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Simson-Dieb verfolgt, bis dem die Puste ausgeht

Ein Tscheche stiehlt das Moped in Großschönau von einem Autohausgelände - doch er hatte nicht mit dem sportlichen Besitzer gerechnet.

Benjamin Hauer hat den Dieb seiner Simson in Großschönau verfolgt und gefasst.
Benjamin Hauer hat den Dieb seiner Simson in Großschönau verfolgt und gefasst. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wer Benjamin Hauer davonlaufen will, sollte einen langen Atem haben. Diese erschöpfende Erfahrung musste am Dienstag, 3. August, in Großschönau ein 32-jähriger Tscheche machen, der versucht hatte Benjamins Simson S51 zu stehlen. Denn auch, nachdem der Dieb seine Beute längst aufgegeben hatte, verfolgte ihn der Besitzer quer durch zig Gärten. Schließlich ging dem Dieb die Puste aus - gefährlich wurde es für Benjamin Hauer am Ende trotzdem noch.

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Benjamin Hauer (24) ist kein absoluter Simson-Fan. Dennoch, ans Herz gewachsen ist ihm das DDR-Kultmoped natürlich schon. "Meine ist Baujahr '88. Ich habe sie vor sieben Jahren bekommen und zusammen mit meinem Opa Helmut ungefähr ein Jahr lang restauriert", erzählt er. Wann immer das Wetter es zulässt, fährt er mit der Simson die paar Kilometer von seinem Wohnort Waltersdorf zu seinem Arbeitsplatz in Großschönau. Dort arbeitet er als Mechatroniker in der Werkstatt des Mazda-Autohauses Fritsche an der Hauptstraße. Er hat dort gelernt, sein Opa arbeitete schon dort und sein Vater tut es noch.

Diebstahl durch Zufall bemerkt

Auch am Dienstagmorgen war er seit Wochen erstmals wieder mit seiner Simson zur Arbeit gefahren. Wie immer stellte der das Moped hinter der Werkstatt ab, zog den Zündschlüssel ab, sicherte es aber nicht weiter. "Ich dachte halt, was soll schon passieren, wir sind ja immer hier in der Werkstatt", erzählt Benjamin. Man könne das Moped an diesem Abstellplatz von außerhalb des Werkstattgeländes auch kaum sehen. Aber einer hatte an diesem Tag den Standplatz halt eben doch ausgespechtet.

Benjamin Hauer hätte den Diebstahl von sich aus auch gar nicht bemerkt - aber eine Nachbarin tat es. "Gegen 13.50 Uhr kam eine Frau hier auf den Hof gefahren und fragte, ob einem von uns eine rote Simson gehöre", erzählt er. Die nämlich, so schilderte die Frau, schiebe gerade ein Mann hinten vom Grundstück. Benjamin spurtete sofort los, ein Kollege rief gleichzeitig die Polizei an. Kurz hinter dem Autohausgelände verläuft die Bahnstrecke. "Als ich vom Gelände runter bin, habe ich den gesehen. Der war mit dem Moped schon übers Gleis drüber", erzählt er. Der Dieb habe sich dann mal umgedreht, sofort das Moped ins Gras fallen lassen und sei über das Feld hinter dem Gleis weggelaufen. Benjamin Hauer nahm die Verfolgung auf. Gut 100 Meter Vorsprung hatte der Dieb.

Kollege bei Verfolgung verletzt

"Ich habe den irgendwann nicht mehr gesehen", erzählt Benjamin. Er lief dann durch eine nahe Bahnunterführung zu einem Supermarkt an der Hauptstraße, um dort nachzuschauen. Dort las ihn erst mal ein Kollege auf, der sich mit dem Auto auf die Suche nach dem Dieb gemacht hatte. "Wir sind dann die Hauptstraße hoch und runter. Und dann haben wir ihn auf dem Gelände des Kindergartens stehen sehen", erzählt. Auch der Kindergarten ist an der Hauptstraße, etwa 300 Meter von dem Autohaus entfernt.

"Wir haben dann angehalten und sind da über den Zaun geklettert", erzählt Benjamin. Der Dieb sei wieder davon gerannt. Ein älterer Herr habe noch versucht, sich dem Dieb in den Weg zu stellen, der aber habe ihn zur Seite gestoßen. Und als der Dieb durch ein Gartentor auf der Rückseite des Kindergartens auf ein Nachbargrundstück flüchtete, knallte er seinem Kollegen das Gartentor vor die Brust. "Mein Kollege erlitt dabei eine kleine Platzwunde", erzählt Benjamin.

Plötzlich fuchtelte der Dieb mit einem Messer

"Mal habe ich ihn gesehen, mal nicht, aber ich habe ihn immer wieder an seinem roten Pullover erkannt", erzählt er. Von einem Garten zum nächsten sei die Verfolgung gegangen. "In einem saßen Leute beim Kaffee und haben ganz verwundert geschaut", erinnert er sich. Immer wieder habe der Dieb kurz angehalten - augenscheinlich war er erschöpft. In einem Garten standen sich die beiden dann gegenüber. Und der Dieb hatte plötzlich ein Messer in der Hand, fuchtelte damit in Benjamins Richtung herum. "Aber besonders gefährlich schien mir das alte rostige Ding nicht und wir hatten auch mehrere Meter Abstand", erzählt er und: "Ich habe dem gesagt: Die Polizei ist schon unterwegs." Er habe sich in dem Moment aber auch keine besonderen Gedanken über die Gefahr gemacht.

Da setzte der Dieb zum letzten Akt seiner Flucht in den nächsten Garten an. "Der war dann so fertig, dass er sich an eine Hecke gesetzt und das Messer neben sich gelegt hat", erzählt Benjamin Hauer. Schließlich habe der das Messer zu ihm rübergeschoben. "Ich habe es dann mit dem Fuß weggestoßen. Ich habe den Typ auch nicht angefasst", sagt er - aber der Dieb habe ohnehin keine weiteren Anstalten einer Flucht unternommen. Wenige Momente später sei die Polizei eingetroffen und habe den Rest erledigt. "Ich vermute, das war für den Typ Beschaffungskriminalität. Die Polizei hat bei ihm ja auch zwei Tütchen mit Marihuana gefunden", schildert Benjamin. Er ist froh, dass er seine Simson abgesehen von ein paar Kratzern wieder hat. "Demnächst werde ich sie besser sichern", sagt er.

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