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Wie es jetzt mit Schosteks Biogärtnerei weitergeht

Nach dem plötzlichen Tod von Michael Schostek muss seine Frau die Zukunft des Gartenbaubetriebs neu regeln. Kann sie die Arbeit allein noch schaffen?

Peggy Schostek pflanzt Spinat. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes muss sie ihre Biogärtnerei allein bewirtschaften.
Peggy Schostek pflanzt Spinat. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes muss sie ihre Biogärtnerei allein bewirtschaften. © Foto: Rafael Sampedro

Auf dem Feld wirkt Peggy Schostek fast wie verloren. Und ein bisschen, sagt die 46-Jährige, fühlt sie sich auch so. Seit letztem Mittwoch ist sie allein mit dem 10.000 Quadratmeter großen Gartenbaubetrieb, den sie und ihr Mann vor zehn Jahren aufgebaut haben: Letzten Mittwoch, am 6. Oktober, ist Michael Schostek im Herzzentrum der Dresdner Uni-Klinik nach einem zweiten Herzinfarkt gestorben. Peggy Schostek ist bei ihm gewesen.

Jetzt hat sie sich die dicke Wattejacke angezogen und eine Mütze aufgesetzt. Die Arbeit in der Gärtnerei kann nicht warten. Der Feldsalat, der Spinat und der Asiasalat müssen aufs Beet. Zeile für Zeile zieht Peggy Schostek an diesem kalten Montagmorgen mit dem Rechen in die frisch gegrubberte Erde. "Die Arbeit tut mir gut", sagt sie. "Die brauche ich jetzt." Sie habe dabei ja auch viel Zeit zum Nachdenken.

Gerade hat sie mit ihrer Steuerberaterin telefoniert. "Darüber zu sprechen, wie es mal weitergeht, wenn einer von uns beiden auf einmal nicht mehr da ist, das haben Michael und ich immer aufgeschoben", sagt sie leise. "Der Tod ist ja auch ein Thema, das man gerne verdrängt." Aber eines weiß sie ganz sicher, sagt sie: "Michael hätte gewollt, dass es weitergeht mit dem Betrieb. Der ist ja unser Lebenswerk."

Und deswegen wolle sie es auf jeden Fall versuchen, sagt die studierte Gartenbauingenieurin. Sie gönnt sich nach dem überraschenden Tod ihres Mannes keine Pause. Die Wintersalate müssen in die Erde. Rote Bete und Rosenkohl müssen geerntet, im Gewächshaus die letzten Tomaten gepflückt werden.

Der Zittauer Biogärtner und Stadtrat Michael Schostek ist am vergangenen Mittwoch nach kurzer Krankheit gestorben. Er wurde nur 61 Jahre alt.
Der Zittauer Biogärtner und Stadtrat Michael Schostek ist am vergangenen Mittwoch nach kurzer Krankheit gestorben. Er wurde nur 61 Jahre alt. ©  Archiv: Matthias Weber

Am Mittwoch und am Sonnabend soll der Stand der Biogärtnerei wieder wie gewohnt auf dem Zittauer Wochenmarkt stehen. "Ob ich das selber schaffe, weiß ich noch nicht", sagt Peggy Schostek. Sie hat eine stundenweise Angestellte, die den Marktstand am Mittwoch übernehmen wird. Die Mitarbeiterin hatte auch die Idee, am Mittwoch ein Kondolenzbuch mitzubringen. Michael Schostek war nicht nur ein bekannter und beliebter Markthändler, sondern auch ein engagierter Kommunalpolitiker. Seit der Wahl 2019 saß er für die Fraktion der Linken im Zittauer Stadtrat.

Bis zum Jahresende will Peggy Schostek auf jeden Fall erst einmal weitermachen. "Das ist zu schaffen", sagt sie. "Es macht mir ja auch Freude." Den Stand auf dem Zittauer Wochenmarkt mittwochs und sonnabends und den Hofverkauf in der Gärtnerei an der Schrammstraße immer freitags von 14 bis 17 Uhr will sie bis dahin auf jeden Fall auch weiter bedienen. Gemüsekisten zu packen und auszuliefern werde sie aber erst einmal nicht mehr schaffen, entschuldigt sich die Gärtnerin.

Auch deshalb nicht, weil sich der kleine Familienbetrieb bisher keine weiteren Angestellten leisten kann. "Wir schaffen es gerade so, dass wir als Familie davon leben können", sagt Peggy Schostek. "Wir sind ja nicht sehr anspruchsvoll." Hilfe bei der Arbeit auf den Beeten bekommt sie von der Familie oder von Praktikanten, die immer gerne gesehen sind.

Der biologische Anbau ist viel aufwendiger und viel teurer als konventioneller, sagt Peggy Schostek. Allein für die regelmäßige Überprüfung des Betriebs durch die Öko-Kontrollstelle bezahlt Peggy Schostek 500 Euro im Jahr. "Aber das hier war ja immer unser Traum", sagt sie. "Irgendwie wird und muss es weitergehen, das hätte er sich gewünscht."

Sie wirkt sehr gefasst, wenn sie über ihren Mann spricht. "Ich bin sehr dankbar, dass wir uns von ihm verabschieden konnten", sagt sie, "dass wir dabei sein und seine Hand halten konnten, als er gestorben ist." Er sei friedlich eingeschlafen in ihrem und dem Beisein ihres Sohnes, der jetzt 20 ist und in Dresden lebt. Die Tochter konnte ihren Vater aber leider nicht mehr sehen. Die 25-Jährige studiert in den USA, ein Flug nach Hause sei so schnell nicht möglich gewesen.

Michael Schostek hat wohl gewusst, dass sein Herz nicht mehr ganz gesund war. Nur geredet hat er mit seiner Frau darüber nie. Erst jetzt, nach seinem Tod, hat sie erfahren, dass es viel ernster um seine Gesundheit stand, als er ihr immer glauben machen wollte. Aber bei seinem letzten Auftritt als Ein-Mann-Theater-Kabarettist hat er davon gesprochen: Er müsse wohl mal zum Arzt gehen. Aber jetzt in der Saison habe er dafür keine Zeit.

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