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Großartige Hilfe für kranken Familienvater

Nach einem Artikel in der SZ erlebt Andreas Bachmann aus Oderwitz eine unglaubliche Spendenaktion - und erfährt eine Geschichte, die ihm sehr nahe geht.

Die halbe Familie Bachmann vor dem neuen Auto: Andreas mit seinem jüngsten Sohn Vin-Luca, seinem Bruder Silvio, dessen Frau Catie und Vater Dieter.
Die halbe Familie Bachmann vor dem neuen Auto: Andreas mit seinem jüngsten Sohn Vin-Luca, seinem Bruder Silvio, dessen Frau Catie und Vater Dieter. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Vin-Luca strahlt wie ein kleiner Schneekönig. Und sein Papa erst! Und die Mama, und Oma und Opa und überhaupt alle! Sie haben es tatsächlich geschafft: Auf dem Hof von Familie Bachmann in Niederoderwitz steht ein neues Auto. Nicht irgendeins. Dieser kaffeebraune VW Caddy Maxi hier hat eine ganz besondere Geschichte. Eigentlich sind es sogar zwei Geschichten: eine unglaublich schöne und eine traurige.

Auch die schöne Geschichte hat einen traurigen Hintergrund: Bei Andreas Bachmann heißt der ALS - drei Buchstaben für eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die nach und nach alle Muskeln lähmt - und unaufhaltsam fortschreitet.

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Vor vier Jahren hat es angefangen. Er ist 42, steht voll im Leben, und Vin-Luca, sein Jüngster, ist gerade erst vier. Andreas Bachmann kann seinen Sohn plötzlich nicht mehr hochheben. Jetzt, vier Jahre später, ist der 46-Jährige bereits ein Pflegefall mit der höchsten Pflegestufe 5. Er kann seine Arme und Beine nicht mehr bewegen, ist an den Rollstuhl gefesselt, braucht eine Atemmaske und helfende Hände rund um die Uhr.

Andreas Bachmann macht sich keine Illusionen. "Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich noch habe", sagt er. "Aber die, die mir noch bleibt, will ich nutzen." Und deswegen kämpft er um jeden Tag Leben und um jedes noch so kleine bisschen mehr Lebensqualität. Nicht nur für sich, sagt er, auch für seine Familie, seine Frau, die Kinder und die Eltern, die ihm jeden Tag helfen, nicht den Mut zu verlieren.

Im neuen VW Caddy kann Andreas Bachmann jetzt mit dem Rollstuhl mitfahren. Das freut auch Sohn Vin-Luca.
Im neuen VW Caddy kann Andreas Bachmann jetzt mit dem Rollstuhl mitfahren. Das freut auch Sohn Vin-Luca. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Im Falle des kaffeebraunen VW Caddy draußen auf dem Hof haben vor allem Andreas' Bruder Silvio und dessen Frau Catie geholfen. Die beiden leben in Hamburg. "Wir wollten nicht hilflos zusehen, sondern irgendetwas tun", erzählt Silvio Bachmann. "Seit Andreas im Rollstuhl sitzt, kommt er ja nicht mehr raus und kann nirgends mehr hin."

Und schnell haben Catie und Silvio die Idee: Ein Auto muss her, in dem Andreas samt Rollstuhl mitfahren kann. Aber so ein VW Caddy Maxi mit eingebauter Rollstuhlhalterung ist teuer, zu teuer für die Familie. Als Catie die Idee für die Spendenaktion hat, winkt Andreas ab. "Das wird doch nichts", sagt er.

Und wie das geworden ist! Mitte August organisiert Silvio eine Spendenaktion auf der Plattform Betterplace im Internet. Und er schreibt eine E-Mail an die Zittauer SZ-Lokalredaktion. Der Artikel, der wenig später auf sächsische.de und in der Zeitung erscheint, löst eine Welle der Hilfsbereitschaft aus, die Andreas Bachmann sprachlos gemacht hat. "Ich weiß gar nicht, wie ich allen danken kann", sagt er sehr gerührt.

Noch einmal mit der Familie ans Meer fahren

Nachbarn spenden Geld, alte Freunde, Bekannte und Unbekannte. Die Schulklasse von Maurice, Bachmanns 14-jährigem Sohn, sammelt Altpapier. Die Chefin des Reichenbacher Pflegedienstes, bei dem Bachmanns Frau Katrin arbeitet, wendet sich mit der Bitte um Hilfe sogar an den Ministerpräsidenten.

Und jetzt steht der Caddy auf dem Hof. Catie und Silvio haben das Auto gebracht. Die erste Runde sind sie alle schon gefahren. "Durchs ganze Dorf", strahlt Andreas Bachmann. "Und am Wochenende geht's ins Zittauer Gebirge und an den Olbersdorfer See". "Und in den Tierpark", fügt Vin-Luca hinzu.

Und so bald wie möglich, hoffentlich im nächsten Sommer, will sich Familie Bachmann den Traum vom Urlaub am Meer erfüllen. "Noch einmal mit allen an die Ostsee fahren, das ist mein ganz großer Wunsch", sagt Andreas Bachmann. Er wird kämpfen, dass er das schafft.

Die traurige Vorgeschichte des Rollstuhl-Fahrzeugs

Der Caddy hat eine Vorgeschichte, die Andreas Bachmann sehr nahe geht. Als er sie erzählt, hat er Tränen in den Augen. Er hat das Fahrzeug im Internet gefunden - einen Gebrauchtwagen, der, wie er wenig später erfahren wird, gar nicht gebraucht wurde. 

Als er im Autohaus Stummer im bayerischen Tann anruft, hat er Kurt Stummer am Telefon. Der erzählt ihm, dass er den Caddy für seinen besten Freund besorgt hat. Doch als das Auto fertig umgebaut war, lag der Freund schon im Sterben. Er hatte auch ALS, diese heimtückische Krankheit des zentralen Nervensystems, die nach und nach alle Muskeln lähmt - und unaufhaltsam fortschreitet.

Andreas Bachmann schluckt den Kloß im Hals hinunter. "Man weiß nie, wie schnell die Krankheit fortschreitet", sagt er leise. Aber im nächsten Moment schiebt er den Gedanken beiseite. Und sein unglaublicher Lebensmut ist wieder da: "Bei mir geht das langsam", sagt er und grinst.

Das Geld auf dem Spendenkonto reicht jetzt auch noch für den neuen Rollstuhl-Treppenlift, den Andreas Bachmann unbedingt braucht, weil er es nicht mehr schafft, vom Rollstuhl auf einen normalen Treppenlift umzusteigen. Nächste Woche kommen die Monteure. 

Aber es muss auch noch das Bad behindertengerecht umgebaut werden. Und Andreas Bachmann braucht einen besseren Rollstuhl. Die Spendenaktion für den Niederoderwitzer läuft noch.

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