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Ein Brief von der toten Oma

Kinder haben oft außergewöhnliche Wünsche. Sie zu erfüllen, ist schwer. Erst recht, wenn es dabei um einen geliebten Menschen geht, der gerade gestorben ist.

Weihnachtswichtel Birgit und Weihnachtsmann Günter haben einen außergewöhnlichen Wunsch eines Mädchens erfüllt.
Weihnachtswichtel Birgit und Weihnachtsmann Günter haben einen außergewöhnlichen Wunsch eines Mädchens erfüllt. © privat

Einen außergewöhnlichen Wunsch hat eine gebürtige Zittauerin in Oranienburg als Weihnachtswichtel erfüllt. Auf dem Wunschzettel eines Mädchens stand, dass sie sich nichts sehnlicher wünscht, als noch einmal einen Brief von ihrer geliebten Oma zu bekommen. Die war gerade erst vor Kurzem gestorben. Das Mädchen heißt Gina, ist elf oder höchstens zwölf Jahre alt und glaubt schon längst nicht mehr an den Weihnachtsmann. Dennoch hatte sie in ihrer Trauer einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschrieben.

Wunschzettel lesen sind die Lieblingslektüre des Weihnachtsmannes und seiner Gehilfen. Aber so etwas wie Gina, hat sich noch nie jemand gewünscht, erinnert sich Weihnachtswichtel Birgit. Ihren vollständigen Namen will sie lieber nicht verraten. Sonst wüssten von der gebürtigen Zittauerin in ihrer Wahlheimat in Oranienburg alle, wer dort das Weihnachtswichtel ist.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Die Geschichte ist an Weihnachten vor einem Jahr passiert, als Corona noch keiner kannte und alles normal war. Gerade jetzt, wo so viele Kinder ihre Omas und Opas wegen dem Virus verloren haben, kommen bei ihr die Szenen von damals noch intensiver hoch. Vielleicht kann der Brief an Gina auch anderen Kindern Trost spenden und helfen, über den Verlust ihrer Großeltern hinwegzukommen, hofft Wichtel Birgit.

Gina hat er an Heiligabend geholfen, wenn auch dabei Tränen flossen. "Mein Mann war Lehrer im Ort. Er konnte das Mädchen schnell einer Familie zuordnen", schildert Weihnachtswichtel Birgit. Also klopften sie an Heiligabend 2019 bei der Familie an und überbrachten die Geschenke. Gina saß vorm Tannenbaum auf dem Schoss vom Weihnachtsmann und las mit wässrigen Augen den vom Wichtel verfassten Brief ihrer Oma.

Der letzte Brief von Oma an Gina

Liebe Gina, ich bin fortgegangen und ich konnte mich gar nicht richtig von Dir verabschieden, meine Kleine. Weißt du, wir Menschen stammen aus dem Universum und jeder von uns muss irgendwann mal dorthin zurück. Nur ein kurzes Stück unseres Weges dürfen wir auf dieser wundervollen Erde verbringen. Leider können wir uns den Zeitpunkt unserer Weiterreise nicht selbst aussuchen. Wenn wir genug schöne Erinnerungen gesammelt haben, müssen wir weiter.

Deshalb, meine liebe Gina, kommt es im Leben so sehr darauf an, die Zeit für Gutes zu nutzen. Und du, meine kleine Gina bist mit das Beste, was mir passiert ist. Ich sah, wie du laufen und sprechen lerntest. Es war mir eine große Freude, mit dir zu spielen und dich zu verwöhnen, wenn wir zusammen waren, mein kleiner Schatz. Wie gern hätte ich erleben wollen, wie du groß wirst und vielleicht selber eines Tages Kinder hast.

Ich weiß, du vermisst mich sehr. Das geht mir ganz genauso. Weißt du, das schöne ist, wir sind eigentlich nicht weit voneinander entfernt, denn du bist ein Teil von mir, so wie ich ein Teil von dir bin. Wenn du mich suchst, ich bin in deinem Herzen. Halt dein Gesicht in den Wind und du wirst spüren können, wie ich dir die Wange streichle. Ich bin hier meine Kleine, hier und überall.

Wenn du dich abends in deine Bettdecke kuschelst, bin ich da und beschütze deine Träume. Wenn du in den Nachthimmel siehst, blinzle ich dir zu wie die Sterne. Schaust du in die Sonne, piekse ich dich in deine Nase. Ich bin der Regentropfen, der in der Pfütze Blasen macht und die Schneeflocke, die ganz sanft auf deiner Hand zerschmilzt. Wenn es ganz dunkel ist, werde ich das Licht sein, dass dir leuchtet.

Und nun meine kleine Prinzessin, ist es an dir. Lebe mutig dein Leben, erfülle dir deine Träume, verzeihe schnell und unterlasse nichts, was dir ein Lächeln schenkt. Glaube immer an dich und das, was du kannst. Und wenn du doch einmal gefallen bist, dann denke stets daran: Aufrappeln, Krönchen richten und weiterlaufen!

Ich wünsche dir alles Glück dieser Welt und werde dich immer lieben, mein kleiner Schatz. Deine Omi

Dieser Wunschtzettel bleibt ewig in Erinnerung

Sonst macht Birgit als Wichtel immer ein bisschen pantomimischen Quatsch. Um den Kindern die Angst zu nehmen. Deshalb hat sie auch diese Clownsnase. Sie spielt, dass er es nicht alleine schafft, den schweren Sack hereinzuziehen. Manchmal versucht das Wichtel auch die Geschenke, die der Weihnachtsmann aus dem Sack nimmt, für sich zu ergattern. Nur damals bei Gina war alles anders - so wie jetzt auch wegen Corona.

2021 hofft Wichtel Birgit, mit ihrem Mann wieder in die Oberlausitz fahren zu können. Hier sind ihre Wurzeln. So wie sie, sind auch ihre Mutter, Großmutter und ihr Urgroßvater in Zittau geboren. In der Stadt, in Hartau und Umgebung kennt man sie aber eher unter ihrem Mädchennamen Tratnik. Nach dem Studium in Zittau hatte es die heute 51-Jährige nach Oranienburg verschlagen. Dort ist sie im Ortsteil Schmachtenhagen mit ihrem Mann Günter in der Weihnachtszeit als Weihnachtsmann und -wichtel unterwegs. Immer am dritten Advent bringen ihnen die Kinder dort ihre Wunschzettel. Ginas wird den Beiden ewig in Erinnerung bleiben.

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