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Lakenwechsel mit digitaler Hightech

Ein Serviceteam sorgt stets für perfekt gemachte Betten - dabei steigert eine Handy-App die Effizienz im Gesundheitsbetrieb.

Von Markus van Appeldorn
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Luzie Nývltová erledigt das Bettenmachen im Krankenhaus Zittau mit Routine.
Luzie Nývltová erledigt das Bettenmachen im Krankenhaus Zittau mit Routine. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein bisschen ist jedes Krankenhaus auch ein Hotel. Nun gut, kaum ein Patient dürfte dort freiwillig und zum touristischen Vergnügen eine Nacht verbringen - und mancher checkt gar per Blaulicht oder Rettungshubschrauber ein. International wird das Hotelwesen inzwischen als "Hospitality" bezeichnet. Der hierzulande eher veraltete Begriff "Hospital" für ein Krankenhaus geht auf das lateinische Wort "hospitalis" für "gastfreundlich" zurück. Aber ob nun Hotel oder Krankenhaus: Zur Gastfreundlichkeit und zum reibungslosen Funktionieren des Betriebes gehören saubere, frisch bezogene und gepflegte Betten. Hauptdarsteller dieser Folge der SZ-Serie "Unser Krankenhaus" sind Luzie Nývltová und Kai Kürschner. Die beiden sorgen im Krankenhaus Zittau stets für die perfekten Laken.

Luzie Nývltová hat's drauf. Wenn Sie sich ein Zimmer im Zittauer Krankenhaus vornimmt, dauern die wesentlichen Handgriffe am Bett nur wenige Minuten. Spannbettlaken drauf, frischer Decken- und Kissenbezug, zweimal schütteln, glatt streichen. Was manchen Mann schon bei einem Bett in die Verzweiflung treiben dürfte, erledigt sie mit lässiger Routine. Die braucht sie auch. "Wir hatten im Team schon bis zu 50 Betten am Tag, die neu zu beziehen waren", sagt sie. Und allein mit frischen Laken ist es ja auch nicht getan. "Ich fange bei jedem Bett erst damit an, die Matratze von beiden Seiten zu reinigen und zu desinfizieren und dann das gesamte Bettgestell", erklärt sie. Und nach dem Bett sind auch noch das Nachtschränkchen und der Kleiderschrank dran. 20 Minuten braucht das am Ende für das ganze Zimmer.

"Ich helfe Menschen, die krank sind"

„Unsere Leute sind top-professionell. Die Arbeit ist schwer, geht aber bei der Erfahrung gut und zuverlässig von der Hand“, sagt Jana-Cordelia Petzold, Pressesprecherin des Gesundheitszentrums, das hier die beiden Häuser in Zittau und Ebersbach umfasst. Und Sandra Meinel, Bereichsleiterin Gebäudeservice, ergänzt: "Das können unsere Leute in- und auswendig – sie sind Profis", sagt sie mit einem Lachen. "Man muss es schon ein paar mal gemacht haben, damit man weiß wie es funktioniert", sagt sie weiter. 450 Betten hält das Klinikum an beiden Standorten vor. Für das sogenannte Housekeeping - also etwa das Überziehen der Betten - sorgt seit September 2019 das beim Gesundheitszentrum des Kreises angesiedelte selbständige Unternehmen "Krankenhausservicegesellschaft Löbau-Zittau mbH". "Dafür arbeiten sechs Mitarbeiter im Zittauer Haus und fünf in Ebersbach", sagt Petzold und: „Das Unternehmen wurde gerade wieder erfolgreich einem Audit unterzogen, das ist eine Prüfung durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle, die dann bei Erfolg ein Zertifikat ausstellt. Die Norm DIN ISO 9001 ist ein internationaler Standard für das Qualitätsmanagement“, sagt Dr. Petzold, und ergänzt mit Stolz: „Wir werden seit vielen Jahren immer wieder erfolgreich zertifiziert – das ist eine Auszeichnung, die wir an unsere Patientinnen und Patienten weitergeben dürfen.“

Für die 42-jährige Tschechin Luzie Nývltová ist ihre Tätigkeit nicht bloß Broterwerb, sondern auch persönliche Erfüllung. Einst lernte sie Erzieherin, arbeitete dann als Friseurin und auch in der Automobilindustrie. Seit einem Jahr nun arbeitet die Frau aus Hradek in Zittau als "Reinigungskraft Bettenaufbereitung" - so die korrekte Berufsbezeichnung. Auch ihr Sohn arbeitet seit geraumer Zeit als Küchenhilfe in der Krankenhausküche. "Ich helfe Menschen, die krank sind. Das macht mir Spaß und ist eine sinnvolle Tätigkeit. Ich empfinde das völlig anders als meinen damaligen Job in der Automobilindustrie", sagt sie.

Auch das Reinigen von Glastüren oder Fluren gehört zu den Aufgaben von Kai Kürschner.
Auch das Reinigen von Glastüren oder Fluren gehört zu den Aufgaben von Kai Kürschner. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Zusätzlicher Aufwand wegen Corona

Genauso denkt auch ihr Kollege Kai Kürschner. "Es macht Spaß und ist abwechslungsreich", sagt der 26-jährige Zittauer. Er hat bei der Zittauer Bildungsgesellschaft Hauswirtschaftshelfer gelernt und kam nach einem Hilfsjob bei einer Fleischerei vor zwei Jahren zur Krankenhausservicegesellschaft. Genau in dieser Zeit kamen auch für das Bettenpersonal zusätzliche Belastungen dazu - wegen Corona. Wenn ein Corona-Patient in einem Bett gelegen hat, ist dieses als "Covid-Bett" gekennzeichnet. "Dann tragen wir bei der Reinigung eine Schürze oder einen Schutzkittel", sagt Kürschner - zusätzliche Ausrüstung, die einen leicht ins Schwitzen bringt und mehr Zeit und Aufwand erfordert. Bei der Arbeit sind außerdem spezielle Visiere im Einsatz – ein wichtiges Erfordernis und ein Schutz angesichts der Corona-Situation.

Auf der anderen Seite ist es moderne digitale Technik, die dem Bettenteam die Arbeit erleichtert und den Betrieb effizienter gestaltet. Luzie Nývltová und Kai Kürschner tragen wie alle ihre Kollegen stets ein Smartphone mit sich, auf dem eine spezielle App geladen ist: "Orga Card". Jedes Bett trägt eine elektronische Registriernummer samt Kennzeichnung des Standorts. Wird ein Bett frei und muss frisch bezogen und gereinigt werden, meldet das Pflegepersonal über die App Zimmer- und Bettennummer, so wird das Bettenpersonal gleich in Echtzeit über die Bedarfe informiert. Nach der Reinigung geben die Bettenmacher den erfolgreichen Abschluss der Reinigung ein, damit wird das Bett wieder als belegungsfrei gemeldet. Eine Technologie, die durch ihre Effizienz letztlich auch den Patienten zugutekommt, weil keine Zeit verloren geht.