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Lärm-Horror im "Geisterhaus"

Seit Monaten leiden die Bewohner eines Hauses an der Zittauer Südstraße an den Umtrieben einer Nachbarin. Ein Kind glaubt gar an Spuk.

Das "Spukhaus" in der Zittauer Südstraße.
Das "Spukhaus" in der Zittauer Südstraße. © Markus van Appeldorn

Der Grusel-Klassiker "Poltergeist" ist Horror pur. Ein Dämon fährt in ein kleines Mädchen und zerlegt schließlich das ganze Haus der Familie. So ähnlich fühlen sich gerade die Mieter eines Hauses an der Zittauer Südstraße. Seit Monaten poltert es beinahe jede Nacht gewaltig aus einer Wohnung im fünften Stock. Im Unterschied zum Kinofilm ist der Horror für die Bewohner real - und sie finden das kein bisschen unterhaltsam.

Eine Teilzeit-Bewohnerin hat gewissermaßen schon Reißaus genommen. "Die kleine Tochter des Nachbarn im zweiten Stock will ihren Papa nicht mehr besuchen, weil sie Angst hat, dass es da oben spukt", sagt ein Bewohner, der nicht namentlich genannt werden will. Der Rentner wohnt direkt unter dem "Poltergeist". Seit rund 30 Jahren wohne die jetzt auffällige Frau in dem Block. Das merkwürdige Verhalten habe aber erst Anfang des Jahres begonnen.

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Geisteraustreibung bei minus 15 Grad

Der Rentner glaubt freilich nicht an Gespenster. Aber es mache tatsächlich den Eindruck, als sei der Leibhaftige hinter seiner Nachbarin her. "Da werden seit drei Monaten nachts Geister vertrieben, mit viel Lärm, Schreien und Heulen", schildert er. Offensichtlich hämmere die Frau auf Möbel und Fußboden ein. "Selbst bei 15 Grad minus waren da Fenster und Wohnungstür geöffnet, um das Böse aus der Wohnung zu lassen", sagt der Rentner. Teilweise gehe das die ganze Nacht bis sieben Uhr morgens. An Schlaf sei nicht zu denken.

Auch die 67-jährige Rentnerin Eva Jäckel leidet unter dem Lärm-Horror. "Es ist schon ein unheimliches Gefühl", sagt sie. Die Frau aus dem fünften Stock lebe ganz allein in ihrer Wohnung, glaubt aber offenbar an die Anwesenheit einer weiteren Person. "Sie schreit: Mach Dich raus! Das ist meine Wohnung! Und sie reißt die Fenster auf, als wolle sie Geister herausscheuchen", erzählt sie. Kaum eine Nacht bleibe ruhig. "Am Ostersonntag zum Beispiel konnte hier ab drei Uhr nachts niemand mehr schlafen", erzählt die Rentnerin, die sich dabei auch zunehmend Sorgen um ihre Gesundheit macht. "Ich schlafe sowieso schlecht. Wenn man dann noch mitten in der Nacht munter wird, ist das nicht gut", sagt sie.

Was unternimmt der Vermieter?

Wie andere Mieter im Haus habe sie aber Angst, die Frau anzusprechen. "Ich habe Angst, dass die mir auf den Kopp haut, wenn ich ihr begegne", sagt Eva Jäckel. Vor dem Haus habe sie die Frau auch mal beobachtet, wie sie schreiend auf die Briefkästen einschlug. "Die Frau lebt in ihrem Wahn. Für die ist das Realität", sagt Jäckel. Alle Nachbarn sind überzeugt, dass die Frau dringend psychiatrischer Hilfe bedarf. "Ich habe auch schon die zuständige Stelle beim Gesundheitsamt vom Landratsamt informiert", sagt der Rentner aus dem vierten Stock. Es sei auch ein Mitarbeiter der Behörde gekommen - den aber habe die Frau nicht in ihre Wohnung gelassen.

Weil es so nicht weitergehen kann, wünschen sich die Bewohner nun, dass die stadteigene Wohnbaugesellschaft Zittau (WBG) als Vermieter einschreitet. Man habe sich auch bereits mehrfach schriftlich an die WBG gewandt - bisher aber sei nichts in der Sache passiert. "Das Schlimme ist, dass die WBG nichts macht. Es kann nicht sein, dass ein ganzes Haus diesen Terror ertragen muss", sagt der Rentner aus dem vierten Stock.

Der schwierige Weg zu einer Lösung

WBG-Geschäftsführerin Uta-Sylke Standke bestätigt auf SZ-Anfrage, dass ihr mehrere Lärmbelästigungsprotokolle aus dem Haus vorliegen. Und das Unternehmen sei in der Sache auch keineswegs untätig - aber es sei eben nicht so einfach. Weil sie an das Mietrecht gebunden sei, könne sie der Frau nicht einfach so die Wohnung kündigen und sie rausschmeißen. Standke kann die psychische Verfassung der Frau nicht beurteilen. Aber selbst wenn sie einer diesbezüglichen Hilfe bedürfe, könne die WBG als Vermieterin keine dahingehenden Schritte einleiten. "Dazu bedarf es der Zustimmung der Person", sagt Standke und: "Wir haben schon mit so etwas zu tun gehabt - es ist ein langer Weg." Sie hat den Eindruck, dass es in der Corona-Zeit vermehrt zu einer Art "Lager-Koller" bei Menschen komme. Ihr Rat an die betroffenen Bewohner: "Die Mieter sollen bei solchen Vorkommnissen wirklich immer die Polizei rufen." Wenn die Sache auf die Art offiziell werde, sei es nicht ausgeschlossen, dass von Amts wegen Hilfe schneller Hilfe kommt.

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