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Woher kommt der Schaum auf der Mandau?

Umweltämter nehmen regelmäßig Wasserproben und sagen, warum sich die Fische zurückziehen. Tschechiens Klärwerk an der Grenze weist jede Schuld von sich.

Von Holger Gutte
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Frank Wehle sorgt sich in Hainewalde um den Fisch-bestand und andere Tiere in der Mandau.
Frank Wehle sorgt sich in Hainewalde um den Fisch-bestand und andere Tiere in der Mandau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Im August berichtet die SZ, dass die Mandau bei Hainewalde so gut wie tot ist. Symbolisch hob damals Frank Wehle aus der Mandau einen Stein nach dem anderen aus dem Wasser. "Hier gibt es keine Fische mehr", schilderte er damals überspitzt den Zustand des Flusses. "Hier müssten eigentlich die verschiedensten Kleinlebewesen dran sein", erklärte er. Aber weder am Stein, noch dort wo er gelegen hatte, sind im Sommer Wasserinsekten, Larven, Käfer, Schnecken oder anderes Wassergetier zu finden gewesen.

Regelmäßig floss dafür auf der Mandau seit etwa zwei Jahren - manchmal mehrmals in der Woche - Schaum. Frank Wehle vermutet dahinter den Grund, warum es im Fluss nun deutlich weniger Tiere gibt, als noch vor ein paar Jahren.

Aber was hat sich seit August 2021 getan? Das wüsste der Hainewalder auch gern. Inzwischen findet man in der Mandau wieder mehr Wassertiere - auch Fische. Aber immer noch deutlich weniger, als früher. Frank Wehle hat erst vor ein paar Tagen eine größere Anzahl von Gänsesägern auf der Mandau in Hainewalde gesehen. Die Enten ernähren sich hauptsächlich von kleineren Fischen. Aber sie können auch nur wieder verstärkt auf der Mandau sein, weil Teiche zufrieren, schildert er.

Für Frank Wehle steht fest, dass der Schaum auf der Mandau nicht natürlichen Ursprungs ist. "Hier fließen manchmal fußballgroße Schaumberge lang", erzählt der Hainewalder.

SZ fragte jetzt beim Umweltamt des Landkreises erneut nach. Schließlich hatte die Untere Wasserbehörde schon 2020 zwischen Hainewalde und Großschönau drei Wasserproben aus der Mandau entnommen. Damals teilte sie Frank Wehle mit, dass die Schaumbildung auf der Mandau kein hinnehmbarer Zustand sei. Die Analyse der Gewässerproben zeigte zu jener Zeit eine geringe Belastung der Mandau mit Tensiden. Woher der Schaum kommt, konnte nicht ermittelt werden.

Aber welchen Ermittlungsstand hat das Umweltamt heute? Die Schaumbildung könnte durch ein Nährstoffüberangebot, dem Abbau pflanzlicher Inhaltsstoffe, Eiweiße, gelösten Kohlenstoff und anderes hervorgerufen werden - wie etwa durch Huminstoffe. Das sind hochmolekulare Stoffe eines Humusbodens. 2020 und 2021 sei der Schaum kein Mandau-spezifisches Phänomen gewesen, sondern trat beispielsweise ebenso in Lausitzer Neiße, Lausur und Löbauer Wasser auf, schildert das Umweltamt.

Das sagt das tschechische Klärwerk

Das Umweltamt des Kreises ist auch Frank Wehles Vermutung nachgegangen, das Klärwerk im tschechischen Varnsdorf könnte mit dem Schaum etwas zu tun haben.

Der tschechische Staatsbetrieb Povodi Ohre beschrieb in einer Stellungnahme an die Untere Wasserbehörde vom Oktober 2021 die Mandau als belastetes Gewässer, was auf die Einleitung industriellen sowie kommunalen Abwassers sowie Einflüsse aus der Landwirtschaft zurückzuführen sei. In den vergangenen fünf Jahren stellte der Staatsbetrieb anhand seiner Proben keine signifikante Verschlechterung der Gewässerqualität fest.

Die tschechischen Behörden führen auf ihrem Gebiet ebenfalls Untersuchungen durch und wollen die Ergebnisse im Rahmen einer deutsch-tschechischen Zusammenarbeit innerhalb einer Grenzgewässerkommission austauschen, heißt es.

"Somit ist die Kläranlage in Varnsdorf nicht Verursacher der zeitweise auftretenden Schaumkronen, welche 2020 bereits weit oberhalb der Kläranlage zu beobachten waren", teilt das Landratsamt mit. Zugleich wird darauf verwiesen, dass neben kommunalen Kläranlagen auch Siedlungsbereiche und die Landwirtschaft die Gewässerqualität erheblich mit beeinflussen können.

Die Folgen des Niedrigwassers wirken bis heute nach

Aufgrund der bisherigen Recherchen schätzt die Untere Wasserbehörde ein, dass die Schaumkronen keine maßgebliche Relevanz auf die Gewässerqualität haben und keine Rückschlüsse auf die Gewässerqualität zulassen. Selbst in glasklaren und von Abwässern vollkommen unbeeinflussten Gewässern - wie in den Alpen - werden Schaumbildungen beobachtet.

"Die Schaumbildungen in der Mandau führen wir auf die spezielle Zusammensetzung des Wassers aufgrund der besonders trockenen Witterung der Jahre 2018, 2019 und 2020 zurück, berichtet die Pressesprecherin des Landkreises, Julia Bjar. Im gesamten Einzugsgebiet gab es eine andauernde Niedrigwasserführung, die bis heute nachwirken kann.

Durch eine niedrige Wasserführung in den Flüssen werden viele Randbedingungen maßgeblich beeinflusst, so die Behörde. Dazu gehört eine höhere Nährstoff- und Spurenstoffkonzentration im Gewässer aufgrund regulärer Abwassereinleitungen bei geringerem Durchfluss. Außerdem erhöht sich die Wassertemperatur und damit verringert sich der Sauerstoffgehalt im Wasser.

Aufgrund dieser veränderten Bedingungen ergeben sich Reaktionen im Wasserchemismus und damit der Gewässerbiologie. Schaumkronen können die Folge sein, die zuvor nicht beobachtet werden konnten. Anspruchsvolle Insekten wie Steinfliegen und Köcherfliegen, aber auch Fische ziehen sich zurück, bis sich wieder günstigere Bedingungen eingestellt haben, so Julia Bjar.

Deshalb geht mittlerweile das Umweltamt nach Rücksprache mit dem Landesamt für Umwelt Landwirtschaft und Geologie von einer natürlichen Ursache für die Schaumbildung aus. Denn auch das Landesamt hat mehrere Untersuchungen durchgeführt und diese weiter verfolgt. Bereits im Mai 2020 war zu diesem Ergebnis auch ein Gutachter eines akkreditierten Umweltlabors, der gemeinsam mit dem Umweltamt eine Gewässerbefahrung von Rumburg bis Zittau vornahm, gekommen.

Ergebnisse liegen im März vor

Dem Landesamt liegen Rohdaten von Messungen in der Mandau bei Hainewalde von August 2021 vor. Wie in vielen sächsischen Gewässern gab es erhöhte Werte von Phosphor- und Stickstoffverbindungen. Die chemischen Untersuchungen dazu würden aber keinen sofortigen Rückschluss auf die Schaumbildungen erlauben. Die Ergebnisse von 2021 liegen Ende März 2022 abschließend vor.

Seit 2021 gibt es drei Messstellen an der Mandau. Diese befinden sich in den Grenzbereichen Rumburk/Seifhennersdorf, Seifhennersdorf/Varnsdorf und Varnsdorf/Großschönau. Für 2022 ist an den Messstellen ein erweitertes Untersuchungsspektrum vorgesehen.