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Dank vieler Helfer - Skibetrieb an der Lausche kann starten

Der Skiverein in Waltersdorf hatte die Mitglieder gebeten, mit ihren Skiern die Piste zu präparieren - und die machen sich daraus ein ursprüngliches Vergnügen.

Von Markus van Appeldorn
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An der Lausche wurde die Piste präpariert.
Auch Marek und Steffi Donath aus Waltersdorf waren dabei.
An der Lausche wurde die Piste präpariert. Auch Marek und Steffi Donath aus Waltersdorf waren dabei. © Matthias Weber/photoweber.de

Endlich Winter! Endlich Schnee! Solche Freuden empfinden jedenfalls Skifahrer. Und der Wintereinbruch hat auch den Lauschehang in Waltersdorf unter eine weiße Decke gehüllt. So will auch der Alpine Skiverein ASVL Waltersdorf endlich in die Saison starten - der den Lift am Lauschehang betreibt. Doch sah sich der Verein mit einem Problem konfrontiert: Wegen des milden Wetters ist der Boden unter der Schneedecke nicht gefroren. Deshalb verbietet sich der Einsatz der Pistenraupe zur Präparierung der Piste - das schwere Gerät würde die Grasnarbe ruinieren. Also rief der Verein alle Mitglieder und Freunde zu einer Aktion auf, die der Lauschehang lange nicht gesehen hat - und diese Aktion geriet am Mittwochabend zu einem vollen Erfolg.

Machen wir es wie die Generationen vor uns, dachte sich der Verein. Früher nämlich, als es noch keine Pistenraupen gab, haben sich die Skifahrer ihre Pisten selbst präpariert - indem sie mit ihren Skiern in Tippelschritten quer zur Piste bergan und bergab den Schnee plätteten. Pisten-Trampeln nennt sich das. Mühsam aber fast so gut wie eine Pistenraupe.

Alles andere als optimale Bedingungen

Frank "Hirschi" Hirschmann ist der Lift-Chef am Lauschehang. "Es ist ein Versuch", sagt er. Denn die Bedingungen sind alles andere als optimal. Höchstens 15 bis 20 Zentimeter Schneeauflage hat der Hang - hier und da schaut auch noch hochgewachsenes Gras aus der Schneedecke. Mit seinem Gefälle ist der Lauschehang skifahrerisch nicht sonderlich anspruchsvoll. Grundsätzlich könnten sich die Skifahrer hier die Piste auch einfach durch Einfahren ebnen - und manche Skispur zieht sich auch bereits den Hang hinunter. Aber "Hirschi" winkt ab. Nein, das sei keine Option. "Dann müsste man das als Ski-Route kennzeichnen. Wenn man hier öffentlichen Liftbetrieb anbietet, hat man für die Piste auch gewisse Verkehrssicherungspflichten", sagt er. Und ungeebnet könnten sich unter der Schneedecke etwa Maulwurfshügel als unsichtbare Sturzgefahren erweisen.

Rund 600 Meter ist der Hang lang. Nur die von unten aus gesehen linke Seite soll an diesem Abend geebnet werden. "Wenn 100 Leute kämen, wäre es ideal. Dann wären wir sogar schnell fertig", sagt "Hirschi" - aber da ist viel Hoffen dabei. Sein Vereinskollege Mario Plattig erinnert sich noch gut an früher. "Früher sind die Schulklassen hier herausgekommen und haben den Hang getreten", erzählt er. In den 80er-Jahren habe dann erstmals ein umgebauter Robur technische Dienste als Pistenraupe geleistet. "Der steht heute noch in Oybin und ist da auch noch im Einsatz", sagt Plattig.

Der Lauschehang als Herzensangelegenheit

Um 17 Uhr soll die "Mission Hangtreten" starten - doch nach 100 Helfern sieht es zu dieser Zeit noch nicht aus. Frank Hirschmann startet den Schlepplift und schaltet die Flutlichtanlage ein. Die ersten zwei Vereinsmitglieder schickt er hoch - ausgerüstet mit Schaufel und Funkgerät. So kann man Kontakt zur Bergstation halten, falls oben jemand stürzt und Hilfe braucht. In den Minuten nach 17 Uhr füllt sich der Parkplatz gegenüber dem Lift schnell. Immer mehr Skifahrer strömen heran. Auffällig viele ältere Männer mit grauen Bärten - Urgesteine des Vereins. Darunter ist etwa "Didi" aus Zittau. "Ich bin seit 1970 Mitglied im Verein", sagt der 73-Jährige, der mit den Jahren auf Pisten in ganz Europa unterwegs war - aber der Lauschehang ist eben Heimat. "Na dann machen wir es heute eben nochmal so wie früher", sagt er mit einem Blick den Hang hinauf. "Es ist uns eine Herzensangelegenheit."

Neben ihm steht ein ebenfalls älterer Vereinskollege. Er trägt Top-Rennski an den Füßen - mehr als man für ein bisschen Rutschen auf dem Lauschehang bräuchte. "Ja, wir fahren jedes Jahr nach Garmisch-Partenkirchen", sagt er. Dort hat er schon die berühmte Kandahar-Abfahrt unter seine Bretter genommen - eine der anspruchsvollsten Abfahrten im Weltcup-Kalender der Profis. "Aber die ersten Abfahrten der Saison nehmen wir immer hier am Lauschehang", sagt der Mann - und an diesem Abend startet die Saison eben erst mal mit Pisten treten.

Die Vereinsmitglieder fahren hinauf und treten den Hang von oben nach unten platt.
Die Vereinsmitglieder fahren hinauf und treten den Hang von oben nach unten platt. © Matthias Weber/photoweber.de
"Didi" ist ein Urgestein des Skiclubs an der Lausche.
"Didi" ist ein Urgestein des Skiclubs an der Lausche. © Markus van Appeldorn

Liftbetrieb am Sonnabend und Sonntag gesichert

"Didi" ist auch im Vereinsvorstand und weiß um die Schwierigkeit, überhaupt den Lift- und Skibetrieb hier aufrechterhalten zu können. "Bei manchen Vereinen laufen die Anlagen unter der Kommune oder Gesellschaftern. Als Verein ist das ja kaum möglich. Das ist ein kleines mittelständisches Unternehmen, das hier steht", sagt er. Besonders schmerzt ihn das nachlassende Interesse von Kindern und Jugendlichen am Skisport. "Dabei ist es die wirklich schönste Nebensache der Welt", sagt er. Zumindest an diesem Abend beim Hangtreten hat er nicht recht. Auch viele junge Skifahrer schließen sich an - viele von ihnen mit Snowboards an den Füßen, die bei der Jugend mehr angesagt sind als Skier. Egal, gut ist, was die Piste platt macht.

Schon um 17.20 Uhr ist klar: Vor zu wenigen Teilnehmern muss dem Verein nicht mehr bange sein. "Es sind schon gut 60 Leute hochgefahren", sagt Frank Hirschmann. Und immer noch kommen weitere sogar zu Fuß in Skischuhen und geschulterten Skiern die Straße aus Waltersdorf hochgelaufen. Mission geglückt. "Wir können am Sonnabend von 10 bis 21 Uhr Liftbetrieb anbieten und am Sonntag bis 16.30 Uhr", sagt Frank Hirschmann. Was den Montag und Dienstag betreffe, sei man noch von der Wetterentwicklung abhängig.