merken
PLUS Zittau

Was jetzt alles im Zittauer Gebirge passiert

Strecken für Mountainbiker, Abbau aller Papierkörbe, thematische Führungen: Corona hat auch die Projekte im Naturpark ausgebremst. Aber sie kommen.

Outdoorsport ist in - und lässt sich Im Naturpark Zittauer Gebirge auch mit den Interessen des Naturschutzes vereinbaren.
Outdoorsport ist in - und lässt sich Im Naturpark Zittauer Gebirge auch mit den Interessen des Naturschutzes vereinbaren. © Matthias Weber

"Schöner Wohnen" wird jetzt erst einmal schwierig. Corona hat das Hausbau-Projekt gestoppt. Und Peter Pachl muss sich etwas einfallen lassen: Da verteilt der Geschäftsführer des Naturparks Zittauer Gebirge die Bausätze für die kleinen Einfamilienhäuser jetzt eben selber. Und er hat es auch fast schon geschafft.

Im Flur vor Pachls Büro im Waltersdorfer Naturparkhaus stehen nur noch wenige Papiertüten mit den passend zurechtgesägten Einzelteilen samt Bauanleitung für 100 Nistkästen für Gartenvögel. Die Holzhäuschen sollten Kinder und Eltern eigentlich auf einem großen Aktionstag an der Naturschutzstation des Landschaftspflegeverbandes zusammenbauen. Aber der Aktionstag des Vereins ist coronabedingt abgesagt. Die Gartenvögel können jetzt nur auf Eigeninitiative hoffen. "Ich bin sicher, den Kindern wird es Spaß machen", sagt Pachl.

Anzeige
Kerngesund dank regionalem Futter
Kerngesund dank regionalem Futter

Egal ob Kleintierhalter oder Hobby-Farmer: Mit der richtigen Nahrung bereiten Ihnen Ihre Nutztiere die größte Freude.

Kinder sind eine wichtige Zielgruppe des Naturpark-Vereins. Ihnen von klein auf die Schönheit dieses Landstrichs nahezubringen, vor allem auch den naturfreundlichen und nachhaltigen Umgang mit dieser Kulturlandschaft, dieser Natur und ihren Schätzen, das hat sich der Naturpark-Chef auf die Fahnen geschrieben. Seit einem Jahr aber finden die Naturprojekte mit Kindergruppen und Schulklassen nicht statt. Dafür geht das vom Leutersdorfer Künstler Thomas Stern wunderschön illustrierte Naturpark-Heft für Vorschulkinder weg wie warme Semmeln. Und es gibt noch mehr Neuigkeiten.

Singletrail-Strecken für Mountainbiker

Schon im vergangenen Sommer haben die Planungen für ein Großprojekt für Mountainbiker begonnen. Im Wald zwischen Jonsdorf und Waltersorf - auf und um Sonneberg und Buchberg - soll ein Extra-Steckennetz speziell nur für Mountainbiker gebaut werden. Mehrere sogenannte Singletrails sollen alleine den Mountainbikern rund 15 Kilometer Auf und Ab und 550 Höhenmeter in verschiedenen Schwierigkeitsstufen bieten. Auch diese Zielgruppe - die der Outdoorsportler - wird immer größer, weiß Peter Pachl.

Der Vorteil der Extra-Strecken, die abseits der ausgeschilderten Wanderwege angelegt werden sollen, ist aber auch noch ein anderer: Dann kommen sich Mountainbiker, Wanderer und der Naturschutz nicht mehr so wie bisher ins Gehege, erklärt Pachl. In einem Naturpark ist das wichtig.

Aber das Projekt ist auch teuer. Rund 200.000 Euro wird es kosten, die bisher nur grob skizzierten Pläne umzusetzen. Pachl hofft auf Fördermittel aus den Infrastrukturfördertöpfen. Ziel sei es, in diesem Jahr den Fördermittelantrag zu stellen, damit es vielleicht sogar noch in diesem, spätestens aber im nächsten Jahr losgehen kann. In das Projekt ist auch der Forstbetrieb der Stadt Zittau eingebunden, die der Waldbesitzer m Zittauer Gebirge ist.

Auf dieser Karte ist schon mal skizziert, wo die Auf- und Ab-Strecken für den Mountainbike-Singletrail langführen könnten - ohne sich mit dem Naturschutz oder bestehenden Wanderwegen ins Gehege zu kommen.
Auf dieser Karte ist schon mal skizziert, wo die Auf- und Ab-Strecken für den Mountainbike-Singletrail langführen könnten - ohne sich mit dem Naturschutz oder bestehenden Wanderwegen ins Gehege zu kommen. © Grafik: Andreas Kittel

Papierkorbfreies Gebirge und Benimm-Regeln

Ginge es nach Peter Pachl, gäbe es in den Wäldern des Naturparks keinen einzigen Müllbehälter mehr - höchstens noch an den Waldparkplätzen. Das Projekt "Papierkorbfreies Gebirge" war eines der ersten, dass der Geschäftsführer des Naturparks angestoßen hat - mit dem er aber auch die größten Diskussionen auslöst.

"Eigentlich verstehe ich das nicht", sagt Pachl. In den ganzen Alpen steht kein einziger Papierkorb, jeder Mensch nimmt seinen Müll wieder mit nach unten. Das sei vollkommen selbstverständlich. Aber hier funktioniert das nicht so richtig. Dort, wo die Papierkörbe schon abgebaut sind, liege der Müll jetzt auf dem Boden. Aber auch dort, wo Abfallbehälter stehen, liegt Müll daneben. Er habe es sogar erlebt, dass Leute ganze Müllsäcke neben den Papierkorb an einem Wanderparkplatz gestellt haben - nach dem Motto: Wer hier leeren kommt, wird das schon mitnehmen. Dabei ist das Leeren der Papierkörbe für Mitarbeiter der Bauhöfe ein riesengroßer Zeitaufwand.

Pachl will aber hartnäckig bleiben. Er hat jetzt vier große Tafeln anfertigen lassen, die an den großen Wanderparkplätzen aufgestellt werden sollen - darauf eine topografische Karte mit den Wanderwegen - und kleine Piktogramme mit Benimm-Regeln für Waldbesucher.

Themenführungen in allen Orten

Schon ab diesem Sommer wird es besondere Führungen durch den Naturpark geben - nicht nur durchs Zittauer Gebirge, sondern auch in den Mitgliedsgemeinden Mittelherwigsdorf und Seifhennersdorf. 14 Ehrenamtliche drücken dafür gerade die Schulbank. Gemeinsam mit der Volkshochschule hat Pachl ein Konzept für eine Ausbildung zum Naturparkführer gestrickt. Auch dieses Projekt hat Corona lange ausgebremst.

Anfang Juni werden die angehenden Naturparkführer an der Volkshochschule ihre Prüfungen ablegen. Sobald es dann erlaubt ist, sollen die Themenführungen angeboten werden - nicht nur für Touristen, auch für Einheimische verspricht Pachl überraschende Erlebnisse. Bisher haben sich die Naturparkführer auf eine geologische, eine botanische, eine kulturhistorische, eine kulinarische und eine grenzenlose Führung spezialisiert. "Und da wird es sicher noch ein paar mehr Ideen geben", kündigt Pachl an.

Sonderausgabe der Sächsischen Heimatblätter

Im Juni widmen sich die Sächsischen Heimatblätter, die größte populärwissenschaftliche Heimatzeitschrift Sachsens, in einer Sonderausgabe dem Naturpark Zittauer Gebirge. Namhafte Autoren haben insgesamt 16 Beiträge beigesteuert, die interessierten Lesern viel Wissenswertes um die Zittauer Region und die Bedeutung dieser Landschaft vermitteln. "Wir wollen damit nicht nur die Bekanntheit des Naturparks nach außen, sondern vor allem auch die regionale Verbundenheit der Einwohner mit ihrer Heimat stärken", so Pachl. Ende Juni sollen die Heimatblätter in einer Auflage von 2.000 Stück erscheinen und über die Touristinformationen kostenlos abgegeben werden.

Naturpark-Wandertag als einzige Veranstaltung

Wer dem Naturpark etwas Gutes tun will, der sollte sich den 29. Mai vormerken. An diesem Tag, einem Sonnabend, lädt der Naturpark zum großen Wandertag ein. Jeder kann an diesem Tag wandern, wo und wann er will, erklärt Pachl. Nur eines sollte er mitbringen: einen Müllbeutel. "Wir würden uns wünschen, dass der Tag genutzt wird, um den Naturpark von Müll und anderen Hinterlassenschaften zu befreien", sagt der Geschäftsführer. Der gesammelte Müll sollte dann an einen der Wanderparkplätze gebracht werden und wird von dort abgeholt. Alle anderen Veranstaltungen und Feste fallen in diesem Sommer wegen Corona aus.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Zittau