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Was wird aus dem Wintersport im Gebirge?

In Jonsdorf startet am Sonnabend die Eissaison - möglicherweise zum letzten Mal. Auch die Chancen für den Skibetrieb an der Lausche stehen schlecht. Und nun?

In der Jonsdorfer Eisarena wird dem Winter nachgeholfen. Daniel Schwarzbach lässt gerade wieder die Eisdecke wachsen. Am Sonnabend startet die Eissaison.
In der Jonsdorfer Eisarena wird dem Winter nachgeholfen. Daniel Schwarzbach lässt gerade wieder die Eisdecke wachsen. Am Sonnabend startet die Eissaison. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Daniel Schwarzbach friert bei sechs Grad minus. In dicken Stiefeln, mit Mütze und Handschuhen steht er in der Jonsdorfer Eisarena und lässt das Wasser rieseln. Bis zum Sonnabend wird aus dem dichten Sprühnebel unter seinen Füßen eine drei Zentimeter dicke Eisschicht wachsen.

In der Jonsdorfer Eishalle wird dem Winter nachgeholfen. Am Sonnabend startet hier wieder die Eissaison - ein nicht mehr wegzudenkendes Wintersportvergnügen im Zittauer Gebirge. Aber auch ein teures. Und eines, das  - um im Bilde zu bleiben - im Moment gerade auf sehr brüchigem Eis steht.

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Der Arena droht die Insolvenz. Die Gemeinde Jonsdorf kann und will das Objekt nicht mehr wie bisher allein finanzieren. Findet sich für die Zukunft keine andere Lösung, dann könnte die diesjährige Eissaison die letzte sein. Geschäftsführer Maik Tempel steht an der Bande und blickt nachdenklich. Er will sich das nicht vorstellen. "Das Zittauer Gebirge ohne Eisarena?", stellt er die Frage in den Raum. "Das will doch niemand."

Klimaprognosen stellen Skibetrieb infrage

Ein paar Kilometer weiter, am Lauschehang in Waltersdorf, steht Tilo Knöbel, der Vorsitzende des Alpinen Skivereins. Auch er blickt nachdenklich. Der Skilift, den der Verein auf eigene Kosten betreibt, ist im letzten Winter keinen einzigen Tag gelaufen. Und ob er in dieser Saison laufen wird, ist auch noch fraglich.

Weil es im ganzen letzten Winter nicht geschneit hat, ist der Verein in eine finanzielle Schieflage geraten. "Ohne Liftbetrieb hatten wir keinen einzigen Euro an Einnahmen", erklärt Knöbel. "Aber fixe Kosten in vierstelliger Höhe hatten wir trotzdem - für die  Strom-Abschläge, für den Tüv, für Versicherungen." Wenn der Lift in diesem Jahr wieder laufen soll, müssen die Vereinsmitglieder das alles erst einmal mit privatem Geld finanzieren.

Warten auf Schnee: So sah es im vergangenen Winter am Lauschehang in Waltersdorf aus. Frank Hirschmann, beim Alpinen Skiverein am Lauschelift zuständig für den Liftbetrieb, war zur Untätigkeit verdammt. Der Lift ist keinen einzigen Tag gelaufen.
Warten auf Schnee: So sah es im vergangenen Winter am Lauschehang in Waltersdorf aus. Frank Hirschmann, beim Alpinen Skiverein am Lauschelift zuständig für den Liftbetrieb, war zur Untätigkeit verdammt. Der Lift ist keinen einzigen Tag gelaufen. © Matthias Weber/photoweber.de

Für den Skiverein aber ist der Liftbetrieb längst nicht mehr nur eine Frage der laufenden Kosten. Es ist auch die Frage, ob sich so ein Skibetrieb im Zittauer Gebirge finanziell überhaupt noch lohnt. Eine neue Studie aus dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gibt Skigebieten unter 800 Metern Höhe - wie eben auch dem im Zittauer Gebirge - kaum noch eine Chance.

Laut der Studie wird die Schneesicherheit in Zukunft deutlich abnehmen, werden Winter mit ausreichend Schnee für wintersportliche Aktivitäten deutlich seltener. Dieser Trend lässt sich aus den Klimastatistiken schon jetzt ablesen: Die Winter in den vergangenen drei Jahrzehnten sind im Durchschnitt rund ein Grad wärmer gewesen als die Winter in den 30 Jahren davor. Die Anzahl von Frosttagen mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hat in diesem Zeitvergleich um mehr als sieben Prozent abgenommen. 

Und die Klimaexperten vom Landesamt gehen davon aus, dass sich die Erwärmung  bis zum Ende des Jahrhunderts weiter fortsetzt. "Künftig wird es auch im Zittauer Gebirge im Winter eher regnen als schneien", sagt Florian Kerl, einer der Autoren der Studie, der auch die Daten für das Zittauer Gebirge erhoben hat. Selbst eine Beschneiung mit Kunstschnee wird sich bei diesem Erwärmungstrend nicht mehr lohnen, ist der Klima-Experte überzeugt.

Winter-Tourismus braucht Alternativen

Aber was dann? "Wenn wir hier im Zittauer Gebirge auch im Winter weiter auf Tourismus setzen wollen, dann brauchen wir Alternativen", sagt Andreas Förster. Der Bürgermeister von Olbersdorf streitet schon seit Jahren vehement für eine konzeptionelle Neuausrichtung des Tourismus mit mehr Ideen und neuen Denkansätzen als bisher - gerade auch im Winter. 

Dabei, sagt Förster, stehe es außer Frage, dass Einrichtungen wie eine Eissporthalle existentiell sind und an Bedeutung gewinnen. "Und zwar nicht nur für Jonsdorf", betont er. Sein Vorschlag zur Rettung der Eishalle: Alle Gemeinden bauen gemeinsam unter einem Dach eine neue - und auch gleich eine mit mehrfachen Nutzungsmöglichkeiten und verschiedenen Indoorangeboten, die sommers wie winters von unterschiedlichen Zielgruppen genutzt werden könnten. 

Aber bisher ist sein Vorschlag offenbar ungehört verhallt. Förster ärgert das. Und er drängt darauf, dass sich die Region und ihre Tourismus-Verantwortlichen diesen Problemen endlich stellen. "Wenn einfach so weitergemacht wird wie bisher", sagt er, "dann werden wir den Wettbewerb im hart umkämpften Tourismusmarkt verlieren.“

Die Jonsdorfer Eissaison startet am Sonnabend 16.30 Uhr. Ab 18.30 Uhr ist Eisdisco. Ab Sonntag ist die Eishalle täglich durchgehend von 11 bis 17 Uhr geöffnet, in der letzten Oktoberwoche ab 10 Uhr.

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