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Neun Minuten - und das Auto war weg

Einer Familie wurde der Wagen während des Einkaufs in Zittau gestohlen. Kein Einzelfall, seit die Grenzen wieder offen sind. Das ist die Hitliste der Auto-Mafia.

Während die Besitzer eines hochwertigen SUV im Penny Markt an der Leipziger Straße einkauften, verschwand das Auto vom Parkplatz.
Während die Besitzer eines hochwertigen SUV im Penny Markt an der Leipziger Straße einkauften, verschwand das Auto vom Parkplatz. © Matthias Weber/photoweber.de

Viel hellhöriger ist Familie M.* jetzt in Oberseifersdorf. Es könnte ja wieder ein Autodieb sein, wenn sie nachts ein Geräusch hören. Ihr Mitsubishi ist zwar nicht an ihrem Haus gestohlen worden, sondern am heller lichten Tag von einem Parkplatz an der Leipziger Straße in Zittau, trotzdem haben sie Angst um den verbliebenen Zweitwagen.

Reichlich zwei Wochen ist das jetzt her. Damals wollten sie an jenem Freitagnachmittag nur noch schnell ein paar Steaks holen. Neun Minuten sind sie dafür bei Penny gewesen. Als sie wieder rauskamen, stand ihr Auto nicht mehr da. Dabei hatten sie sogar noch einen Parkplatz nahe der Eingangstür erwischt. Das schreckte die Diebe aber trotzdem nicht ab.

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"Wir haben gleich die Leute ringsum und im Nachbarwohnblock gefragt, ob jemand etwas gesehen hatte", schildert Frau M. Sie hofft immer noch, dass die Polizei ihren Mitsubishi Outlander findet. Ihr Mann glaubt schon nicht mehr daran. Nachdem die Formalitäten zur Diebstahlsanzeige bei der Polizei erledigt waren, ist er am Tag des Diebstahls gleich mit seinem Sohn nach Polen und kreuz und quer durch Zittau gefahren. Sie hatten die winzige Hoffnung, vielleicht ihr Auto noch irgendwo zu sehen. Aber vergebens.

Der in Zittau gestohlene Mitsubishi Outlander.
Der in Zittau gestohlene Mitsubishi Outlander. © privat

Der Mitsubishi mit dem Kennzeichen Zi AR 669 bleibt verschwunden. Bis jetzt hat die Polizei noch keine Spur von den Tätern. "Die Ermittlungen sowie die Fahndungsmaßnahmen dauern unverändert an", berichtet Polizeisprecher Kai Siebenäuger. Familie M. fragt sich, ob es ihr Auto noch gibt oder es schon in seine Einzelteile zerlegt ist.

Eine Bekannte hatte ein Bild von dem Outlander in Facebook gestellt. Darauf meldete sich auch jemand, der angab, dass ihm der Mitsubishi Richtung Polen entgegenkam. "Wir haben den Mann, der das schrieb, selber aber nicht erreichen können", berichtet Frau M. Die Polizei vermutet hinter der Tat einen Auftragsklau, fügt sie hinzu. Die Diebe würden dafür nur zwei bis vier Minuten brauchen.

Und wenn sie jetzt mit etwas Abstand zurückblickt, gab es vor dem Diebstahlstag schon einmal eine merkwürdige Situation. Da hielt ein weißes Fahrzeug mit Zittauer Nummer kurz vor ihrer Einfahrt zum Grundstück. Die Familie dachte erst, dass ihr ältester Sohn heimgebracht wird. Weil aber niemand ausstieg, ging der jüngere Sohn raus, um nachzusehen, wer es ist.

Als die Haustür aufging, fuhr das Auto zurück. Frau M. sah es vom Dachfenster und erkannte das Nummernschild. Sie wusste, zu wem es gehört. Doch es passte nicht zu dem Auto, was da gerade wegfuhr. Die bekannte Familie daraufhin angesprochen, berichtete, dass ihr nie die Nummernschilder gestohlen wurden oder sie diese einmal verloren hätten. Lediglich die Farbe des Autos stimmte in etwa. Frau S. ist sich sicher, dass sie sich die richtige Zahlen- und Buchstabenkombination notiert hatte.

Der Mitsubishi Outlander der Familie ist ein SUV. Und SUV stehen bei Autodieben derzeit hoch im Kurs. "Grundsätzlich erfreuen sich SUV in der Bevölkerung einer größeren Beliebtheit - auch kleinere oder City-SUV. Dies spiegelt sich auch in den Diebstählen von Kfz wider", schildert Polizeisprecher Kai Siebenäuger.

Generell ist der Autodiebstahl nach der Öffnung der Grenzen wieder gestiegen. So gab es nach den Lageberichten der Polizeidirektion Görlitz im vergangenen Jahr 91 Autodiebstähle im Landkreises Görlitz. 14 davon entfielen auf das Polizeirevier Zittau-Oberland. Bereits im ersten Halbjahr 2021 liegen die Zahlen deutlich höher. Jetzt sind es schon 157 im Landkreis und 44 innerhalb des Polizeireviers Zittau-Oberland.

Allein auf 110 Pkw hatten es Diebe im Landkreis Görlitz in diesem Jahr zwischen Januar und Juni abgesehen. 65 Mal knackten sie die Autos. Im Polizeirevier Zittau-Oberland waren es 82 Versuche und 42 Diebstähle, so Kai Siebenäuger.

Auch Transporter und Wohnmobile stehen hoch im Kurs. Seit Januar wurden im Landkreis versucht, 45 zu stehlen. 28 Mal gelang es. Im Polizeirevier Zittau-Oberland gab 25 Versuche und 18 Vollendungen.

"Hitliste" der gestohlenen Pkw nach Hersteller

1. Volkswagen

2. Audi

3. Mazda

4. Hyundai

5. Mitsubishi

"Hitliste" der gestohlenen Pkw nach Hersteller und Typen:

1. Volkswagen, keine SUV, fast ausschließlich Baujahre vor 2006

2. Audi, meistens A4 und A6, auch SUV Q5, überwiegend jüngere Baujahre, meist mit schlüssellosem Komfortzugang

3. Mazda, fast ausschließlich SUV CX-5, CX-3, nur jüngere Baujahre, auch schlüsselloser Komfortzugang

4. Hyundai, nur SUV Tucson und Kona, nur jüngere Baujahre, nur mit schlüssellosem Komfortzugang

5. Mitsubishi, überwiegend SUV Outlander, auch schlüsselloser Komfortzugang

"Hitliste" bei Transporter und Wohnmobile nach Hersteller:

1. Fiat, Ducato

2. Citroen, Jumper

3. VW, T5

Erst vor einem halben Jahr hatte sich die Oberseifersdorfer Familie ihren neuen Mitsubishi gekauft. Nur 1.900 Kilometer sind sie damit gefahren. "Wegen Corona waren wir ja nicht viel unterwegs", erzählt sie. Die Familie ärgert sich auch, dass man für über 30.000 Euro ein Auto kauft, und es dann so leicht zu knacken ist.

Ihr Outlander ist schon ein schlüsselloses Fahrzeug. Aber das macht den Diebstahl eines solchen Autos nicht leichter. Bei dem schlüssellosen System öffnen sich die Autotüren automatisch, wenn der Fahrer unmittelbar vor dem Auto stehend das Gerät betätigt. Diesen Vorteil nutzen auch potenzielle Autodiebe. Sie ermitteln die Schlüssel-Signale mithilfe von Funkstrecken-Verlängerern und verstärken sie. So bekommen sie Zugriff zum Signal und können die Autotüren öffnen.

Die online-Ausgabe von "Auto-Presse" wies bereits in ihrem Ratgeber im vergangenen Jahr darauf hin. Als Tipps zum Verhindern der Signalübertragung schlug sie vor, die elektronischen Autoschlüssel nach Gebrauch in einem metallenen Gefäß fest zu verschließen und so aufzubewahren. Alternativ könnten die speziellen Schlüssel auch mit mehreren Lagen Alufolie umwickelt werden. So soll das Übertragen von Signalen zumindest eingeschränkt sein, heißt es.

Bei einigen Autos ist es auch möglich, die Keyless-Go-Funktion für das Signal auszuschalten.

Die Polizei empfiehlt unter anderem zusätzliche mechanische Sperren. Die Diebe brauchen so mehr Zeit, um ein Auto zu knacken. Manchmal wirkt schon eine deutlich sichtbare Lenkradsperre auf Täter abschreckend. Zudem gibt es Schaltsperren, mit denen der Schalthebel oder der Automatikwahlhebel blockiert wird. Empfohlen werden zudem Radkrallen. So eine einfache mechanische Sperre kann selbst bei der neusten Fahrzeuggeneration hilfreich sein.

*Familie M. - Name geändert.

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