bauunternehmen für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes beschaffen. Über diese Leistungen schlossen Amler und Bickel einen Vertrag - so viel ist unstreitig.

Spricht der Professor Deutsch?

"Die Lüge von Herrn Professor Amler fängt schon damit an, dass er behauptet, nicht Deutsch zu sprechen", sagt Achim Bickel nun - Amlers Vater sei gar Deutscher. Bei zahlreichen Treffen, unter anderem mit Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm), sei ausschließlich Deutsch gesprochen worden. Amler spreche die Sprache beinahe fließend - das bestätigt gegenüber SZ auch Bickels Frau.

Der Professor bestreitet das auf SZ-Anfrage. Er spreche kaum Deutsch. Das Gespräch mit OB Zenker habe auf Englisch stattgefunden. "Bei jeglicher schriftlichen Kommunikation in Deutsch habe ich einen Übersetzer genutzt", schreibt Amler. Doch bei allem, was folgte, bilden die wahren Sprachkenntnisse des Professors nur einen Nebenkriegsschauplatz.

Die Beweise gegen Amlers Behauptungen

Die im Mittelpunkt des Streits stehende Betrugsanzeige Amlers gegen Bickel beruhte auf Amlers Behauptung, Bickel habe sich von ihm für vereinbarte Leistungen bezahlen lassen, die er nicht erbracht habe - vornehmlich der Vermittlung eines Kredits und einer städtischen Förderung. "Diese Vorwürfe sind absurd, verleumderisch und falsch", sagt Achim Bickel. Tatsächlich liegt SZ eine durch Bickel vermittelte Finanzierungsbestätigung für Amlers Projekt vor. In dem Schreiben vom September 2019 an den Professor sagt die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien einen Kredit von maximal 300.000 Euro zur Kernsanierung des Hauses in der Inneren Oybiner Straße zu - etwa ein Drittel der Gesamtkosten.

Auch die nötigen Unterlagen für eine Förderung des Projekts durch die Stadt Zittau brachte Bickel im November 2019 auf den Weg. Der Technische und Vergabeausschuss der Stadt beschloss daraufhin (Beschluss 130/2019), die Modernisierung und Instandsetzung des Gebäudes mit maximal 295.000 Euro zu fördern. Weder kam es in der Folge jedoch zur Auszahlung des Sparkassen-Kredits, noch ist das städtische Fördergeld je geflossen. Achim Bickel nennt dafür einen Grund: "Herr Professor Amler hat die Planung während der laufenden Sanierung geändert", sagt er. So habe er plötzlich etwa eine Weinstube und andere Gastronomie in dem Haus unterbringen wollen - das aber widerspreche den Förderrichtlinien.

Professor Evžen Amler bestreitet gegenüber SZ nicht, damals eine Finanzierungszusage der Sparkasse erhalten zu haben, erklärt jedoch bezüglich Bickels Leistung: "Man muss schon die ganze Arbeit erledigen, nicht bloß die Hälfte." Der von Bickel vermittelte Kredit habe für ihn "extrem nachteilige" Bedingungen enthalten. So habe etwa eine Kreditgarantie gefehlt, die zu verschaffen sich Bickel ebenfalls verpflichtet habe. Amler behauptet nun, hohe Strafgebühren dafür zahlen zu müssen, den Kredit nicht abgerufen zu haben. Das jedenfalls klingt anders als frühere Einlassungen gegenüber SZ, die so zu verstehen waren, als habe er den Kredit erhalten und müsse ihn nun abbezahlen, ohne aber wegen fehlender städtischer Förderung weiterbauen zu können. Und was eben diese städtische Förderung betreffe, die nachweisbar von der Stadt beschlossen wurde: "Ich habe keine solche Entscheidung erhalten", lässt Amler auf SZ-Anfrage wissen. Durch das Fehlverhalten Bickels habe er wohl die Möglichkeit einer städtischen Förderung verloren.

Jetzt Strafanzeige gegen den Professor

Die Staatsanwaltschaft jedenfalls konnte Achim Bickel durch Vorlage der Finanzierungszusage und des städtischen Beschlusses überzeugen. Die Behörde hat das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt. Bickel hat nun seinerseits Strafanzeige gegen den Professor gestellt - wegen falscher Verdächtigung, Vortäuschens einer Straftat und Verleumdung. Amler habe wider besseres Wissen vorgetäuscht, dass er (Bickel) eine rechtswidrige Tat begangen habe, so Bickel.

In Wahrheit schulde ihm der Professor noch etwa 10.000 Euro Honorar. Und Bickel selbst soll nicht der Einzige sein, der auf Geld von Amler wartet. "Die von mir vermittelte Baufirma hat die Bautätigkeit für Herrn Amler aufgrund erheblicher Zahlungsverzögerungen eingestellt", sagt Bickel. Auch dafür habe er bei der Staatsanwaltschaft Belege vorgelegt. Professor Amler bestreitet auf SZ-Vorhalt, Bickel oder jener Baufirma Geld zu schulden.

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