merken
PLUS Zittau

Seifhennersdorf: Wie ein neuer Verein Rehkitze retten will

Kostenlos bietet er Landwirten und Agrarbetrieben seine Hilfe vor der Wiesenmahd an. Denn die Jungtiere haben einen Duck-Reflex und rennen nicht weg.

Vereinsvorsitzender Andreas Schäfer (links) und sein Stellvertreter Fabian Krems gehören zu den Gründungsmitgliedern vom Verein "Rehkitzrettung Am Großen Stein", der Rehkitze und andere Tiere bei der Grasmahd mit Drohnen schützen will.
Vereinsvorsitzender Andreas Schäfer (links) und sein Stellvertreter Fabian Krems gehören zu den Gründungsmitgliedern vom Verein "Rehkitzrettung Am Großen Stein", der Rehkitze und andere Tiere bei der Grasmahd mit Drohnen schützen will. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Rehkitzrettung - der Vereinsname sagt schon, warum sich vor wenigen Tagen 13 Tierfreunde in Seifhennersdorf entschlossen haben, einen Verein zu gründen. Seit dem 15. Juli ist der nun auch im Vereinsregister unter "Rehkitzrettung Am Großen Stein" eingetragen. Auf 25 ist die Mitgliederzahl bereits angewachsen.

Wie viele Wildtiere jedes Jahr elend bei der Wiesenmahd auf großen Freilandflächen sterben müssen, lässt sich schwer beziffern, schildert Vereinsvorsitzender Andreas Schäfer. Allein in Deutschland wird ihre Zahl auf etwa 500.000 im Jahr geschätzt. Etwa 100.000 sind allein Rehkitze. Aber auch Feldhasen und bodenbrütende Vögel sind gefährdet.

Anzeige
Bundestagswahl: Populisten verhindern - Erststimme für Florian Oest!
Bundestagswahl: Populisten verhindern - Erststimme für Florian Oest!

Worum es bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 wirklich geht und was für den Landkreis Görlitz auf dem Spiel steht.

Bund gibt Fördermittel

"Wir machen dabei den Bauern keine Vorwürfe. Die geben sich bei der Wiesenmahd wirklich Mühe und passen schon auf, dass kein Rehkitz oder anderes Tier ins Dreschwerk gerät", berichtet Andreas Schäfer. Aber Rehkitze haben einen Duck-Reflex. "Sie rennen bei Gefahr nicht weg, sondern ducken sich einfach ins hohe Gras. Und so sind sie schwer auszumachen und leicht zu übersehen", fügt er hinzu.

Die Vereinsmitglieder um Andreas Schäfer und Fabian Krems wollen jetzt die Gunst der Stunde nutzen, um ihnen zu helfen. Die Bundesrepublik fördert für solche Zwecke gerade den Kauf von Drohnen. Denn die sind nicht billig. 8.000 Euro sind für so eine Drohne mit Wärmebildgerät notwendig. Und da kommen die Kosten für Versicherung und den Drohenführerschein noch hinzu, schildert der Vereinsvorsitzende. Mit 4.000 Euro an Fördermitteln kann der Verein rechnen.

"Wir haben für unser Vorhaben bereits nach einer kurzen Zeit große Zustimmung in der Bevölkerung und auch schon von vielen Agrarbetrieben bekommen", sagt er. So hat beispielsweise die Agrargenossenschaft Seifhennersdorf ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert.

Retter arbeiten ehrenamtlich

Ab nächstes Jahr im April hofft der Verein richtig an den Start gehen zu können. Dann halten sich die Mitglieder bereit, wenn sie wegen einer Wiesenmahd angefordert werden. "Wir lassen dann im Morgengrauen um 4 Uhr eine Drohne über die Wiesen fliegen, bevor sie etwa zwei bis drei Stunde später gemäht werden, erzählt Andreas Schäfer. Entdeckt ein Vereinsmitglied mit der Wärmebildkamera der Drohne im Gras ein Rehkitz, zieht er sich Handschuhe an und trägt es von der Wiese in einen schattigen Bereich. Der Verein "Rehkitzrettung Am Großen Stein" bietet seine Einsätze für die Tierrettung kostenlos für die Landwirte und Agrarunternehmen an.

"Wir arbeiten zu 100 Prozent ehrenamtlich und sind dabei auf finanzielle Hilfe angewiesen", berichtet der Vorsitzende. Da oft gleichzeitig in Seifhennersdorf und in anderen Orten Wiesen gemäht werden, hat sich der Verein langfristig das Ziel gesetzt, möglichst fünf Drohnen anzuschaffen. Wer mithelfen möchte, kann das als Fördermitglied oder durch Spenden tun.

Spendenkonto: Rehkitzrettung Am Großen Stein e.V.; DE89 8505 0100 0232 0889 50; Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien; Verwendungszweck: Rehkitzrettung

Mehr zum Thema Zittau