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Im Corona-Einsatz bei der Bundeswehr

Der Oybiner Hotelier Conrad Siebert hat jetzt viel Zeit - und sich dienstbereit zur Reserve gemeldet. Sein Einsatzort ist das Landratsamt. Was er dort macht.

Der Oybiner Hotelier Conrad Siebert arbeitet derzeit als Reservist der Bundeswehr in Görlitz.
Der Oybiner Hotelier Conrad Siebert arbeitet derzeit als Reservist der Bundeswehr in Görlitz. © Nikolai Schmidt

Die Uniform passt noch! Zum ersten Mal seit seiner aktiven Armeezeit hat Conrad Siebert sie jetzt wieder aus dem Schrank geholt - für einen wichtigen Einsatz: Seit einer Woche dient der Hotelier aus Oybin wieder bei der Bundeswehr.

Siebert, im zivilen Leben Betriebswirt im Hotel- und Gaststättengewerbe und Chef des Hotels am Berg Oybin, war bis 2012 zwölf Jahre lang Soldat auf Zeit. Vor zwei Jahren hat er sich als beorderter Reservist gemeldet. Sein Dienstposten ist das Kreisverbindungskommando in Görlitz. Immer dann, wenn es die Situation erfordert, im Katastrophenfall oder in besonderen Lagen, wird das Reservisten-Kommando aktiviert. 

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Es ist das erste Mal, dass Hauptfeldwebel Siebert jetzt als Reservist gebraucht wird. Am 1. November hat der Landkreis Görlitz die Bundeswehr um Hilfe gerufen, weil die Covid-19-Infektionszahlen in die Höhe schnellen und die Corona-Welle die Mitarbeiter im Landratsamt inzwischen heillos überrollt.

Am 2. November hat Conrad Siebert sich "vollumfänglich dienstbereit" gemeldet. "Ich bin ja jetzt der, der vollumfänglich Zeit hat", sagt der Hotelier nicht ohne Sarkasmus. "In meinem Beruf bin ich ja gerade mehr oder weniger zur Arbeitslosigkeit verdammt." Sein Hotel in Oybin lebt von Touristen, nicht von Geschäftsreisenden. 

Als Hotelchef gerade arbeitslos

Mit Beginn des verordneten November-Lockdowns musste Siebert das Hotel schließen, die Angestellten haben Urlaub genommen und feiern Überstunden ab. "Sollte der Lockdown noch länger dauern als jetzt angekündigt, dann müssen wir wieder Kurzarbeit beantragen", sagt er.

In dieser Situation kommt der Reservisten-Einsatz bei der Bundewehr für den 39-Jährigen gerade günstig. "Da kann ich mir wenigstens ein paar Brötchen verdienen", sagt Siebert. Obwohl sein Sold nicht vergleichbar sei mit dem Verdienst aus dem Hotelbetrieb.

Seit dem 2. November also zieht Conrad Siebert jetzt wieder jeden Morgen die Uniform an und fährt zu seinem Einsatzort: Einem Büro im Landratsamt, das für das Verbindungskommando extra eingerichtet wird. Genau dort wird Sieberts Dienst jetzt gebraucht.

"Wir sind - wie der Name schon sagt - die Verbindungsstelle zwischen den zivilen Behörden und der Bundeswehr", erklärt Siebert. "Wir beraten den Landrat und die Beigeordneten über die Hilfe-Möglichkeiten, die es bei der Bundeswehr gibt, und helfen auch dabei, die Anträge zu stellen." Wir, das sind Conrad Siebert und sein Vorgesetzter, der Leiter des Verbindungskommandos.

Bundeswehr schickt weitere 100 Soldaten

Siebert ist jetzt auch der Ansprechpartner für die im Landkreis eingesetzten Soldaten. 24 sind es bisher, die im Gesundheitsamt helfen, größtenteils bei der Kontaktverfolgung positiv Getesteter, aber auch bei den mobilen Testteams. In den kommenden Tagen wird die Bundeswehr noch einmal über 100 Soldaten in den Landkreis schicken, diesmal in die Krankenhäuser und Pflegeheime.

Viel Arbeit für die beiden Männer im Verbindungskommando. An diesem Vormittag hat sich Conrad Siebert mit Sozialdezernentin Martina Weber getroffen, um zu klären, wie der Einsatz möglichst reibungslos organisiert werden kann. Bei der Bundeswehr wartet man indes schon auf seinen aktuellen Bericht zur Lage.

"Das ist für mich eine gute Erfahrung", sagt Conrad Siebert. "Und es ist eine wichtige Aufgabe. Und irgendwie auch mal eine schöne Abwechslung zum Job im Hotel." Bis Ende November - falls er so lange gebraucht wird - hat sich der Oybiner "vollumfänglich dienstbereit" erklärt. Gegebenenfalls auch noch länger, fügt er hinzu, wenn der Lockdown für sein Hotel über die angekündigten vier Wochen verlängert werden sollte.

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