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Schüler-Impfung eskaliert - Impfgegner-Randale in Zittau

Bei der Impfaktion für Schüler in Zittau kommt es zur Eskalation mit einem stadtbekannten Impfgegner. Die Polizei muss eingreifen.

Weil dieser Impfgegner in der Berufsschule Zittau bei einer Impfaktion randalierte, musste die Polizei anrücken.
Weil dieser Impfgegner in der Berufsschule Zittau bei einer Impfaktion randalierte, musste die Polizei anrücken. © Markus van Appeldorn

In diesen Tagen finden an zahlreichen Schulen Impfaktionen für Schüler ab zwölf Jahren statt. Am Dienstag, 14. September, machte ein mobiles Impfteam des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Station in der Aula des Beruflichen Schulzentrums an der Hochwaldstraße in Zittau. Rund 150 Schüler von acht Schulen aus dem Bereich Zittau waren angemeldet. Angehörige einer Zittauer Gruppe von Impfgegnern hatten bei einem Treffen an der Blumenuhr am Montag voriger Woche verabredet, bei diesem Impftermin aufzutauchen und Schüler über die Gefahren einer Impfung zu informieren. Ein Mann der Gruppe vor der Schule kam in die Aula und randalierte dort derart, dass der ASB die Polizei alarmierte.

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Die Situation hatte zunächst so gar nichts Bedrohliches. Eine Impfgegnerin stand ab etwa neun Uhr vor der Schule und sprach vereinzelt Schüler an. Denen erzählte sie etwa, dass infolge der Impfung bereits etliche Jugendliche gestorben seien und ohnehin alle Geimpften daran sterben würden. "Ich habe in meinem Bekanntenkreis drei Menschen verloren, die wenige Tage nach der zweiten Impfung gestorben sind", behauptete sie gegenüber dem SZ-Reporter. Später kamen noch weitere Impfgegner dazu. Darunter auch eine Frau mit der Aufschrift "Impfen ist doch Mord" auf einem Plakat. Diese Frau war erst vor wenigen Tagen bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung mit Ministerpräsident Michael Kretschmer in Großschönau Polizisten angegangen. Dort hatte sie gesagt: "Ihr seid alle dran. Das wisst Ihr. Und darauf freuen wir uns schon."

Impfgegnerin behauptet Gewalt-Anwendung gegen sich

Gegen 9.30 Uhr kam es zu einer ersten Eskalation in der Aula. Nach den Schilderungen eines ASB-Mitarbeiters vor Ort war eine ältere Dame in den Raum gekommen. Sie habe irgendwelche Zettel dabei gehabt und zum Arzt gewollt, weshalb man sie erst für eine Impfwillige hielt. Dann habe sie versucht, zu dem Tisch vorzudringen, auf dem die Impfspritzen lagen. "Das musste ich verhindern, dafür bin ich verantwortlich", sagte er. Er habe die Frau aufgefordert, den Raum zu verlassen und sie leicht weggedrängt. "Da ist sie gestolpert oder hat sich auf den Boden geworfen und angefangen herumzuschreien", schilderte der Mann. Draußen habe die Frau dann aber laut Schilderungen aus dieser Gruppe ihren Freunden erzählt, sie sei von dem ASB-Mann gewaltsam zu Boden gerungen worden. Der Mitarbeiter bestritt gegenüber SZ diese Darstellung und sagte, es seien zu dem Zeitpunkt etliche Personen in dem Raum gewesen, die seine Darstellung bezeugen könnten.

Bedrohlich wurde es für die ASB-Mitarbeiter und den Impfarzt dann kurz später. Um kurz nach zehn Uhr stieß ein bekannter Zittauer Impfgegner und Corona-Maßnahmen-Kritiker zu der Gruppe und ging sofort in die Schule. Dabei hielt er die ganze Zeit sein Smartphone in die Höhe und filmte so seinen eigenen Auftritt. "Ihr dürft die jungen Menschen nicht impfen. Ihr bekommt alle eine Strafanzeige!", rief er in dem Raum und: "Das Video stelle ich ins Internet. Das geht viral." Schüler riefen ihm zu, er solle den Raum verlassen und nicht filmen. Der ASB-Mitarbeiter erteilte ihm Hausverbot und forderte den Mann auf, den Raum zu verlassen.

Mehrere Minuten Schreierei und Beschimpfungen

Davon aber ließ sich der Mann nicht beeindrucken. "Du hast mir hier gar nichts zu sagen", herrschte er den Mitarbeiter an. Als der ihn leicht am Arm berührte, schrie er: "Fass mich nicht an! Du bekommst eine Anzeige wegen Körperverletzung." Er warf dem ASB-Mann auch vor, kurz zuvor eine ältere Dame zu Boden gezerrt zu haben und sagte: "Genau wie Du vorhin mit der älteren Dame umgegangen bist, so gehst Du jetzt mit mir um." Nach wenigen Augenblicken stieß der Impfarzt zu der Szene. "Du bist ein gekaufter Arzt! Du machst das nur wegen der Kohle", schrie der stadtbekannte Impfgegner den Arzt an und warf ihm vor, den Kindern Gift zu spritzen. Ein Impfmitarbeiter alarmierte die Polizei, sagte am Telefon: "Wir werden hier überfallen." Der Auftritt des Impfgegners in der Aula dauerte mehrere Minuten, dann verlagerte sich das Geschehen nach draußen, wo der Impfgegner den Arzt und den ASB-Mitarbeiter noch weiter beschimpfte.

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Gegen 10.20 Uhr erschien die vom ASB hinzugerufene Polizei mit mehreren Beamten. Der Impfgegner wiederholte gegenüber den Beamten den Vorwurf, die ältere Dame sei gewaltsam zu Boden gerungen worden. Er stellte Strafantrag gegen den ASB-Mitarbeiter wegen Körperverletzung. Der ASB-Mann seinerseits stellte Strafantrag wegen Hausfriedensbruch, der Impfarzt wegen Verleumdung. Gegen elf Uhr sprach die Polizei gegen die Gruppe der Impfgegner einen Platzverweis aus. Sie dürften auf öffentlichem Grund auf dem Gehsteig stehen, nicht aber auf dem Grundstück der Berufsschule. Nach Angaben der Polizeidirektion blieben Beamte aus Sicherheitsgründen vor Ort.

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