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Ein Wettlauf, den man nicht gewinnen kann

Einige Waldwege in der Region Löbau/Zittau sehen schlimm aus. Der Forst weiß das und macht kaum etwas dagegen. Aus gutem Grund.

Angela Bültemeier, die Leiterin des städtischen Zittauer Forstbetriebes am Wasserleitungsweg im Gebirge. Dort werden gerade neue Entwässerungsgräben gezogen. Aber nur an wenigen Wegen wird etwas gemacht.
Angela Bültemeier, die Leiterin des städtischen Zittauer Forstbetriebes am Wasserleitungsweg im Gebirge. Dort werden gerade neue Entwässerungsgräben gezogen. Aber nur an wenigen Wegen wird etwas gemacht. © Matthias Weber/photoweber.de

Angela Bültemeier kann den Ärger der Leute über zerfahrene Waldwege und tiefe Reifenspuren in einigen Waldstücken gut verstehen. Aber die Leiterin des Forstbetriebes der Stadt Zittau kann nichts dagegen machen. "Jede Woche entdecken unsere Forstarbeiter neue Borkenkäfernester im Wald. Dann müssen wir oftmals wieder in die Gebiete reinfahren, wo wir eigentlich gerade fertig waren", schildert sie.

Da kommt man nicht mal dazu, sich Gedanken darüberzumachen, wann der ein oder andere Weg wieder in Ordnung gebracht werden kann, weil man schon in dem Moment erneut die Fahrzeuge losschicken muss.

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2018 ist im Zittauer Stadtwald, zu dem ein Großteil des Zittauer Gebirges gehört, mit 25.000 Kubikmetern noch eine normale Holzmenge für das Gebiet geschlagen worden. Aber schon in den beiden darauffolgenden Jahren mussten deutlich mehr Bäume gefällt werden, berichtet Angela Bültemeier. Vor allem wegen des Borkenkäferbefalls in den Fichtenbeständen stieg die geschlagene Holzmenge 2019 und 2020 noch einmal um jeweils 50 bis 60 Prozent. Und in diesem Jahr wird es sogar mindestens die doppelte Menge im Vergleich zu vor vier Jahren sein. "Wir müssen 50.000 Kubikmeter Holz aus dem Wald holen", sagt Angela Bültemeier. Und noch ist kein Ende in Sicht.

Auch Matthias Forgber kann in seinem Jonsdorfer Revierbereich ein Lied davon singen. An der Leipaer Straße hatten sie eigentlich schon vom Borkenkäfer befallene Fichten rausgeholt. Am Dienstag haben sie dort erneut frischen Befall der Baumschädlinge gesehen. "Wenn die Stämme der Fichten glitzern, weiß man, was los ist", sagt der Revierförster. Dann haben die Käfer gebohrt und Harz tritt aus. Matthias Forgber hat selber das neue Bohrmehl an Fichtenstämmen liegen sehen. Selbst an den für den Transport abgelegten Holzstämmen frisst der Borkenkäfer weiter. "Wir können nur hoffen, dass ein Teil der Fichten nicht so sehr geschwächt ist. Niederschläge hat es ja in diesem Jahr wieder mehr gegeben", sagt er.

Der Wald wird in ein paar Jahren anders aussehen

Mit insgesamt 4.300 Hektar zählt die Stadt Zittau zu den größten Waldbesitzern Sachsens. Dazu gehören neben den großen Waldgebieten im Zittauer Gebirge auch Teilflächen im Wittgendorfer Wald, Königsholz sowie in Großschönau, in Neuschönau und Niedere Folge. "Der Wald wird in ein paar Jahren anders aussehen", sagt die Forstexpertin. Es wird deutlich mehr Laubbäume geben. Das liegt nicht nur daran, dass mehr Laubbäume gepflanzt werden. Die etwa 100 Hektar Schadholzflächen im Jahr können schon aus Kostengründen nicht 1:1 wieder aufgeforstet werden.

"Mehr wie zehn Hektar Wiederaufforstung pro Jahr sind für uns schon finanziell gar nicht möglich", erklärt Bültemeier. Für dieses Jahr hat die Stadt Zittau für reichlich 16 Hektar Waldfläche Fördermittel für das Wiederaufforsten zugesagt bekommen. Aber nur etwa die Hälfte davon ist im Wirtschaftsplan vorgesehen. Und von diesen 8,6 Hektar musste bereits auf 2,5 weitere verzichtet werden, weil die Preise für das Aufforsten drastisch gestiegen sind.

Der Forstbetrieb ist deswegen auch von der natürlichen Waldverjüngung auf etwa einem Drittel der Kahlflächen abhängig. Auch, weil die Baumschulen bei Weitem nicht so viele Setzlinge, wie benötigt würden, liefern können. Weil das so ist, pflanzen städtische Forstmitarbeiter schon zusätzlich auf einer Fläche von etwa einem Hektar Wildlinge und junge Baumpflanzen aus dem Stadtwald selbst.

Wieder aufgeforstet wird im Gebiet des Zittauer Stadtwaldes in diesem Jahr neben dem Wittgendorfer Wald noch am Hochwald, am nördlichen Buchberg, dem Strümpfeweg bei Jonsdorf und im Bereich Armesünderweg. Es werden vorrangig Eiche, Bergahorn, Buche und Weißtanne gepflanzt, berichtet Angela Bültemeier.

Der teilweise schlimme Zustand einiger Wege im Wald hat aber unterschiedliche Gründe. Auf einen Hinweis der SZ hat sich Angela Bültemeier extra bei der Bürgerallee bei Oybin umgesehen. "Wie vermutet, haben dort keinerlei forstliche Arbeiten stattgefunden und der Weg ist besser als viele andere", schildert sie. Es gibt hier allerdings durch die Starkniederschläge vom 17. und 18. Juli dieses Jahres eine größere Ausspülungsrinne im Kreuzungsbereich Bürgerallee/Fürstensteig/Rosensteine. "Das ist aber nicht zu verhindern. Aufgrund der Topografie kann das Wasser dort nicht vorsorglich abgeleitet werden", erklärt sie.

Nach den starken Regenfällen am 17. und 18. Juli ist auch der Wasserleitungsweg unweit von Hartau an manchen Stellen stark ausgespült, weil es am Wegrand keine Wassergräben mehr gibt. Die werden gerade neu angelegt.
Nach den starken Regenfällen am 17. und 18. Juli ist auch der Wasserleitungsweg unweit von Hartau an manchen Stellen stark ausgespült, weil es am Wegrand keine Wassergräben mehr gibt. Die werden gerade neu angelegt. © Matthias Weber/photoweber.de
Die Ausspülungen aus den Wegen haben die Wassermassen teilweise tief in den Wald mitgenommen.
Die Ausspülungen aus den Wegen haben die Wassermassen teilweise tief in den Wald mitgenommen. © Matthias Weber/photoweber.de

Die starken Regenfälle vor einigen Tagen haben ebenfalls an den Wegen viel Schaden angerichtet. So etwa am Wasserleitungsweg unweit von Hartau. An dem Weg gab es ursprünglich mal beidseitig Gräben. Durch den ständigen Verkehr mit schwerer Fahrzeugtechnik wurde der Fahrbelag mit zur Seite gequetscht. So schießt das Regenwasser den Weg entlang und sorgt auch noch für Ausspülungen auf den Wegen. Am Wasserleitungsweg lässt der Zittauer Forstbetrieb deswegen gerade wieder wenigstens einen Graben entlang des Weges ausbaggern.

Das Problem mit den zerfahrenen und ausgespülten Waldwegen sowie tiefen Reifenspuren in einigen Waldstücken zieht sich quer durch alle Forstreviere im Landkreis. Das bestätigt auch Patrick Schiffmann, der für den Sachsenforst unter anderem für Waldflächen der Stadt Ebersbach-Neugersdorf, Seifhennersdorf, Leutersdorf, Herrnhut, Oderwitz sowie im Zittauer Gebirge, Hirschfelde, Großschönau, Hainewalde bis Mittelherwigsdorf zuständig ist.

"Es wäre eine Verschwendung von Steuergeldern, wenn wir jetzt Wege in Ordnung bringen, obwohl wir wissen, dass sie wahrscheinlich in eine paar Wochen wieder zerfahren werden", schildert Patrick Schiffmann. Im Augenblick haben die Fichten gerade den ersten Borkenkäferbefall in diesem Jahr hinter sich. Die zweite Käfergeneration ist gerade am Fliegen. Der Schaden, der dann an den Fichtenbeständen angerichtet wird, sollte erst noch behoben werden, bevor man sich den Waldwegen widmet, berichtet er.

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