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Ein Brandbrief für das "Boahnl"

Kaum Einnahmen durch Corona, CO2-Steuer, Tariferhöhung - die Zittauer Schmalspurbahn stand vor großen Problemen. Jetzt gibt es eine Lösung.

Die Zittauer Schmalspurbahn brauchte schnell Hilfe. Soeg-Geschäftsführer Ingo Neidhardt (rechts) ist froh, dass Landtagsabgeordneter Stephan Meyer auf den Brandbrief aller sächsischen Bahnen reagierte und sich für sie einsetzte.
Die Zittauer Schmalspurbahn brauchte schnell Hilfe. Soeg-Geschäftsführer Ingo Neidhardt (rechts) ist froh, dass Landtagsabgeordneter Stephan Meyer auf den Brandbrief aller sächsischen Bahnen reagierte und sich für sie einsetzte. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Aufatmen bei der Zittauer Schmalspurbahn. "Wir hatten zwei große, schwierige Baustellen, die jetzt geklärt werden konnten", berichtet Ingo Neidhardt. Zumindest erst einmal für zwei Jahre. Und damit meint der Geschäftsführer der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (Soeg) nicht die schwere Zeit, wegen des eingeschränkten Betriebes durch die Corona-Pandemie.

"Da sind wir 2020 noch mit einem blauen Auge davongekommen", sagt er. Zwar hat die Schmalspurbahn im vergangenen Jahr etwa 200.000 Euro weniger an Fahrgeld eingenommen, aber dieser Verlust konnte durch den ÖPNV-Rettungsschirm von Bund und Freistaat und durch den Verzicht auf geplante Investitionen ausgeglichen werden. Am Ende kam 2020 sogar noch ein Jahresabschluss mit einer „schwarzen Null“ heraus. Auch, weil die Soeg die bei ihr bestellten 58.000 Fahrkilometer geleistet hat und dafür auch vom Besteller, dem Verkehrsverbund Zvon, das volle Geld erhielt. Das Boahnl - wie die Schmalspurbahn auch genannt wird - ist nämlich, als es zwischenzeitlich wieder ging, mehr gefahren.

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In diesem Jahr sieht das jedoch anders aus. Nur 20 Prozent der geplanten Fahrgeldeinnahmen sind bisher erreicht worden. "Damit können wir nicht leben", sagt Ingo Neidhardt. Und das ist längst nicht das einzige Finanzloch, das gestopft werden muss. Mit einem Brandbrief hatte sich deshalb die Soeg gemeinsam mit der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft (SDG) und der Döllnitzbahn an alle sächsischen Landtagsabgeordneten gewandt und die zwei großen Probleme geschildert. Die Zeit drängte, denn im Landtag sollte Ende Mai der Doppelhaushalt für Sachsen beschlossen werden.

Seit Jahren wird nicht das volle Geld weitergereicht

Und die Vorlage dafür sah für alle fünf sächsischen Schmalspurbahnen nicht gut aus. Wieder sollten sie für die jährliche Teuerungsrate nur ein Prozent Zuwachs vom Freistaat als Ausgleich erhalten. Dabei gibt der Bund den Ländern 1,8 Prozent dafür. Seit Jahren wird aber nicht die volle Summe weitergereicht.

Das hätte nun aber in diesen schwierigeren Finanz-Zeiten weitaus größere Folgen als sonst. Denn auf die Soeg, wie auch die anderen Bahnen, kommen zusätzlich höhere Kosten zu. Demnächst wird die CO2-Steuer fällig. 60.000 Euro sind das im ersten Jahr und 150.000 Euro in fünf Jahren. Außerdem standen die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten an. Um das alles abzufangen, braucht die Soeg nicht nur die vollen 1,8 Prozent vom Bund, sondern zusätzlich etwa zehn Prozent mehr vom Freistaat. "Wir können das alles nicht mit steigenden Fahrgastzahlen oder Preiserhöhungen ausgleichen", sagt der Geschäftsführer.

Von allen haben nur zwei Landtagsabgeordnete reagiert

„Geantwortet haben auf den Hilferuf nur die CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stephan Meyer und Andreas Nowak. Und die haben sich des Problems angenommen", schildert Ingo Neidhardt. Ein neuer Tarifabschluss war wichtig. "Die Mitarbeiter sollen auch mehr Lohn bekommen", sagt er. Der Soeg steht ein Generationswechsel bevor. Für Kollegen, die aus Altersgründen ausscheiden, müssen neue Fachkräfte gewonnen werden. "Dafür müssen wir ihnen aber auch Löhne und Gehälter zahlen, mit denen wir konkurrenzfähig gegenüber anderen Branchen sind", fügt er hinzu.

Seit 2020 wurden bereits sieben neue Mitarbeiter eingestellt und die will man halten. Für die nächsten drei Jahre ist jetzt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer eine Lohnerhöhung von jährlich fünf Prozent vereinbart.

"Das ist aber nur finanzierbar geworden, weil Stephan Meyer und Andreas Nowak sich so dahinter geklemmt haben", erzählt Ingo Neidhardt. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion hatte ihn vor der Fraktionssitzung mehrfach angerufen, um sich von ihm den Ernst der Lage erklären zu lassen. Schließlich konnten im Verbund ihre Kollegen und auch der Koalitionspartner SPD der finanziellen Unterstützung der Bahnen zustimmen und die Grünen das mittragen.

Jetzt können die sächsischen Bahnen 2021 mit 4,5 Prozent und im nächsten Jahr mit 1,8 Prozent rechnen. Das hilft ihnen erst einmal. Für 2021 braucht es aber wieder den ÖPNV-Rettungsschirm und für den nächsten Doppelhaushalt die noch offenen Erhöhungen.

"Hinter unseren Schmalspurbahnen stecken nicht nur ein paar Eisenbahnfans. Die Bahnen sind ein sächsisches Kultur- und Technik-Erbe und längst ein wichtiger Tourismusmagnet", sagt Stephan Meyer. Und den müsse man erhalten, begründet er sein Engagement.

Nach den Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen fährt die Schmalspurbahn nun wieder mit zwei Dampfzügen zwischen Zittau und den Gebirgsorten Jonsdorf und Oybin, und einem dritten Zug am Wochenende. Auch die Themen- und Zeitreise-Züge gibt es wieder.

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Damit der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion mal sehen kann, wofür er sich stark gemacht hat, will ihn die Soeg zu einer Rundfahrt einladen. Andreas Nowak kommt aus Leipzig. Historik Mobil wäre für den Besuch im August eine gute Möglichkeit.

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