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Corona schränkt das Abfischen ein

Das Schauspektakel in Großhennersdorf ist diesmal nicht öffentlich. Frische Karpfen gibt es am Sonnabend trotzdem.

Hagen Dutschke (rechts) und Wolfgang Kahlert zeigen stolz, wie groß die Karpfen in diesem Jahr am Leubner Teich in Großhennersdorf geworden sind.
Hagen Dutschke (rechts) und Wolfgang Kahlert zeigen stolz, wie groß die Karpfen in diesem Jahr am Leubner Teich in Großhennersdorf geworden sind. © Matthias Weber

Gut gewachsen sind die Karpfen von Hagen Dutschke in diesem Jahr. Der Großhennersdorfer betreibt eine Teichwirtschaft in seinem Dorf. In zwei Teichen setzt er Karpfen und Schleie aus. Es sind die letzten beiden von einst 14 Teichen in Großhennersdorf. So viele sind auf einer alten Karte von 1765 verzeichnet. Damals gehörte das Teichgebiet von Großhennersdorf zu den größten in der südlichen Oberlausitz. Durch Trockenlegungen und Verlandungen sind nur der Große Teich und der Leubner Teich übrig geblieben - und auch nur ein Teil davon.

Denn auch diese beiden Teiche verlanden durch Trockenheit und  stärker werdenden Schilfwuchs immer mehr. Breitete sich der Große Teich im Jahr 1765 noch über eine Fläche von 25,6 Hektar aus, waren es 1835 nur noch 23,6 und 1902 gar 21,7 Hektar. Heute wäre Hagen Dutschke froh, wenn der Große Teich nur annähernd diese Ausmaße hätte. Exakt 3,68 Hektar misst er gerade noch.

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Damit ist der einst mit Abstand größte Teich von Großhennersdorf nicht viel größer als der Leubner Teich. Dessen Fläche wurde 1765 mit 4,64 Hektar angegeben. Heute beträgt sie 3,2 Hektar.

Frisch-Fisch-Verkauf am Leubner Teich

Hagen Dutschke bewirtschaftet seit 2000 den Leubner Teich und seit 2005 den nicht weit davon liegenden Großen Teich. Er betreibt sie im Nebenerwerb. Leben könne man von der Binnenfischerei bei so kleinen Teichen nicht, schildert er. Ihm liegt vor allem die Erhaltung der Teiche als Biotope am Herzen. Mehrmals in der Woche fährt er zu den Teichen und genießt die Natur - allein oder mit Familie.

Das Abfischen war bisher immer ein Höhepunkt bei der Teichbewirtschaftung. Viele Besucher schauten dabei zu. Durch die Corona-Maßnahmen kann das Schaufischen am Sonnabend nun nicht wie in gewohnter Weise öffentlich stattfinden. Trotzdem hofft Hagen Dutschke, dass am 10. Oktober, von 10 bis 15 Uhr, viele Besucher zum Frisch-Fisch-Verkauf an den Leubner Teich kommen.

Dann gibt es fangfrische Spiegelkarpfen, Schleie und ein paar Hechte. Hagen Dutschke hat auch selbst geräucherte Karpfenstücke und entgrätete Karpfenfilets im Angebot und als Jäger auch Wildschwein-Knacker in den Räucherofen gehangen.

Natürlich wird am Sonnabend nur ein Bruchteil der Abfischmenge verkauft. Die meisten Fische liefert Hagen Dutschke nach Kreba. Dort kauft er auch zweijährige Fischbestände, die er dann in seine Teiche setzt und ein weiteres Jahr großzieht. Auf den Einsatz von Chemie oder Medikamenten verzichtet er dabei.

Artenvielfalt nimmt an beiden Teichen zu

"Die Karpfen sind schön groß geworden", sagt er. Weil sie in den Teichen reichlich Zooplankton und Insektenlarven als Nahrung hatten, musste er kaum natürliches Getreidefutter zugeben.

Die zunehmende Artenvielfalt der Tiere an den Teichen zeigt Hagen Dutschke, dass die beiden Teich-Biotope intakt sind. Er ist sich sicher, ohne die Teichbewirtschaftung wären sie das nicht. Der Fisch spielt im Ökosystem der Gewässer eine wichtige Rolle. Durch das Gründeln der Tiere wird Sauerstoff in den Teichboden eingetragen und das vermindert die Bildung von großen Faulschlammschichten, was zur frühzeitigen Verlandung führen würde.

Hagen Dutschke freut sich, wenn er am See einen Eisvogel, Seeadler, Fischotter oder Graureiher sieht, obwohl er weiß, dass sie ihm etwa die Hälfte der Fische im Teich holen. Er erhält das Biotop auch für sie, genau wie für die Schwäne, Blässhühner, Zwergtaucher und anderen Entenarten, Rohrweihen, Bussarde sowie den Roten- und Schwarzen Milan. All diese Arten und noch mehr fühlen sich hier heimisch.

Der Leubner Teich ist übrigens zu erreichen, wenn man nach dem Ortsausgang von Großhennersdorf Richtung Hirschfelde fährt. 

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