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Was wird aus dem Wittgendorfer Freibad?

Das Gelände des früheren Bades soll umgestaltet werden. Zu dem Vorhaben gibt es viel Zustimmung - aber auch Kritik.

Von Jan Lange
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Wittgendorfs Ortsbürgermeister Rico Ohmann am alten Badebecken.
Wittgendorfs Ortsbürgermeister Rico Ohmann am alten Badebecken. © Matthias Weber/photoweber.de

Generationen von Wittgendorfern haben hier geplanscht und viele Stunden ihrer Freizeit verbracht: Im alten Freibad neben dem früheren Kulturhaus. Um 1930 errichtet - damals gab es das Kulturhaus noch nicht - und in den 1950er Jahren erweitert, dient das Bad schon seit Jahren nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck. In den 1990er Jahren war Schluss mit den Badefreuden: Das Wittgendorfer Bad entsprach nicht mehr den geforderten Normen für Freibäder.

Später wurden hier noch mehrere Badewannenrennen veranstaltet - in der Regel beim jährlichen Dorffest. Doch auch damit ist es seit Langem vorbei.

Nun soll ganz Schluss sein: Das ehemalige Bad soll wegkommen. An der Stelle soll ein Festplatz entstehen, auf dem 2022 auch das 700-jährige Ortsjubiläum steigen soll.

Karl-Heinz Augustin kann sich mit dem Gedanken, dass das Freibad wegkommt, nicht anfreunden. Er hat selbst viele Stunden seiner Freizeit hier verbracht. Und nach der Wende sei noch mal Geld in das Freibad geflossen, erinnert sich der Wittgendorfer. Er war seinerzeit Mitglied im Gemeinderat und hatte darüber mitentschieden.

Verhindert wurde die Schließung dadurch nicht. Wie viele Gemeinden im Kreis konnte auch Wittgendorf sein Bad finanziell nicht mehr stemmen. Dass das Becken erhalten blieb und mit Wasser gefüllt war, hing vor allem mit der Ortsfeuerwehr zusammen. Die nutzte das Bad im Brandfall als Wasserstelle - auch wenn es kein offizieller Löschwasserteich war. Die Kameraden kümmerten sich auch um die Reinigung.

Nachdem sich 2017 die Ortswehr aufgelöst hatte, wurde es mit der Reinigung schwierig. Die Folge: Im Becken sammelte sich immer mehr Dreck an und es wurde zunehmend zu einem stinkenden Schlammloch. Mit Sperrgittern ist es seit Langem umzäunt.

Wittgendorfs Ortsbürgermeister Rico Ohmann ist überzeugt, dass die Entscheidung, das Bad zu beseitigen, richtig ist. Die Wasseraufbereitung oder einen Schwimmmeister könne sich heute niemand mehr leisten. Statt einem Bad, das keiner nutzt und auch will, könnte etwas Schönes entstehen. Ideen für die künftige Gestaltung gebe es laut Ohmann einige, so könnten zum Beispiel eine Grillecke oder ein kleiner Bolzplatz geschaffen werden.

Der Wunsch des Ortschaftsrates sei es, dass das alte Badgelände uneingeschränkt genutzt werden kann - ohne Absperrungen.

Schon seit vielen Jahren finden große Veranstaltungen - vom Sommerfest bis zum Fischerfest - auf dem alten Badgelände statt. Vor allem auch deshalb, weil der Dorf- und Jugendverein auf dem Gelände sein Domizil hat. Mit dem Heimatverein ist sich der Dorf- und Jugendverein einig, dass das alte Badgelände zur einer Art Dorfzentrum werden soll. Auch die Wittgendorfer Ortschaftsräte unterstützen diesen Plan.

Und auch die Feuerwehr hat nichts dagegen, dass das Wasserbecken verschwindet. Es bestehe keine Notwendigkeit, das Bad als Löschwasserentnahmestelle zu erhalten, heißt es vonseiten der Feuerwehr. In diesem Bereich sei die vorgeschriebene Versorgung mit Löschwasser durch vier Unterflurhydranten gewährleistet.

Allerdings ist geplant, einen unterirdischen Wasserbehälter an der Hauptstraße in Höhe des alten Freibades zu installieren. Da sich die Hydranten teilweise auf Privatgrund befinden und ihre Nutzung im Brandfall manchmal etwas schwierig in Bezug aufs Rankommen sei, soll mit dem Behälter die Benutzung für die Feuerwehr erleichtert werden. "Der Ortschaftsrat hat die Variante mit dem Behälter zur Kenntnis genommen und als positiv erachtet", teilt Zittaus Stadtsprecher Kai Grebasch mit.