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Klinikum ist an der Grenze des Leistbaren

In den Krankenhäusern in Zittau und Ebersbach fehlen schon 70 Ärzte und Pflegekräfte. Und die Zahl der Corona-Patienten steigt täglich weiter.

Die Station 4 im Zittauer Krankenhaus ist zur reinen Corona-Isolierstation umfunktioniert.
Die Station 4 im Zittauer Krankenhaus ist zur reinen Corona-Isolierstation umfunktioniert. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dr. Frank Ettrich kann nicht mehr planen: "Unser Horizont geht im Moment immer nur bis zum Ende der Schicht, längstens bis zum nächsten Tag", so sagt es der Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus in Ebersbach am Dienstag in eine Fernsehkamera.

Die Lage auf seiner Intensivstation ist kritisch. Und nicht nur auf dieser Station: Im Klinikum Oberlausitzer Bergland in Zittau und Ebersbach fehlen an diesem Tag allein 70 Ärzte und Pflegekräfte, weil sie sich selbst mit dem Coronavirus infiziert haben, krank oder in Quarantäne versetzt sind. Das sind zwölf Prozent des gesamten medizinischen Personals - eine doppelt so hohe Ausfallquote als üblich.

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Und die Zahl der Corona-Patienten wächst und wächst: Am Mittwoch waren in Zittau und Ebersbach 70 Betten auf den Corona-Stationen belegt, auf den beiden Intensivstationen alle. Den hohen Betreuungsaufwand zu stemmen, das schaffen die Mitarbeiter den Klinikums nur noch, weil sie ganze Stationen geschlossen und umverteilt haben, um dafür die Kräfte an den Brennpunkten zu bündeln. Weil aufschiebbare, nicht lebensnotwendige Operationen verschoben werden. Vor allem auch weil jeder dort eingesetzt wird, wo er gerade am dringendsten gebraucht wird. Weil die Dienstpläne jeden Tag neu geschrieben werden.

Die Intensivmedizinerin Dr. Karolin Lust arbeitet auf der Intensivstation des Zittauer Krankenhauses.
Die Intensivmedizinerin Dr. Karolin Lust arbeitet auf der Intensivstation des Zittauer Krankenhauses. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das alles funktioniert nur, weil alle Mitarbeiter tun, was sie können, weil sie wissen, dass es in ihrer Verantwortung liegt, alle Patienten - auch die ohne Corona - jederzeit gut zu versorgen. Dafür schieben derzeit alle Dienste bis an die Belastungsgrenze, leisten Überstunden, fragen nicht nach Feierabend.

Inzwischen helfen außerdem fast 30 Bundeswehrsoldaten. "Sie sind uns eine wichtige Unterstützung", sagt Klinikum-Sprecherin Jana-Cordelia Petzold. Sie sind Sanitäter, Krankenpfleger oder Krankenpflegehelfer und so genannte "helfende Hände".

Aber Geschäftsführer Steffen Thiele sagt inzwischen ganz offen, dass er nicht weiß, wie lange das so noch gehen kann: "Wir hoffen, dass wir die Akutversorgung auch weiterhin gewährleisten und aufrechterhalten können", sagt er, "aber aktuell stoßen wir an die Grenze des Leistbaren. Es bleibt eine ganz große Herausforderung". Wenigstens sei von der Politik jetzt zugesichert, dass für die Kinder der Mitarbeiter wieder eine Notbetreuung organisiert wird, wenn ab Donnerstag wieder Kitas und Schulen schließen.

Große psychische Belastung

Die Arbeit auf den Isolierstationen, auf denen die Corona-Patienten behandelt werden, ist ungleich aufwendiger als normalerweise im Krankenhaus. Für jeden Gang zu den Patienten müssen Ärzte und Pflegekräfte jedes Mal eine vollständige Schutzkleidung anlegen. Das ist nicht nur ein hoher Zeitaufwand, sondern auch eine große Belastung, in der Vollschutzkleidung zu arbeiten.

Gerade auf der Intensivstation ist die Arbeit für die Ärzte und Pflegekräfte zusätzlich auch noch eine enorme psychische Belastung. "Uns belastet sehr, dass viele Patienten sterben, weil wir ihnen nicht so helfen können, wie wir uns das wünschen"", sagt Dr. Karolin Lust, Ärztin auf der Zittauer Intensivstation. Im Falle der Corona-Patienten seien die Mediziner öfter, als sie das bisher gewohnt sind, mit ihrer Kunst am Ende, sagt die Ärztin.

Sie würde sich sehr wünschen, dass die jetzt angeordneten Kontaktbeschränkungen auch eingehalten werden und Wirkung zeigen, fügt sie hinzu. Und diejenigen, die immer noch glauben, Corona wäre nicht mehr als eine Grippe, die würde sie am liebsten zu einer Schicht auf die Intensivstation einladen.

Die Geschäftsführung des Klinikums hat vorige Woche beschlossen, dem Pflegepersonal mit dem Dezembergehalt eine Corona-Prämie zu überweisen - eine Geste der Anerkennung für ihre schwere Arbeit in dieser Zeit.

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