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In der Stube unterm Tannenbaum geboren

Hans-Egard kam am 1. Januar in Zittau als Hausgeburt zur Welt und ist das echte erste Neujahrsbaby in Löbau-Zittau.

Diana Holdorf mit dem kleinen Hans-Egard. Er kam als Hausgeburt als erstes Neujahrsbaby am 1. Januar 2021 um 9.53 Uhr in Zittau zur Welt.
Diana Holdorf mit dem kleinen Hans-Egard. Er kam als Hausgeburt als erstes Neujahrsbaby am 1. Januar 2021 um 9.53 Uhr in Zittau zur Welt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wer kann schon von sich behaupten, unterm Weihnachtsbaum geboren worden zu sein. Der kleine Hans-Egard kann das. Gut, ein paar Zentimeter fehlten bis zum Baum, aber wirklich nur ein paar. Diana Holdorf und ihr Lebenspartner Sebastian Moll wollten, dass ihr drittes Kind als Hausgeburt in Zittau zur Welt kommt. Das stand für die 36-Jährige schon zu Beginn ihrer Schwangerschaft fest. Und das hatte für die Eltern nichts mit Corona zu tun. Sie wollten es so und haben es nicht bereut. "Zu Hause hat man mehr Ruhe", sagt sie.

Hans-Egard und seiner Mutti geht es gut. "Wir hatten in der Stube Tisch und Stühle bei Seite gestellt und Decken auf den Fußboden gelegt", erzählt die junge Mama. Sie hatten viel zu viel Platz gemacht. Aber es war ja auch für die Eltern das erste Mal. Nur der Tannenbaum blieb etwa eine Armlänge vom ausgewählten Geburtsplatz entfernt stehen oder besser hängen. Denn diesmal hängt der Baum bei der Familie von der Decke herab. "Dass man das so machen kann, habe ich mal in einer Fernseh-Reportage gesehen und fand das toll", sagt sie. Denn so können die Geschenke direkt unterm Baum liegen. Und es fällt dennoch erst beim genauen Hinsehen auf.

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Hans-Egard hat seinen Eltern gezeigt, dass jede Geburt anders ist. Denn hätte er sich nach seinen zwei Geschwistern gerichtet, wäre er noch gar nicht auf der Welt. Die fünfjährige Gerda und der dreijährige Edgar kamen nämlich mit zehn und acht Tagen Verspätung. Der jüngste Spross von Diana Holdorf und ihrem Lebenspartner Sebastian Moll wollte dagegen schon einen Tag vor dem errechneten Termin das Licht der Welt erblicken.

In der Neujahrsnacht kamen die Wehen

"Wir sind noch Silvester nachmittags spazieren gegangen", sagt Diana Holdorf. Danach wollte sie sich etwas ausruhen. Doch mit der Ruhe fingen die Wehen an. Im Bauch der Mutter war der Kleine ein ordentlicher Strampler. Anfangs dachte sie noch, dass sich der kleine Mann in ihr schon wieder beruhigen wird. Schließlich hatten sich seine Geschwister reichlich Zeit gelassen. Nichts ahnend, hatte die Familie noch das neue Jahr begrüßt. "Irgendwann bin ich nachts aufgestanden, weil ich nicht schlafen konnte. Um 6 Uhr habe ich dann Manu angerufen", erzählt sie.

Manu nennt Diana Holdorf ihre Hebamme. Manuela Otto, wie sie richtig heißt, betreibt die Hebammenpraxis Zittau. Kurz nach dem Anruf ist sie schon bei Diana Holdorf gewesen. Die fünfjährige Gerda und der dreijährige Edgar waren wach geworden. Sofort war ein befreundetes Pärchen da, um sich wie vereinbart, für die Zeit der Geburt um die Kinder zu kümmern.

Während sie in der Küche frühstücken und spielen, wird es in der Wohnstube im Obergeschoss langsam erst. "Um 9.53 Uhr war es dann soweit. Hans-Egard ist damit das erste Baby 2021 im Altkreis Löbau-Zittau. Er wiegt bei der Geburt 3.620 Gramm und ist 51 Zentimeter groß. Im Zittauer Krankenhaus kam dann einen Tag später der kleine Maxim zur Welt, das zweite Neujahrs-Baby.

Alle drei Kindernamen haben die gleichen Buchstaben

Jedes von Diana Holdorfs Kindern ist anders zur Welt gekommen. Gerda wurde per Kaiserschnitt geholt. Edgar kam ganz normal im Krankenhaus zur Welt und Hans-Egard nun bei einer Hausgeburt. Alle drei haben ihre Besonderheiten.

Gerda wurde am 18. September 2015 geboren - auf den Tag genau 100 Jahre nach ihrer Uroma. Und Edgar kommt zwei Jahre später ebenfalls am 18. September zur Welt. Die Namen ihrer drei Kinder haben sich die Eltern aus einem Anagram ausgedacht. Gerda, Edgar und Egard bestehen aus den gleichen Buchstaben.

Dass der Jüngste nun auch noch Hans heißt, hat er seinem Vater zu verdanken. Denn Sebastian Molls Opa, Uropa und dessen Opa hießen alle Hans. Diese Tradition wollte er gern fortsetzen.

Sie baut Oldtimer als Laufräder für Kinder nach

Fast punktgenau vor der Geburt hat Diana Holdorf zu Silvester ihr selbst gebautes Beistellbett fertigbekommen. "Man könnte fast sagen, ich hatte gerade die letzte Schraube gesetzt, dann kam das Baby", erzählt sie. Die 36-Jährige arbeitet gern in ihrer kleinen Holzwerkstatt am Haus. Dabei ist sie eigentlich Diplom-Ingenieurin für Umwelttechnik und hat am IHI in Zittau studiert.

Sie denkt sich Holzspielzeug aus und sägt und schleift es dann zurecht. Für Gerda und Edgar hat sie sogar Laufräder aus Holz gebaut. Während eines noch ein Phantasie-Motorrad ist, ist das andere eine nachgebaute DKW-Sport aus den 1930er Jahren. Dafür hat sie sich ein Profilbild des Oldtimers 1:1 vergrößert und als Bauvorlage ausgedruckt. Nur den Scheinwerfer musste sie sich drechseln lassen. Passend dazu haben die Kinder Jeansjacken bekommen, bei denen die Ärmel abgetrennt wurden. "Wenn sie damit mit ihren Laufrädern und Helmen über den Hof fahren, sehen sie aus wie kleine Rocker", erzählt die Mutter schmunzelnd.

Für Hans-Egard hat sie ebenfalls schon eine Laufrad-Idee. "Vielleicht baue ich ihm eine Simse", sagt sie. Das S50 aus DDR-Zeiten ist ja nun auch schon ein Oldtimer. Noch aber ist es nicht so weit. Der Kleine muss erst einmal Laufen lernen.

Hebamme begleitet letztes Jahr 27 Hausgeburten

"Ich hatte eine richtig schöne Schwangerschaft. Über die gesamte Zeit hinweg, hat mich die Hebamme betreut. Da baut man ein Vertrauensverhältnis auf", sagt Diana Holdorf. Manuela Otto ist die einzige Hebamme im Altkreis Löbau-Zittau, die eine Hausgeburt begleiten darf. Sonst sind Hausgeburten erst wieder in Niesky und Dresden möglich, schildert sie. "Hausgeburten sind aber gar nicht mehr so selten", sagt die Hebamme. 2019 hat Manuela Otto 20 Hausgeburten begleitet, 2020 sind es 27 gewesen. "Die Frauen entscheiden sich dabei meist schon gleich am Anfang nach dem positiven Schwangerschaftstest dafür", sagt sie.

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