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Rettungsaktion für Vereinskamerad

Der Bertsdorfer Sportverein organisierte eine Typisierung, um einen sehr kranken Sportler zu helfen, der einen Stammzellenspender braucht. Viele kamen.

Auch der Vorsitzende des Bertsdorfer Sportvereins, Frank Bräuer, hat bei der Typisierungsaktion für Stammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender mitgemacht.
Auch der Vorsitzende des Bertsdorfer Sportvereins, Frank Bräuer, hat bei der Typisierungsaktion für Stammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender mitgemacht. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wird Frank Bräuer ein Lebensretter? Er weiß es nicht, wie so viele, die am Sonnabend zum Sportlerheim des Bertsdorfer Sportvereins (SV) kamen. Aber sie alle wollten helfen, Leben zu retten. Ein Mitglied des Sportvereins ist schwer erkrankt. Er braucht dringend einen Stammzellenspender. "Vielleicht können wir ihm helfen", sagt Frank Bräuer. Deshalb hatte der Bertsdorfer SV zu einer Typisierungsaktion aufgerufen. Und selbst, wenn wir ihm damit nicht helfen können, so vielleicht aber irgend einem anderen Menschen auf der Welt", erzählt der Vereinsvorsitzende.

So wie er, dachten viele. Als Frank Prinke gegen 16 Uhr zum Vereinshaus kam, war der größte Ansturm schon vorbei. "Ist doch klar, dass man da mitmacht. Ich würde als Betroffener ja selber auch hoffen, dass mir geholfen wird", sagt der 39-jährige Bertsdorf-Hörnitzer. Er ist beim Sportverein in der Langlaufabteilung aktiv.

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Etwa 18 Helfer hat der Verein mobilisiert, um die Typisierungs-Aktion nach den Corona-Regeln durchführen zu können. Andreas Neumann gehörte beispielsweise zu den Ordnern, die darauf achteten, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird und die Leute Masken tragen. Und falls wirklich mal einer keine mithatte, lagen sicherheitshalber auch am Einlass welche bereit. Spender kann jeder werden, wenn er im Alter zwischen 18 und 55 Jahre alt und gesund ist.

Ordner Andreas Neumann (rechts) reicht Frank Bräuer die Einverständniserklärung für das Registrieren als potenziellen Stammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender.
Ordner Andreas Neumann (rechts) reicht Frank Bräuer die Einverständniserklärung für das Registrieren als potenziellen Stammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Die Typisierungs-Aktion erfolgte unter den Auflagen der Corona-Maßnahmen.
Die Typisierungs-Aktion erfolgte unter den Auflagen der Corona-Maßnahmen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Vereinsvorsitzender Frank Bräuer füllt im Versammlungsraum die Einverständniserklärung für das Registrieren als potenzieller Stammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender aus.
Vereinsvorsitzender Frank Bräuer füllt im Versammlungsraum die Einverständniserklärung für das Registrieren als potenzieller Stammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender aus. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Bevor der Abstrich in der Wangenschleimhaut gemacht werden kann, muss der Mund ausgespült werden.
Bevor der Abstrich in der Wangenschleimhaut gemacht werden kann, muss der Mund ausgespült werden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
60 Sekunden mit dem Wattestäbchen an der Wangenschleimhaut kreisen, kann einem lange vorkommen. Hier wird noch nicht mal die Hälfte angezeigt.
60 Sekunden mit dem Wattestäbchen an der Wangenschleimhaut kreisen, kann einem lange vorkommen. Hier wird noch nicht mal die Hälfte angezeigt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Alles fertig und ab mit dem Wattestäbchen mit dem Abstrich aus der Wangenschleimhaut ins Röhrchen.
Alles fertig und ab mit dem Wattestäbchen mit dem Abstrich aus der Wangenschleimhaut ins Röhrchen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Vielleicht hilft dieses Wattestäbchen, mit dem Abstrich aus der Wangenschleimhaut, das Leben eines Menschen zu retten.
Vielleicht hilft dieses Wattestäbchen, mit dem Abstrich aus der Wangenschleimhaut, das Leben eines Menschen zu retten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Bei Andreas Neumann gab es vor dem Sportlerheim auch Kugelschreiber und die Zettel der Knochenmarkspender-Zentrale vom Universitätsklinikum Düsseldorf, unter deren Anleitung der Verein die Aktion durchführte.

Maximal fünf Personen durften den Versammlungsraum betreten. Für jeden Testwilligen stand hier ein extra Tisch zum Ausfüllen und Lesen der Einverständniserklärung für das Registrieren als potenziellen Stammzell- beziehungsweise Knochenmarkspender bereit. War alles ausgefüllt, konnten die möglichen Lebensretter zur eigentlichen Aktion übergehen. Alle vier Umkleidekabinen und das Schiedsrichterzimmer hatte der Bertsdorfer SV dafür hergerichtet.

Aus den eigenen Reihen und über Bekannte hat der Verein mit Krankenschwestern, Alten- und Krankenpflegern sogar Fachpersonal aufgetrieben, die ehrenamtlich in jeder Kabine die Typisierung begleiteten und den Leuten den Ablauf erklärten. Denn ganz so einfach, wie es sich manche vorstellten, ist es nicht. Nach dem Mundausspülen muss man eine Minute lang ein Wattestäbchen in der Wange kreisen lassen und es dabei fest andrücken. Die Zeit wurde exakt gestoppt. Und so mancher Tester merkte, wie lang eine Minute sein kann.

Mit dem Abstrich aus der Wangenschleimhaut können dann im Labor im Universitätsklinikum Düsseldorf die Gewebemerkmale bestimmt werden. "Mindestens 30 Sekunden hätten gereicht. Aber wir wollten lieber auf Nummer sicher gehen", sagt eine Krankenschwester, die mithalf. In Briefen an die Knochenmarkspende-Zentrale wurden alle Stäbchen einzeln wie vorgeschrieben verpackt.

Etwa 45 Testpersonen hat allein Altenpflegerin Jaqueline Hempel angeleitet. Ihr Freund ist Mitglied im Verein. Da war es für die 21-Jährige klar, dass sie mithalf. Schon zu Beginn, um 10 Uhr, sind die ersten Leute dagewesen. Es gab keine Anmeldungen. Gleich nachdem der Bertsdorfer SV auf Facebook zur Typisierung aufgerufen hatte, war das Interesse daran groß. "Wenn mal Hilfe benötigt wird, reichen wir oft gemeinsam die rettende Hand. Erst recht, wenn's jemanden aus unserer Mitte betrifft. Es tut nicht mal weh, kann unserem Sportfreund allerdings das Leben retten", schrieb der Verein.

"Das ist eine Frage der Kameradschaft"

Viele andere Vereine hatten den Beitrag geteilt und so ebenfalls auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. "Da nicht abzusehen war, wie viele Leute kommen, hatten wir danach die Werbung etwas flacher gehalten", gesteht Frank Bräuer. Schließlich mussten die Corona-Auflagen eingehalten werden.

Dennoch freut er sich, dass nicht nur Mitglieder aus Sportvereinen zum Typisieren kamen. "Ich habe neben Mitgliedern aus Vereinen von unserer Gemeinde, wie dem Hörnitzer Faschingsklub, vom VfB Zittau und Olbersdorf auch viele andere Bürger gesehen", erzählt er. Vom Bertsdorfer SV kam auch Karsten Schmidt mit seiner Frau. "Das ist doch selbstverständlich und eine Frage der Kameradschaft", sagt der 43-Jährige.

"Es lief alles reibungslos ab. Die Leute hatten Verständnis dafür, wenn sie mal etwas warten mussten", berichtet Frank Bräuer. Ziel des Vereines war es, 200 potenzielle Stammzellenspender zu finden. Bis 17 Uhr ließen sich 211 typisieren.

"Weil einige Leute gern ebenfalls gekommen wären, aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht konnten, werden wir die Aktion sicherlich in ein paar Wochen noch mal wiederholen", sagt Frank Bräuer. Egal, ob sich für ihren Vereinskameraden schon ein Stammzellenspender fand oder nicht.

Für die Aktion gab es schon jetzt viel Lob und Anerkennung. Sogar aus dem Norden des Landkreises hat sich ein Sportverein aus Gebelzig gemeldet, der so eine Typisierung jetzt auch durchführen möchte.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 8.000 Menschen an Leukämie oder anderen bösartigen Blutkrankheiten, berichtet die Knochenmarkspender-Zentrale. Einige der Erkrankten können durch Medikamente oder Chemotherapie geheilt werden. Aber häufig kann nur eine Übertragung gesunder Blutstammzellen helfen. Diese Blutstammzelltransplantation ist dann für viele Kinder und Erwachsene die letzte Hoffnung auf Heilung.

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