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Baumdienst Harazin belebt altes Robur-Werk wieder

Das Unternehmen ist von Mittelherwigsdorf nach Zittau gezogen. Der Standort bietet der Firma neben der Baumpflege eine ganz neue Möglichkeit.

Andreas Harazin hat sein Baumdienst-Unternehmen um zwei weitere Geschäftsfelder erweitert.
Andreas Harazin hat sein Baumdienst-Unternehmen um zwei weitere Geschäftsfelder erweitert. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Andreas Harazin ist dorthin zurückgekehrt, wo er vor 15 Jahren angefangen hatte - nach Zittau. Damals war er noch ein Ein-Mann-Unternehmen gewesen. Heute beschäftigt er zehn Mitarbeiter. Zwei davon hat er neu eingestellt. Der Firmeninhaber ist mit seinem Baumdienst-Harazin von Mittelherwigsdorf nach Zittau umgezogen. Das Unternehmen wächst. Und dafür braucht Andreas Harazin mehr Platz.

"Am Standort in Mittelherwigsdorf war ich nur eingemietet. Dann hat sich für mich die Möglichkeit ergeben, das hier alles zu kaufen", sagt er. Gemeint ist der ehemalige Fertigungsbereich (FB) 16 der einstigen Robur-Werke in der Bergstraße in Zittau. Andreas Harazin hat das Werksgelände von der Zittauer Hochbau GmbH übernommen. Obwohl er aus Sachsen-Anhalt stammt, weiß er um die traditionsreiche Geschichte des Zittauer Fahrzeugherstellers.

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Und er will mithelfen, sie zu pflegen. Auf einer großen Tafel an der Zufahrt zu seinem Unternehmen wirbt er deshalb nicht nur für sein Unternehmen, sondern gibt ebenso einen kleinen Überblick über die Geschichte des Robur-Werkteiles. "Etwa 150.000 Fahrerhauskabinen sind hier gebaut worden", erzählt Andreas Harazin.

Wo zu DDR-Zeiten in Zittau die Fahrerhauskabinen für die Robur-Lkw gebaut wurden, hat jetzt das Unternehmen Baumdienst Harazin seinen Sitz.
Wo zu DDR-Zeiten in Zittau die Fahrerhauskabinen für die Robur-Lkw gebaut wurden, hat jetzt das Unternehmen Baumdienst Harazin seinen Sitz. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

In der Werkhalle, wo zu DDR-Zeiten die großen Pressen für die Produktion der Fahrerhäuser standen, hat er nun seine beiden neuen Geschäftsfelder etabliert. Genau das hätte er an seinem alten Unternehmensstandort aus Platzgründen nicht so umfangreich machen können. Jetzt beträgt das Firmengelände immerhin 16.000 Quadratmeter.

Herzstück ist die große alte Fertigungshalle für die Fahrerhaus-Kabinen. Die Fassade der Halle ziert bereits ein neuer Farbanstrich und das Dach wird auch gerade saniert. Später will Andreas Harazin noch Büros in die Halle einbauen. Beeindruckend hängt in der Werkhalle von der Decke ein alter riesiger Zeuge aus Robur-Zeiten. "Das ist ein 24-Tonnen-Kran", berichtet er.

Staubgeschützt verhüllen Wolldecken in der Halle mehrere kleine Kunstwerke, auf die sich Baumdienst Harazin nun ebenfalls spezialisiert. Seit dem Umzug vor einem Monat nach Zittau steht Harazin nun nicht nur für Baumpflege und dem Fällen von Bäumen. Das ist zwar weiter das Hauptstandbein, aber jetzt wird das Holz zu 100 Prozent in der Firma wiederverwendet. Und zwar nicht nur zu Hackschnitzel oder Feuerholz für die Wärme- oder Energieversorgung.

Wenn möglich, bilden die Stämme von alten Buchen, Eichen, Eschen und so weiter die Grundlage für die zwei neuen Geschäftsfelder. Neben dem bisherigen Firmen-Logo vom Baumdienst gibt es deshalb nun mit "Baumzeit-Design" und "Mietze-Kratze" zwei weitere Logos. Letzteres ist übrigens von Kratzbäumen für Katzen abgeleitet.

Meterhoch türmen sich übereinander gestapelte Baumstämme, die inzwischen zu dicken Holzbohlen gesägt wurden. Baumstümpfe gibt es hier genauso wie geschälte Äste. Was daraus entstehen kann, zeigt Andreas Harazin, als er einige Schutzdecken hochhebt. Aus dem Brett von einem großen Stamm ist die Platte für einen langen Konferenztisch geworden. Woanders liegen hölzerne Tischplatten, die sich gut für einen Couch-Tisch eignen. Zwei geschälte Äste sind bereits als Deckenleuchten vorgesehen. Bänke und vieles andere ist noch möglich.

Jedes Möbelstück ist quasi ein Unikat. Denn jeder Baumstamm und jeder Ast ist anders gewachsen. Die Bänke, Tische und Lampen - wie auch die Baumstamm-Skulpturen, die bei ihm gefertigt werden, gehören zur Sparte "Baumzeit Design". "Unser Grundgedanke ist dabei die nachhaltige Komponente, bei der Baumpflege", sagt er. Aus dem oftmals über 100 Jahre alten Hölzern lässt sich noch so viel machen.

Und mit seinen Produkten von "Mietze-Kratze" spricht er sozusagen alle Katzenfreunde an. Andreas Harazin hat selbst eine Katze und weiß, was den Samtpfoten gefällt. Aus Ästen macht er kleine und große Kratz- und Kletterbäume für Katzen. Je nachdem, wie es der Kunde wünscht, können die auch bis zur Decke der Wohnstube reichen. Die Äste sind geschält, teilweise umwickelt wie handelsübliche Kratzbäume, haben Sitzmöglichkeiten und Körbe für die Tiere.

Beide neuen Geschäftsfelder sind noch am Aufbau. Andreas Harazin fertigt jetzt einige Ausstellungstücke, die dann in der Produktionshalle gezeigt werden. Im nächsten Jahr will er auch einen Ausbildungsplatz anbieten. Und er kann sich auch vorstellen, beim nächsten Tag des offenen Denkmals seine Werkhalle zu öffnen. "Es gibt bestimmt viele Robur-Werker, die mal sehen wollen, was aus ihrer Fertigungshalle geworden ist", erzählt er. Andreas Harazin ist selbst gelernter Zimmermann, hat dann als Baumpfleger gearbeitet und später eine Ausbildung zum Profi, dem "European Tree Worker", absolviert.

Der Rohstoff für seine zwei neuen Geschäftszweige und die Ideen für kreative Holz-Gestaltungen werden Andreas Harazin und seinen Mitarbeitern bestimmt nicht ausgehen. Derzeit ist seine Firma mit Baumpflegearbeiten im Fürst-Pückler-Park beschäftigt.

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