merken
PLUS Zittau

Kinderporno-Opa will frei bleiben

Ein Zittauer Rentner macht entwürdigende Fotos seiner schlafenden Enkelin - und geht gegen das Urteil des Amtsgerichts in Berufung. Nun gibt's ein neues Urteil.

Das Landgericht Görlitz verhandelte wegen Kinderpornographie gegen einen Zittauer Rentner.
Das Landgericht Görlitz verhandelte wegen Kinderpornographie gegen einen Zittauer Rentner. © Timotheus Eimert (Archiv)

Der 67-Jährige auf der Anklagebank des Görlitzer Landgerichts steht jedes Mal auf, wenn ihn der Richter etwas fragt. Wiederholt bittet ihn der Vorsitzende, Platz zu behalten. Doch der Mann, der dem Gericht hier schon beinahe devoten Respekt zollt, hat auch andere Charakterseiten. Gegenüber seiner Enkelin hatte er sich als Opa des Grauens erwiesen. Das Amtsgericht Zittau hatte ihn im September 2020 wegen Verbreitung, Besitz und Erwerb von Kinderpornographie zu einer Haftstrafe verurteilt. Nun verhandelte das Landgericht die Berufung des Mannes. Dabei bescheinigte ihm selbst die Staatsanwaltschaft eine günstige Sozialprognose.

Der Mann hatte Nacktfotos seines schlafenden Enkelkindes gefertigt und sich daran sexuell ergötzt. Die Tat geschah im Sommer 2016. Damals war der Zittauer zu Besuch auf dem Weingut seiner Tochter und deren Familie in einer Kleinstadt in Rhein-Hessen. Dabei übernachtete er im Zimmer der damals sechsjährigen Enkelin. "Ich bin Frühaufsteher und habe morgens immer Brötchen geholt", erzählt er vor Gericht. An einem Morgen entdeckte er, dass das Nachthemd der schlafenden Enkelin hochgerutscht war und dabei den Blick auf ihr Geschlechtsteil freigab.

Anzeige
Herrnhuter Schatz geht in die digitale Welt
Herrnhuter Schatz geht in die digitale Welt

In der kleinen Stadt in der Oberlausitz gibt es ein Archiv, das weltweit seinesgleichen sucht und nun mithilfe der TU Dresden/TUD zugänglich wird.

Zufällig auf Kinderporno-Seite gestoßen?

Der Mann fotografierte das entblößte Mädchen. Dann ging er Brötchen holen und fertigte nach seiner Rückkehr erneut pornographische Fotos von dem immer noch schlafenden Kind an. Eines davon druckte er sich später aus und versah es mit einer handschriftlichen Notiz, mit der er seinen sexuellen Fantasien gegenüber dem Kind freien Lauf ließ - und dieses Foto rahmte er sich daheim sogar ein.

Alles kam heraus, als er im Frühjahr 2018 in einer Facebook-Gruppe - wahrheitswidrig - prahlte, regelmäßig einvernehmlichen Sex mit seiner Mutter und seiner Tochter zu haben. Ein Gruppenmitglied erstattete Anzeige und bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei nicht nur jenes eingerahmte Nacktfoto der Enkelin, sondern auf der Festplatte seines Rechners auch noch an die 20 pornographische Fotos unbekannter Mädchen im Alter zwischen drei und zehn Jahren.

"Als ich im Internet nach einem Hotel für einen Urlaub auf Gran Canaria gesucht habe, wurde ich zufällig auf die Seite mit diesen Fotos verlinkt", sagte der Rentner nun vor dem Landgericht - genau wie auch schon im September bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Der Amtsrichter glaubte ihm damals kein Wort dieser Erklärung und auch der Vorsitzende Richter am Landgericht kommentierte das: "Versehentlich auf eine solche Seite zu gelangen und sich solche Fotos dann auf seine Festplatte herunterzuladen sind aber zwei unterschiedliche Dinge."

Richter bezweifelt Gutachten

Die Berufung das Angeklagten wendete sich nun nicht gegen die schon damals getroffenen Tatsachen-Feststellungen des Gerichts. Er zeigte sich geständig und erklärte auch, das alles wissentlich gemacht zu haben. Allerdings wollte er erreichen, dass das Urteil des Amtsgerichts von einem Jahr und zwei Monaten Haft zur Bewährung ausgesetzt wird.

Sein Anwalt brachte zur Verteidigung vor, dass sich der Mann im Zuge der Ermittlungen auch von einem Psychiater habe untersuchen lassen. "Ich bin nicht pädophil veranlagt", sagte der Angeklagte - das habe ihm jener Psychiater auch bescheinigt. Er könne sich selbst nicht erklären, warum er je diese Fotos der Enkelin angefertigt habe. Dem vorgelegten ärztlichen Gutachten, maß der Richter wenig Aussagekraft bei. "Nach einer nur einstündigen Exploration eine solche Aussage zu treffen, ist unseriös", sagte der Vorsitzende.

"Eine arme Wurst"

Der Verteidiger sprach in seinem Plädoyer von einer "widerwärtigen Tat". Dennoch gehöre sein Mandant nicht ins Gefängnis. Er sei kein Verbrecher, vor dem die Gesellschaft geschützt werden müsse. Die Taten lägen bis zu fünf Jahre zurück, eine Wiederholung ausgeschlossen. Der Mann sei auch schon damit gestraft, dass er durch seine Tat jeglichen Kontakt zu Tochter und Enkelin verloren habe. "Er ist ne arme Wurst", sagte der Verteidiger und forderte eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung.

Auch die Staatsanwältin bescheinigte dem Mann eine günstige Sozialprognose - auch vor dem Hintergrund, dass der Mann bislang nie strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Auch sie plädierte auf eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung - wie es die Staatsanwaltschaft auch schon im ersten Verfahren vor dem Amtsgericht Zittau getan hatte.

Der Fall geht in die nächste Instanz

Doch das Landgericht urteilte abermals härter als von der Anklage gefordert. Nach über einstündiger Beratung - statt der angekündigten 30 Minuten - verwarf das Gericht die Berufung als unbegründet. "Voraussetzung für eine Strafaussetzung zur Bewährung ist eine günstige Sozialprognose", sagte der Richter und "nach sehr langer Diskussion sind wir zu dem Ergebnis gelangt, dass die günstige Sozialprognose nicht getroffen werden kann." Dies besonders deswegen, weil sich der Angeklagte selbst die Tat nicht erklären könne - genau das aber würde es erschweren, Strategien zu entwickeln, damit so etwas nicht wieder vorkommt. "Wir halten eine Wiederholungsgefahr für gegeben", so der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger kündigte noch im Gerichtssaal an, dagegen in Revision vor das Oberlandesgericht zu gehen.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Zittau