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Schatten über der Senioren-Terrasse

Die Awo Oberlausitz verklagt einen Handwerker auf eine große Summe Schadenersatz. Der findet die Höhe der Forderung ungeheuerlich.

Das Altenpflegeheim "Friedrich Wagner" der Awo in Olbersdorf.
Das Altenpflegeheim "Friedrich Wagner" der Awo in Olbersdorf. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Leben mit Blick auf das Zittauer Gebirge" - mit diesem Panorama-Vorzug bewirbt die Awo Oberlausitz ihr Altenpflegeheim "Friedrich Wagner" am Ortsrand von Olbersdorf. Ganz besonders können die Bewohner den Blick von drei großzügigen Terrassen genießen, die das Gebäude stufenmäßig an einer Seite abschließen. Genau diese Terrassen stehen nun im Mittelpunkt eines Rechtsstreites vor dem Görlitzer Landgericht. Denn im Nachgang einer vor Jahren erfolgten Sanierung der Terrassen fordert die Awo nun eine hohe Schadenersatz-Summe von einem Zittauer Handwerker.

Demnach hatte die Awo den Auftrag im Jahr 2014 an den Zittauer Dachdeckerbetrieb vergeben. Doch bereits 2016 zeigte die Awo Mängel an den Terrassen an und forderte Nachbesserung. Dieser Forderung kam der Handwerker nach. Der Anwalt der Awo trug nun vor Gericht vor, dass die Mängel dadurch nicht beseitigt worden seien. Im Gegenteil: "Die Mängel waren größer als zuvor", erklärt der Anwalt. Wegen eines Wasserschadens machte die Awo dem Handwerker die Rechnung auf: 180.000 Euro fordert sie als Schadenersatz.

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Schaden vielfach höher als Auftragswert?

Der Handwerker ist entsetzt. "Der Auftragswert war mal 45.000 Euro. Jetzt kommt die Awo ums Eck und behauptet, es seien 180.000 Euro Schaden entstanden", erklärt er. Allein die Höhe dieser Forderung mache es ihm jetzt im Prozess unmöglich, sich gütlich mit der Awo zu einigen - die gegenseitigen Positionen lägen einfach viel zu weit auseinander. Er fühlt sich geradezu getäuscht, weil es ihn nun teuer zu stehen kommen soll, sich jemals auf eine Nachbesserung der Terrassen eingelassen zu haben.

Zumal trug der Dachdeckermeister vor, dass sich der Auftraggeber damals erheblich in die Ausführungen der Arbeiten eingemischt habe - etwa in Person der Heimleiterin und des für das Gebäudemanagement zuständigen Mitarbeiters der Awo. Diese hätten damals Bedenken an den Plänen angemeldet und diese für "bautechnisch verfehlt" gehalten.

Eine Position, die der Richter nachvollziehen kann. "Ich kann verstehen, wenn der Beklagte sagt, ihm werde jetzt ein Strick daraus gedreht, dass er habe nachbessern wollen", erklärte dieser. Auch die Einflussnahme von Awo-Mitarbeitern während des Baus will das Gericht nicht ausschließen. Dennoch: Das Gericht gehe davon aus, dass die gesamte zur Ausführung gelangte Planung von dem Handwerker erstellt worden sei, erklärte der Richter.

Gericht will Gutachter beauftragen

Nach Auffassung der Awo sei der eingetretene Wasserschaden als wesentlicher Mangel an sich unstreitig, erklärte der Anwalt. Schließlich habe der Handwerker selbst bei einer Begehung der Terrassen sechs Zentimeter hoch stehendes Wasser gefunden. So einfach allerdings wollte es der Richter der Klägerin dann auch nicht machen. Allein der Umstand, dass es einen Wasserschaden gebe, sei kein Beweis dafür, dass der Handwerker dafür auch die Verantwortung trage.

Das von der Klägerin vorgelegte Gutachten über die geforderte Summe jedenfalls reiche zur Wahrheitsfindung nicht aus. Der Richter kündigte an, einen Gutachter beauftragen zu wollen. Allerdings wurden nach Erklärung des Anwalts in den letzten Jahren die von der Awo gerügten Mängel jedenfalls größtenteils durch andere Unternehmen beseitigt - die Dachterrassen befinden sich heute also nicht mehr in dem 2016 beklagten Zustand. "Der Sachverständige wird Schwierigkeiten haben, sich da einzufinden", erklärte der Richter das Problem bei der Beweisführung. Er setzte als Verkündungstermin den 23. April fest - mit dem Hinweis, dass an diesem Tag aller Wahrscheinlichkeit nach kein Urteil ergehen werde, sondern der Beschluss zur Beauftragung eines Sachverständigen.

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